Die Strompreise im Kurzfristhandel sind im vergangenen Jahr zeitweise sehr tief gefallen.

Die Strompreise im Kurzfristhandel sind im vergangenen Jahr zeitweise sehr tief gefallen.

Bild: © Andy Ilmberger/AdobeStock

Eigentlich standen die Zeichen auf dem deutschen Strommarkt im vergangenen Jahr auf Entspannung. Anders als im Vorjahr erlebten die Händler keine Rekordjagd nach der anderen.

Auch die 1000-Euro-Grenze wurde auf den Terminmärkten nicht mehr gebrochen. In der Folge blieben schlagzeilenträchtige Finanzspritzen für eigentlich grundsolide wirtschaftende, aber plötzlich liquiditätsknappe Großversorger aus.

524 Euro pro MWh in der Spitze

Tatsächlich pendelten sich 2023 die Megawattstundenpreise im hohen zwei- und niedrigen dreistelligen Wert ein. Der durchnschittliche Großhandelsstrompreis sank im Vergleich zum Vorjahr von 235 auf 95 Euro pro Megawattstunde (MWh).

Ausreißer nach oben gab es trotzdem, wie frische Zahlen der Bundesnetzagentur zeigen. So schoss der Day-Ahead-Strompreis für Montag, 11. September, zwischen 19 und 20 Uhr auf 524 Euro pro Megawatttunde (MWh) hoch. Als wesentlicher Grund dafür wurde das schwache Windaufkommen in Kombination mit geringerer Atomstromproduktion in Westeuropa angeführt.

Ausnahmetag 2. Juli

Deutlich mehr Schlagzeilen machte ein historischer Preissturz am Sonntag, 2. Juli. (Die ZfK berichtete.) Zwischen 14 und 15 Uhr sackte der Day-Ahead-Großhandelspreis auf 500 Euro pro MWh ab. Noch weniger war technisch nicht möglich.

In besagter Stunde wurden nach Angaben der Bundesnetzagentur-Plattform Smard 56 Gigawatt (GW) Strom erzeugt. Dem stand ein Verbrauch von gerade einmal 44 GW gegenüber. Laut Prognose hätten Wind und Photovoltaik allein sogar 61 Gigawatt produzieren können. In der Regel werden in solchen Fällen jedoch Windkraftanlagen abgeriegelt.

"Das war bis dato einmalig"

"Das war natürlich außergewöhnlich und bis dato einmalig", kommentierte Thomas Krings, Chef des Direktvermarkters Quadra Energy, im Interview mit der ZfK.

"Sie können sich vorstellen, dass auch bei uns die Drähte geglüht haben und im Handelsraum einiges los war."

Im Vorjahr nur 69 Negativstunden

Der 2. Juni sollte aber bei weitem nicht der einzige Tag bleiben, an dem es auf den Kurzfristbörsen stundenweise in negatives Terrain ging. Die Bundesnetzagentur zählte im vergangenen Jahr 301 Negativstunden – ein fulminantes Comeback.

Schon im Coronajahr 2020 war die Zahl der Negativstunden sprunghaft auf 298 gestiegen. In den beiden Folgejahren zogen dann jedoch die Großhandelsstrompreise deutlich an. Auch deshalb ging es mit den Negativstunden nach unten – auf 139 (2021) und 69 (2022), wie eine Auswertung der Berliner Unternehmensberatung Energy Brainpool für die ZfK zeigt.

36 Stunden in Serie Negativpreise

Gerade zu Weihnachten häuften sich 2023 die Negativstunden. Zwischen 24. und 25. Dezember blieb der Day-Ahead-Preis 36 Stunden hintereinander in negativem Terrain, wie Jean-Paul Harreman vom Analyseunternehmen Enappsys in einem Linkedin-Beitrag schilderte.

Als Gründe wurden ein traditionell niedriger Stromverbrauch, begünstigt durch das milde Wetter, sowie eine ungewöhnlich hohe Windstromproduktion angeführt. In den Tagen um Weihnachten rauschte das Sturmtief Zoltan durch Deutschland.

Elf Negativstunden im neuen Jahr

Auch am Silvestertag unterschritt der Day-Ahead-Preis um 7 Uhr noch einmal für eine Stunde die Null-Euro-Grenze. Das Jahr endete mit einem Strompreis von zwei Euro pro MWh.

Im neuen Jahr wurden übrigens bislang elf Negativstunden gezählt, wobei der niedrigste Wert minus 1,38 Euro pro MWh war. Zuletzt lagen die Day-Ahead-Preise aber wieder deutlich darüber. Diesen Freitag notiert der niedrigste Stundenwert – von 3 bis 4 Uhr – bei 73 Euro pro MWh. (aba)

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