Kerstin Andreae ist seit 2019 Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung beim Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW).

Kerstin Andreae ist seit 2019 Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung beim Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW).

Bild: © Bernd von Jutrczenka/dpa

Welche Rolle sollte Wasserstoff als Wärmepumpenalternative im neuen Gebäudeenergiegesetz, auch Heizungsgesetz genannt, spielen? Diese Debatte hat in den vergangenen Tagen wieder Fahrt aufgenommen.

Zuerst war es Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck, der im Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" die Praxistauglichkeit dieser Option infrage stellte. Er freue sich, wenn Gasheizungen mit Wasserstoff laufen könnten, sagte er. "Ich fürchte nur, dass es dafür nicht reicht." Dann legte sein Parteifreund Jens Kerstan, Umweltsenator im Stadtstaat Hamburg nach. "Wasserstoff wird bei der Beheizung von Wohnungen in Zukunft keine Rolle spielen", sagte er.

"Dürfen Wasserstoff nicht außen vorlassen"

Anders sieht das Kerstin Andreae, die für die Grünen früher ebenfalls hohe Positionen bekleidete – unter anderem war sie stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Ökopartei im Bundestag. Nun steht sie an der Spitze des Energie- und Wasserbranchenverbands BDEW.

Aus Andreaes Sicht sind wasserstofffähige Gasheizungen "nicht die entscheidende Lösung". Aber sie seien eine. "Und die dürfen wir nicht außen vorlassen", sagte sie bei einer Sachverständigenanhörung vor dem Energieausschuss des Bundestags.

Hybridheizungen und Ankerkunden

Geht es nach Andreae, wird die Zukunft der Wärmeversorgung im Wesentlichen aus dekarbonisierter Fernwärme und Wärmepumpen bestehen. Insbesondere an kalten Wintertagen seien zudem Hybridheizungen eine Lösung. Dann sei aber auch ein Anschluss an Gasnetze vonnöten, sagte sie. Biogas werde hier eine bedeutende Rolle spielen.

Dann käme die entscheidende Frage des Wasserstoffs. Insbesondere in Regionen mit Ankerkunden müsse man auch über mögliche Hausanschlüsse ans Wasserstoffnetz sprechen, sagte die BDEW-Chefin. Mit Ankerkunden dürften etwa Unternehmen aus der Stahl- oder Chemieindustrie gemeint sein, die künftig in großem Stil Wasserstoff als Erdgasersatz beziehen.

Bedeutung von Beratung

Eine Beratung auch mit Blick auf bereits bestehende oder geplante kommunale Infrastruktur würde jedoch an dieser Stelle zentral sein, führte die Verbandschefin aus. "Aber das können die Stadtwerke, das können die lokalen Energieversorger, die können die Menschen dahingehend beraten, was die richtige individuelle Entscheidung ist. Und deswegen ist es wichtig, den Strauß [an Technologieoptionen] breit offen zu lassen."

Für Technologieoffenheit warben bei der Anhörung auch andere Verbände. So plädierte VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing für "örtlich angepasste Lösungen". Der Stadtwerkeverband hatte die hohen Hürden für Wasserstoffheizungen im bisherigen Entwurf scharf kritisiert. Auch Helmut Bramann vom Installateurs- und Klempnerverband ZVSHK sagte, dass angesichts des sehr heterogenenen Gebäudebestands und vielfältiger Mieter- und Eigentümersituationen "eine breite Palette" hermüsse.

BEE: H2-fähige Heizungen "Fata Morgana"

Der Erneuerbaren-Verband BEE wiederum bezeichnete wasserstofffähige Heizungen als "Fata Morgana" und grünen Wasserstoff im Wärmesektor aus energiewirtschaftlicher Sicht als eine "Randerscheinung".

Noch steht Deutschland beim Aufbau einer bundesweiten Wasserstoffinfrastruktur ganz am Anfang. Ein Gesetz zur Schaffung eines Wasserstoffkernnetzes wurde Ende Mai vom Bundeskabinett verabschiedet.

Wasserstoff-Netzentwicklungsplan

Am Donnerstag drängten die ostdeutschen Ministerpräsidenten, allen voran Sachsens Landeschef Michael Kretschmer und sein sachsen-anhaltinischer Amtskollege Reiner Haseloff (beide CDU), darauf, auch die wichtigsten Industriestandorte in Ostdeutschland an das Kernnetz anzuschließen.

Bis Ende des Jahres soll in einer zweiten Stufe eine umfassende Wasserstoff-Netzentwicklungsplanung im Energiewirtschaftsgesetz verankert werden. (aba)

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