Die Sorgen um die Liquidität des EEG-Kontos in diesem Jahr wachsen. Obwohl erst ein Drittel des Jahres vorbei ist, wurde bereits die Hälfte des vorgesehenen Jahresbudgets überwiesen. Trotzdem sank das Guthaben seit Jahresbeginn. Und: Die traditionell ausgabenintensiven EEG-Monate kommen erst noch.
Wie frische Zahlen der Übertragungsnetzbetreiber zeigen, zahlte der Bund allein für den April zwei Milliarden Euro in das EEG-Konto ein. Das ist ein neuer Höchstwert für dieses Jahr. Tatsächlich half dies, die Lage zu stabilisieren. Ende April lagen demnach 600 Mio. Euro auf dem Konto. Im Vormonat waren es noch rund 260 Mio. Euro gewesen.
50 Stunden Negativpreise
Die Zahlungen der Übertragungsnetzbetreiber, die das EEG-Konto treuhänderisch verwalten, an Anlagenbetreiber stieg dagegen ebenfalls deutlich. Wurden etwa für Marktprämien und Einspeisevergütung im Januar noch 1,3 Mrd. Euro ausgeschüttet, waren es im April 1,9 Mrd. Euro.
Dem stehen viel geringere Einnahmen aus der Vermarktung erneuerbarer Energien gegenüber. Besonders brisant: Allein im April war der Strompreis am Day-Ahead-Markt insgesamt 50 Stunden negativ, wie der Stromanbieter Rabot Charge berechnete. Heißt: In diesen Stunden mussten Vermarkter erneuerbarer Energien sogar draufzahlen, wenn sie ihren Strom an der Kurzfristbörse veräußern wollten. Zugleich aber hatten kleine Photovoltaik-Anlagenbetreiber und teilweise auch größere Anlagen im Rahmen des EEG Anspruch auf Förderung.
Teure Sommermonate
Dazu kommt, dass das Ungleichgewicht zwischen Vermarktungserlösen und Förderzahlungen im Sommer traditionell zunimmt. In den Sommermonaten produzieren insbesondere Solaranlagen deutlich mehr Strom und ziehen damit den Strompreis am Day-Ahead-Markt stark nach unten.
Von Juni bis August 2023 wurden beispielsweise für Einspeisevergütung und Marktprämie monatlich mehr als zwei Milliarden Euro ausgegeben. In der Folge schmolz das EEG-Guthaben in dieser Zeit um fast fünfeinhalb Milliarden Euro.
5,3 Mrd. Euro bereits überwiesen
Gut möglich, dass das Defizit ohne Berücksichtigung des Bundeszuschusses in diesem Sommer angesichts weiter sinkender Strompreise noch höher ausfällt. Bislang betrug der durchschnittliche Day-Ahead-Strompreis diesen Monat 57 Euro pro Megawattstunde (MWh). Im gesamten Mai 2023 war der durchschnittliche Strompreis noch bei 82 Euro pro MWh gelegen.
Insgesamt kann die Bundesregierung 10,6 Mrd. Euro an Bundeszuschüssen an das EEG-Konto überweisen. Bislang flossen rund 5,3 Mrd. Euro.
Kostenexplosion befürchtet
Die Übertragungsnetzbetreiber sollen intern bereits im Januar gewarnt haben, dass das Geld nicht reichen würde, um das EEG-Konto über das ganze Jahr hinweg ausgeglichen zu halten. Laut "Handelsblatt"-Bericht bezifferten sie die Zusatzkosten auf knapp 8 Mrd. Euro.
Eine Kostenexplosion befürchtet auch FDP-Energieexperte Michael Kruse. Seinen Berechnungen zufolge könnten bis zu 17 Mrd. Euro zusätzlich nötig sein. Geht es nach der FDP, sollte die Bundesregierung die Förderung erneuerbarer Energien ohnehin bald auslaufen lassen. "Wir wollen erneuerbare Energien endgültig in den Markt übernehmen und die EEG-Förderung beenden", heißt es in einem Zwölf-Punkte-Plan, den das Parteipräsidium im April beschloss. (aba)
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