Patrick Graichen ist seit vergangenem Jahr verbeamteter Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft und Klimaschutz. Zuvor war er Chef von Agora Energiewende.

Patrick Graichen ist seit vergangenem Jahr verbeamteter Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft und Klimaschutz. Zuvor war er Chef von Agora Energiewende.

Bild: © Jörg Carstensen/dpa

Wie teuer wird die Wärmewende für jeden Einzelnen? Da gehen die Meinungen derzeit weit auseinander. Für Patrick Graichen, Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, der als Kopf des umstrittenen Heizungsgesetzes gilt, ist dabei klar: Zu den Kosten für den Einbau von Wärmepumpen kursierten "völlig überhöhte Zahlen", sagte er bei einem Interview im Vorfeld der Berliner Energietage.

Aus seiner Sicht würden sich dabei in den "allermeisten Fällen" die Investitionen zwischen 20.000 und 25.000 Euro bewegen. "Es ist ordentlich Geld, mit Förderung aber stemmbar."

EWE wirbt mit 1000 Euro Bonus

Und wenn nicht? Dann gebe es etliche Unternehmen, die Wärmepumpen auch als Contractingmodell anböten. "Dieser Markt läuft gerade massiv hoch und hat dann genauso Anspruch auf massive Förderung", sagte Graichen. Er könne sich gut vorstellen, "dass das jetzt den großen Durchbruch bekommt." Der Charme dabei sei nämlich, dass man sich selbst um nichts kümmern müsse.

Energieversorger, die schon jetzt Contractingmodelle anbieten, dürften das gerne hören. Dazu zählt etwa der Oldenburger Konzern EWE, der derzeit mit einem Rundum-Sorglos-Wärmepumpenpaket inklusive 1000 Euro Bonus wirbt. Oder die Stadtwekrke Bochum, die Wärmepumpen zum Mieten zu mindestens 280 Euro pro Monat anbieten. Mit dabei: "jährliche Wartung bei Pacht" sowie "Störungsannahme und -behebung 365 Tage 24 Stunden".

Auch Habeck verweist auf Mietmodell

Auf die Möglichkeit, Wärmepumpen zu mieten, hatte am Freitag bereits Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck verwiesen. (Die ZfK berichtete.) Dieses Modell sei aus seiner Sicht zunehmend attraktiv für Leute, die kein neues Eigenheim kauften, sagte er im Bundestag.

Doch zurück zu Habecks Staatssekretär Graichen. Dieser äußerte sich im Interview auch zur für Stadtwerke so wichtigen Fernwärme. Genauer gesagt zu den Betriebskosten, die hier dann auf Bürger zukommen könnten. "Da muss man darauf achten, dass zum Beispiel die Netzentgelte nicht so hoch sind", sagte der Spitzenbeamte, um zugleich einzuschränken, dass dies Aufgabe der Bundesnetzagentur sein würde. Generell müsse gelten, "dass nicht übermäßige Kosten auf die Fernwärmekunden zukommen".

Graichen rät von neuen Gasheizungen ab

Klar abraten würde Graichen vom Einbau einer neuen Öl- und Gasheizung. Zur Einordnung: Heizungsbaubetriebe und -verbände in mehreren Bundesländern hatten zuletzt rekordverdächtige Bestellungen fossiler Heizungen gemeldet. (Die ZfK berichtete.)

Bürgern müsste klar sein, dass sie jetzt neu eingebaute Gasheizungen im Zweifel vor dem Ende der üblichen Lebensdauer von Heizungen, auf jeden Fall jedoch spätestens 2045 wieder ausbauen müssten, sagte der Staatssekretär.

Graichen mahnt zu Geduld

Zudem würden Öl und Gas spätestens ab 2027 immer teurer werden, wenn die CO2-Bepreisung im Gebäudesektor in einen echten Emissionshandel überführt würde. Er warne deshalb "sehr davor", sich jetzt noch eine fossile Heizung einzubauen.

Für alle sei es jetzt die sinnvollste Strategie, die Bestandsheizung weiterzunutzen und sich dann bei gegebener Zeit die Situation anzuschauen und im Zweifel eine Wärmepumpe einzubauen oder sich ans Fernwärmenetz anzuschließen. "Jetzt hektisch eine funktionierende Gas- oder Ölheizung zu ersetzen, ist nicht nötig." (aba)

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