Die Ära Christoph Hüls bei den Stadtwerken Osnabrück (Niedersachsen) endet abrupt.
Gut ein Jahr nach Unterzeichnung eines neuen fünfjährigen Vertrags zieht der Vorstandsvorsitzende des Kommunalunternehmens die Konsequenzen aus einem historisch verlustreichen Geschäftsjahr 2021. Wie die Stadtwerke zuvor bekanntgegeben hatten, soll das Defizit im zweistelligen Millionenbereich liegen. (Die ZfK berichtete.)
"Immens viel Verunsicherung"
Das angekündigte Minus sorge für "immens viel Verunsicherung im und um unser Unternehmen", wird Hüls in einer Presseaussendung zitiert. Dies dürfe sich keinesfalls festsetzen. "Ich habe daher beschlossen, mein Amt zur Verfügung zu stellen, damit das Unternehmen wieder in ruhigeres Fahrwasser gerät."
Der Vertrag mit dem studierten Elektrotechniker soll vorzeitig zum 30. Juni aufgelöst werden. Der Aufsichtsrat hat dem bereits zugestimmt. Ein Nachfolger steht noch nicht fest.
Seit 2017 in Osnabrück
Hüls war 2017 Chef des Osnabrücker Kommunalunternehmens geworden.
Zuvor hatte der nunmehr 57-Jährige acht Jahre lang die Stadtwerke Detmold geleitet.
Engagierter Stadtwerkechef
Hüls galt als engagierter und umtriebiger Stadtwerkechef. Unter seiner Führung investierte das Unternehmen in erneuerbare Energien und rollte für mehrere zehntausend Kunden einen Regionalstromtarif aus.
Zudem elektrifizierten die Stadtwerke ihre Busflotte und starteten den flächendeckenden Ausbau der gut 160.000-Einwohner-Kommune mit Glasfaserkabeln.
"Großer Einsatz" für Stadtwerke
Schlagzeilen machte das Unternehmen überdies mit dem Einstieg in den Wohnbaumarkt. Dazu gründete es die Tochtergesellschaft "Wohnen in Osnabrück". Diese soll im Auftrag der Stadt bis 2030 etwa 1000 neue Wohnungen bauen.
Entsprechend bedankte sich Oberbürgermeisterin Katharina Pötter (CDU), die zugleich Aufsichtsratschefin des Kommunalunternehmens ist, für Hüls' "großen Einsatz". In seiner Amtszeit seien Maßnahmen zur Zukunftsfähigkeit der Stadtwerke vorbereitet worden.
Überschüsse bereits vor 2021 geschmolzen
Eine vom Vorgänger weitervererbte Altlast konnte Hüls dagegen nicht abstreifen. Die Minderheitsbeteiligung der Stadtwerke am Trianel-Steinkohlekraftwerk Lünen belastet die Stadtwerke noch immer schwer. Insgesamt schmolzen die Jahresüberschüsse in den vergangenen Jahren nach und nach zusammen: von mehr als zehn Mio. Euro in Hüls' erstem Amtsjahr auf gut drei Mio. Euro im Jahr 2020.
Tief ins Minus ging es 2021 dann nach eigenen Angaben vor allem wegen dramatisch gestiegener Beschaffungskosten für Gas und Strom. Diese konnte oder wollte das Unternehmen trotz Aufspaltung der Grundversorgungstarife offenkundig bei weitem nicht eins zu eins an die Endkunden weiterreichen.
"Teils 14-fachen Preis bezahlen müssen"
"Zwar decken wir uns zum größten Teil über den Terminmarkt ein", erklärte Hüls jüngst auf ZfK-Anfrage.
"Drei bis fünf Prozent aber beziehen wir kurzfristig. Und da haben wir im vierten Quartal teilweise den 14-fachen Preis bezahlen müssen."
Härtere Zeiten für Belegschaft
In der Folge hatte der Stadtwerkechef seine Belegschaft auf härtere Zeiten eingeschworen. "Wir haben eine klare Ausgabendisziplin eingefordert", sagte Hüls dem Lokalblatt "Neue Osnabrücker Zeitung". "Wir müssen extrem diszipliniert sein – bei Investitionen und Aufwand. Das betrifft auch [das] Personal."
Zudem würden "nicht zwingende" Investitionen auf der Kippe stehen. Der Manager nannte neue Umkleidekabinen im Bäderbereich als Beispiel.
Mobilitätsvorstand scheidet 2023 aus
Mit dem Weggang Hüls' könnten die Stadtwerke Osnabrück in den nächsten Monaten ein komplett neues Führungsduo bekommen. Denn auch Mobilitätsvorstand Stephan Rolfes scheidet im März 2023 aus Altersgründen aus.
Der Aufsichtsrat bemühe sich derzeit um eine Lösung für den Übergang an der Stadtwerkespitze, heißt es dazu in der Pressemitteilung knapp. Dies habe jetzt Priorität. (aba)



