Michael Kruse ist energiepolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion.

Michael Kruse ist energiepolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion.

Bild: © Michael Kruse/FDP

Der Bericht des "Handelsblatts", wonach die Übertragungsnetzbetreiber in diesem Jahr einen zusätzlichen Finanzierungsbedarf in Höhe von 7,8 Mrd. Euro sehen, hallt nach. Jetzt hat Michael Kruse, energiepolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, eigene Berechnungen angestellt.

Er nennt die von den Übertragungsnetzbetreibern geforderte Summe "lediglich die Spitze des Eisbergs". "Aufgrund der sinkenden Preise am Strommarkt dürften die Ausgaben für Erneuerbare um 17 Milliarden höher liegen", schreibt er. Die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtete zuerst.

Sechs Cent pro kWh Strom

Kruse geht von einem Stromgroßhandelspreis in Höhe von etwa sechs Cent pro kWh aus. Dies hält er für einen realistischen Börsenpreis in diesem Jahr. Der FDP-Politiker verweist auch auf ähnlich lautende Schätzungen des Bundeswirtschaftsministeriums. Dies jedoch würde "vorsichtig geschätzt" zu einem zusätzlichen Finanzierungsbedarf von 13,5 Mrd. Euro führen, folgert er.

Dazu kämen Restansprüche der Netzbetreiber aus den vergangenen beiden Jahren, die laut "Handelsblatt" auf 3,4 Mrd. Euro beziffert werden. Alles in allem würden also 27,5 Mrd. Euro zusammenkommen.

10,6 Mrd. Euro eingeplant

Mit eingerechnet sind hier die 10,6 Mrd. Euro, die Bundesregierung und Bundestag nach einer Herbstprognose der Übertragungsnetzbetreiber für das laufende Jahr eingeplant hatten. Das Geld kommt aus dem Klima- und Transformationsfonds.

Sollten die EEG-Förderkosten tatsächlich deutlich höher ausfallen, müsste der Bund nachschießen. Zumindest ist er gesetzlich verpflichtet, für die notwendige Liquidität auf dem EEG-Konto zu sorgen. Kruse warnt: "Wenn Robert Habeck jetzt nicht mit seiner Politik gegensteuert, werden die Ausgleichszahlungen für das EEG den Klima- und Transformationsfonds auffressen."

Blick auf Terminmarkt

Ein Blick auf den Strom-Terminmarkt zeigt, dass Händler derzeit für dieses Jahr eher höhere Preise erwarten als sechs Cent pro Kilowattstunde (kWh).

Für das zweite Quartal wurde die Kilowattstunde für umgerechnet 6,4 Cent gehandelt. Das Bandprodukt für das dritte Quartal notierte bei umgerechnet 7,3 Cent pro kWh, das vierte Quartal bei 8,7 Cent.

Knackpunkt Solaranlagen

Fakt ist aber auch, dass sich die Lage am Day-Ahead-Markt, wo volatile erneuerbare Energien in der Regel vermarktet werden, nicht zuletzt witterungsbedingt ganz anders darstellen kann. Üblicherweise nimmt die Einspeisung aus Solaranlagen im zweiten und dritten Quartal im Vergleich zu den übrigen beiden Quartalen deutlich zu.

Im vergangenen Jahr war es zudem so, dass Solaranlagen im Vergleich zu anderen Energieträgern überdurchschnittlich hohe anzulegende Werte aufwiesen, wie ein Sprecher des Netzbetreibers Amprion erklärte. Dies habe zu überdurchschnittlich hohen Vergütungs- und Marktprämienzahlungen an Anlagenbetreiber in den entsprechenden Quartalen geführt.

14 Milliarden Minus in einem Jahr

Im vergangenen Jahr war das EEG-Guthaben um 14,2 Mrd. Euro geschmolzen. (Die ZfK berichtete.) Am höchsten fielen die Fehlbeträge im Juli und August aus. Jeweils knapp 1,9 Milliarden Euro wurden in diesen Monaten mehr ausgegeben als eingenommen.

Doch auch noch im Dezember betrug der Verlust 1,1 Milliarden Euro. Zahlen für Januar 2024 dürften bis Mitte Februar vorliegen. (aba)

Mehr zum Thema Strommarkt aus dem ZfK-Archiv:

EEG-Finanzspritze wohl nicht genug: Neues Acht-Milliarden-Euro-Loch droht

Bis zu 500 Euro im Minus: Das fulminante Comeback der negativen Strompreise

Ende einer Serie: Deutschland nicht mehr Netto-Stromexporteur

Lesen Sie weiter mit Ihrem ZFK-Abonnement

Erhalten Sie uneingeschränkten Zugang zu allen Inhalten der ZFK!

✓ Vollzugriff auf alle ZFK-Artikel und das digitale ePaper
✓ Exklusive Analysen, Hintergründe und Interviews aus der Branche
✓ Tägliche Branchen-Briefings mit den wichtigsten Entwicklungen

Ihr Abonnement auswählen

Haben Sie Fehler entdeckt? Wollen Sie uns Ihre Meinung mitteilen? Dann kontaktieren Sie unsere Redaktion gerne unter redaktion@zfk.de.

Home
E-Paper