Erwartungsgemäß war die EEG-Deckungslücke im Mai so groß wie in noch keinem anderen Monat in diesem Jahr. Rund 2,2 Milliarden flossen vom EEG-Konto ab.
Dem standen Einnahmen von rund 0,2 Milliarden Euro gegenüber. Das Defizit betrug also rund zwei Milliarden Euro. Die Zahlen sind auf der gemeinsamen Internetseite der Übertragungsnetzbetreiber abrufbar.
EEG-Guthaben wächst
Dennoch ist das EEG-Guthaben von April bis Mai gestiegen. Das hängt mit dem monatlichen Bundeszuschuss zusammen. Auch dieser fiel so hoch aus wie noch nie in diesem Jahr. Satte 3,4 Milliarden Euro wurden auf das EEG-Konto überwiesen. Zum Vergleich: Zuvor waren es rund 1,3 Milliarden Euro pro Monat.
Das EEG-Konto wird von den Übertragungsnetzbetreibern rein treuhänderisch verwaltet. Über das EEG-Konto werden erneuerbare Energien im Rahmen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes, kurz EEG, gefördert. Die Einnahmen stammen im Wesentlichen aus den Vermarktungserlösen der erneuerbaren Energien auf den Kurzfristmärkten.
Börsenpreise steigen
Das Defizit zwischen Förderausgaben und Vermarktungserlösen steigt vor allem dann, wenn an sonnigen und verbrauchsarmen Sommertagen besonders viele Photovoltaikanlagen zur Mittagszeit ins Netz einspeisen. Dann sinkt in der Regel auch der stündliche Strompreis auf den Kurzfristmärkten – häufig sogar in den negativen Bereich.
Insgesamt erholte sich das durchschnittliche Börsenpreisniveau im Mai gegenüber dem Vormonat von 62 auf 67 Euro pro Megawattstunde (MWh). Ein Grund dafür waren gestiegene Gaspreise. Gleichzeitig waren die Day-Ahead-Preise nach Berechnungen des Anbieters Rabot Charge im Mai an 78 Stunden negativ.
EEG-Konto droht bald Rutsch ins Minus
Mit dem neuen Zuschuss sind von den 10,6 Milliarden Euro, die der Bundestag für dieses Jahr insgesamt bewilligt hat, nur noch zwei Milliarden Euro übrig. Dazu kommen zwei Milliarden Euro, die Ende Mai als Guthaben auf dem EEG-Konto lagen.
Die Übertragungsnetzbetreiber rechnen damit, dass dieses Geld nicht ausreichen wird, um das EEG-Konto bis zum Jahresende über null Euro zu halten. Amprion-Chef Hans-Jürgen Brick prognostizierte vergangene Woche auf dem BDEW-Kongress Gesamtkosten für dieses Jahr in Höhe von 20 Milliarden Euro.
"Dramatische Übersubventionierung dringend abbauen"
Wie stark das EEG-Konto das politische Berlin bewegt, zeigte sich einmal mehr am Mittwoch. "Die dramatische Übersubventionierung muss dringend abgebaut werden", forderte Michael Kruse, energiepolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion.
Geht es nach ihm, sollen neue Anlagen nur noch eine Vergütung bekommen, wenn die Strompreise positiv seien, der Strom also gebraucht werde. Für neue Anlagen soll zudem keine Notwendigkeit mehr bestehen, eine Abnahmegarantie für 20 Jahre auszusprechen.
"Mit uns nicht zu machen"
SPD-Energiepolitikerin Nina Scheer erinnerte währenddessen in der Diskussionsrunde "ZfK im Gespräch" daran, dass die Bundesregierung die gesetzliche Pflicht habe, für entfallende Mehrkosten aufzukommen. "Das ist ein Anspruch gegen den Staat", sagte sie. Sie warnte davor, mit gegenteiligen Äußerungen Ängste zu schüren.
Es bräuchte eine Gesetzesänderung, wenn dies anders gesehen würde, sagte Scheer. "Das wäre mit uns nicht zu machen." (aba)
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