Das Geschäft mit Ladestrom bleibt trotz neuer Kaufprämien für E-Autos vorerst zäh. Gewinne sind in diesem Geschäftsfeld bislang eher die Ausnahme. Wann es einen positiven Effekt an der Ladesäule gibt, ist offen. Auch Konzerne wie Baywa oder Total Energies betreiben hierzulande Ladeinfrastruktur – zumindest noch.
Denn Baywa suche aktuell einen Käufer für die Ladeinfrastrukturtochter Baywa Mobility Solutions (BMS), bestätigte ein Konzernsprecher. Baywa befindet sich infolge einer missglückten internationalen Expansion in einer Krise. Die laufende Sanierung soll Schulden und Verluste in Milliardenhöhe senken.
Verkaufsprozess stehe am Anfang
Einen potenziellen Käufer hat der Konzern offenbar noch nicht in Aussicht. "Der Verkaufsprozess steht noch am Anfang", erklärte der Sprecher weiter. Zum Verkaufspreis machte er keine Angaben. Die BMS betreibt demnach 21 Ladeparks mit insgesamt 112 Ladepunkten. Zuerst berichtete "The Pioneer".
Dem Bericht zufolge soll auch Total Energies auf der Suche nach einem Käufer für das eigene Ladesäulengeschäft in Deutschland sein. Das Angebot umfasse rund 190 Ladeparks, von denen bisher ein Drittel in Betrieb sei. Der französische Konzern betreibt hierzulande weit mehr Ladepunkte als Baywa, nach eigenen Angaben rund 5000.
Deutschlandnetz-Standorte betroffen?
Verkauft werden sollen laut Medienbericht auch 134 Standorte mit 1100 Ladepunkten, die Total Energies im Rahmen des Deutschlandnetzes errichtet – die die Bundesregierung also als entscheidend für das Gelingen des Hochlaufs einstuft. Daran gekoppelt seien staatliche Fördergelder "in dreistelliger Millionenhöhe", heißt es weiter.
Auf Nachfrage sagte ein Sprecher von Total Energies, Gerüchte und Marktspekulationen würden grundsätzlich nicht kommentiert. Dass der Konzern diesen Schritt tatsächlich gehen könnte, erscheint allerdings unwahrscheinlich. Erst im Februar verstärkte er seine Ladeinfrastrukturaktivitäten in den Nachbarländern Belgien und den Niederlanden.
Total Energies verstärkt Aktivitäten
Dort betreibe Total Energies 9500 beziehungsweise 18000 Ladepunkte und sei in Belgien damit sogar Marktführer, teilte der Konzern mit. Durch eine Partnerschaft mit der Vermögensverwaltung Tikehau Capital (Frankreich) sollen weitere hinzukommen. Die Partner haben eine Investitionsplattform für öffentliche Ladesäulen angekündigt.
Die Bundesregierung möchte mit einer Kaufprämie von maximal 6000 Euro pro E-Auto den Markthochlauf ankurbeln. Beantragen kann die Förderung, wer sein Fahrzeug ab dem 1. Januar zugelassen hat. Die Energiebranche begrüßte die Maßnahme. Ladesäulen seien ausreichend vorhanden, derzeit fehle die Nachfrage, so der BDEW.
VKU erwartet "moderat wachsenden Effekt"
Ein Sprecher des VKU sagte auf Nachfrage: "Wir rechnen damit, dass kommunale Betreiber im Jahresverlauf einen moderat wachsenden Effekt in ihren Ladenetzen sehen werden." Der Verband erwarte mehr Ladevorgänge, eine höhere Grundauslastung insbesondere in Wohnquartieren und auf dem Land sowie eine steigende Nachfrage nach Schnellladelösungen, so der Sprecher.
Immerhin: Nach neuesten Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes wurden im Februar knapp 29 Prozent mehr E-Autos zugelassen als im Vorjahresmonat. Ihr Anteil lag demnach bei fast 22 Prozent an den Neuzulassungen insgesamt. Plug-in-Hybride legten um 24,5 Prozent zu und machten mehr als 11,5 Prozent an den Zulassungen aus.



