Die Monopolkommission sieht auf dem Ladesäulenmarkt weiterhin viel Luft nach oben.

Die Monopolkommission sieht auf dem Ladesäulenmarkt weiterhin viel Luft nach oben.

Bild: © Julian Stratenschulte/dpa

Von Andreas Baumer

Starten wir mit einer guten Nachricht für Elektroautofahrer. Deutschlands größter Ladesäulenbetreiber EnBW senkt die Preise. An unternehmenseigenen Ladepunkten geht es je nach Tarif ab Dezember auf bis zu 46 Cent pro Kilowattstunde (kWh) nach unten. Wer an Ladepunkten anderer Anbieter EnBW-Strom tanken will, muss künftig auch nicht mehr mindestens 59 Cent pro kWh zahlen, sondern 56 Cent.

Die Ankündigung des baden-württembergischen Energiekonzerns platzt in eine für Ladesäulenbetreiber knifflige Nachrichtenlage. Anfang dieser Woche bezeichnete der mächtige Automobilverband ADAC die aus seiner Sicht mangelnde Preistransparenz an Ladesäulen als "großes Ärgernis". Untersucht wurde konkret die Schnellladeinfrastruktur für Elektroautos entlang von Autobahnen.

ADAC: "An Verbrenner-Tankstelle undenkbar"

Laut ADAC wurde der Kilowattstundenpreis an fast allen Anlagen mit Ladepunkten von 150 Kilowatt und mehr angezeigt, der Endpreis allerdings nur an 16 Anlagen (44 Prozent). "An einer Tankstelle für Verbrenner wäre das undenkbar", ätzte der Lobbyverband.

Stadtwerke sind in der Regel fein raus, wenn es um Ladepunkte an Autobahnen geht. Ihre Ladesäulen stehen eher auf Parkplätzen innerhalb ihrer Kommunen. Doch auch sie kamen diese Woche nicht ungeschoren davon. Denn einmal mehr knöpfte sich die Monopolkommission, die das Bundeswirtschaftsministerium berät, den Ladesäulenmarkt vor.

Dieser sei weiterhin von Wettbewerbshemmnissen betroffen, schrieb die Kommission in ihrem neuen Sektorgutachten. "Diese resultieren unter anderem aus intransparenten Flächenvergaben, die zu einer hohen regionalen Marktkonzentration führen können, und dem mangelnden Preisüberblick für Verbraucherinnen und Verbraucher. In Regionen mit hoher Marktkonzentration liegen die Ladepreise heute entsprechend höher als in Regionen mit geringerer Konzentration."

Die Ladeinfrastruktur für Autos sei in den vergangenen drei Jahren zwar stark gewachsen. "Jedoch ist ihre Auslastung in vielen Fällen gering", konstatierte die Kommission. "Kommunen vergeben Konzessionen häufig so, dass kein wirksamer Wettbewerb zwischen Ladesäulen entsteht."

BDEW: Anbieterkonzentration bei Ladesäulen "deutlich rückläufig"

Die Monopolkommission begrüßte mit Blick auf Pläne der Bundesregierung Fortschritte bei der Einrichtung einer Preistransparenzstelle für das sogenannte Ad-hoc-Laden. Außerdem empfahl sie, den Zugang zu kommunalen Flächen nur über wettbewerbliche, diskriminierungsfreie und transparente Ausschreibungen zu ermöglichen. "Direktvergaben sollen dabei ausgeschlossen, Lose kleinteilig vergeben und Sondernutzungsrechte zeitlich befristet werden."

Die Reaktion des Energieverbands BDEW fiel gemischt aus. Er begrüßte die Einschätzung des Expertengremiums, dass ein wettbewerblicher, marktgetriebener Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektromobilität zu den besten Ergebnissen führe. "Der Wettbewerb sorgt für Innovation, Effizienz und Kundennähe – zentrale Voraussetzungen für den Erfolg der Elektromobilität in Deutschland."

Aus seiner Sicht ist die Anbieterkonzentration auf dem Ladesäulenmarkt allerdings seit 2019 "kontinuierlich und deutlich rückläufig". "Inzwischen bewegen sich die Marktanteile in der Regel auf unterkritischen Werten. Der Trend zeigt klar: Der Wettbewerb nimmt bundesweit zu."

Erwartungsgemäß nahm der BDEW auch die Automobilindustrie in die Pflicht. Wenig verständlich sei, warum die Monopolkommission nicht den Widerspruch zwischen dem seit Jahren vorauslaufenden Ausbau des Ladeangebots und der gleichzeitigen Forderung nach niedrigeren Ladepreisen thematisiere, klagte er. "Eine geringe Auslastung der Säulen – als Folge des proaktiven Ausbaus – führt zwangsläufig dazu, dass die Fixkosten auf weniger Ladevorgänge verteilt werden. Dies ist kein Zeichen ineffizienter Marktstrukturen, sondern vor allem einer zu geringen Nachfrage."

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