Europäische Hersteller von Elektroautos konzentrieren sich aufs Premium-Segment – und lassen den Massenmarkt liegen.

Europäische Hersteller von Elektroautos konzentrieren sich aufs Premium-Segment – und lassen den Massenmarkt liegen.

Bild: © Wellnhofer Desgins/Adobe Stock

Chinesische Autohersteller beginnen, auf dem europäischen Markt für Elektromobilität Fuß zu fassen. Deren Fahrzeuge machen in diesem Jahr 5 Prozent aller bisher verkauften batterieelektrischen Autos (BEV) aus – mit steigender Tendenz. Basierend auf aktuellen Trends könnten sie Europa im Jahr 2025 mit 9 bis 18 Prozent der BEV versorgen, wie eine Studie des europäischen Verbands Transport & Environment zeigt.

Der Verband warnt, dass EU-Automobilhersteller versäumen könnten, das BEV-Angebot zu erweitern. Dies könne dazu führen, dass außereuropäische Unternehmen den größten Teil des Massenmarktes in Europa erobern.

China und USA unterstützen ihre Industrie kräftig

Julia Poliscanova von T&E sagt: „Europäische Autohersteller haben beim Angebot an Elektroautos auf die Bremse getreten – gerade in einer Zeit, in der chinesische und amerikanische Autohersteller schnell neue Modelle auf den Markt bringen. Wenn Europa die Wettbewerbsfähigkeit seiner Autoindustrie erhalten will, muss die EU eine starke eigene Industriepolitik einführen, um der kräftigen Unterstützung der Chinesen und Amerikaner für Elektrofahrzeuge gerecht zu werden. Das Klima und die Arbeitsplätze des Kontinents stehen auf dem Spiel.“

Der Anteil der Verkäufe von Elektroautos in Europa ging im ersten Halbjahr 2022 auf 11 Prozent zurück, verglichen mit 13 Prozent in der zweiten Hälfte des Vorjahres. Steigende Verkäufe von Elektrofahrzeugen in den Vereinigten Staaten und China deuten darauf hin, dass ein Mangel an regulatorischen Anreizen und nicht ein Engpass in der Lieferkette die Hauptursache für Europas schleppende Elektrifizierungsbemühungen ist, glaubt der Verband.

BEV-Verkäufe seien in China im ersten Halbjahr 2022 auf fast 18 Prozent des Neuwagenmarkts gestiegen. Zur gleichen Zeit sei der Anteil von Elektrofahrzeugen in den USA um 50 Prozent gewachsen. Dagegen ging der Anteil der BEVs in Europa um zwei Prozentpunkte zurück, da die Europäer mit unerträglich langen Wartezeiten für Elektromodelle konfrontiert worden seien.

EU soll Schlupflöcher beseitigen

Das Fehlen regulatorischer Anreize trage weit mehr dazu bei, den Verkauf von Elektrofahrzeugen in Europa zu verlangsamen, als die Krise in der Lieferkette, glaubt Poliscanova. Die derzeitigen CO2-Ziele für Autos funktionierten nicht. Die EU müsse den Ausstieg aus Benzin und Diesel bis 2035 schnell verabschieden und Schlupflöcher beseitigen.

Verlangsamtes Angebot und lange Wartezeiten seien jedoch nicht die einzige Herausforderung für den europäischen Automarkt. Europäische Autohersteller konzentrieren sich zunehmend auf Premium-Modelle. Damit seien der Massenmarkt und damit die Massenbeschäftigung in Gefahr, von ausländischen Anbietern dominiert zu werden. (wa)

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