Als Desaster für die Kunden und eine Pleite für die Energiewende hat VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing in einer Pressemitteilung die Eröffnung des Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung über das Vermögen des Biomethanhändlers BMP Greengas bezeichnet. Damit würden die Ziele der Wärmewende torpediert, heißt es in einer Pressemitteilung.
Durch das Insolvenzverfahren erhalte BMP Greengas die Möglichkeit, sich zu sanieren. „Aus unserer Sicht zu Lasten vieler Stadtwerke. Die Vorreiter werden ausgebremst“, so der VKU-Chef weiter.
Die betroffenen Stadtwerke, von denen der VKU Kenntnis habe, rechneten mit einem Schaden im dreistelligen Millionenbereich infolge der Mengenkürzungen und Preiserhöhungen. Dieses Geld fehle dann für Investitionen in die neue Energiewelt und die notwendige Transformation für die Klimaziele.
Sicher sei, dass es zu veritablen Lieferausfällen kommen werde und der gesamte Markt nachhaltig gestört werde.
"Stadtwerke müssen ein Desaster ausbaden"
Gleichzeitig nahm der VKU-Chef erneut EnBW und die politisch Verantwortlichen in Baden-Württemberg in die Pflicht. Es sei ein verheerendes Signal für die Energiewende, dass es überhaupt so weit gekommen ist. „Hier war eindeutig die baden-württembergische Landesregierung gefordert, Einfluss auf den Mutterkonzern EnBW zu nehmen, um diesen Schaden und den massiven Vertrauensverlust abzuwenden“.
Lieferausfall und Ersatzbeschaffung würden in der Regel eine Verteuerung für alle Kunden nach sich ziehen, die dann möglicherweise mit noch teureren staatlichen Abfederungen kompensiert werden müssen.
"Wie ernst sind die treuherzigen Biogas-Beteuerungen aus der Landespolitik?"
Die betroffenen Stadtwerke müssten ein Desaster ausbaden, das sie nicht zu verantworten haben. „Wir erwarten, dass die Eigentümer Verantwortung übernehmen.“ Gerade von einem öffentlichen Unternehmen wie EnBW und seinem Mehrheitseigner könne man dies zu Recht erwarten.
Bereits Mitte Juli hatte Liebing in einer ungewöhnlich scharfen Tonalität das Geschäftsgebaren der EnBW und die Untätigkeit der Landesregierung in Stuttgart kritisiert.
„Wenn fast zeitgleich mit der Biogasstrategie der Wille manifestiert wird, „das Potenzial von Biogas als klimaneutrale, speicherbare und somit flexibel einsetzbare Energiequelle noch besser auszuschöpfen“ – wie es in einer Pressemitteilung der Landesregierung heißt – und zeitgleich der landeseigene Konzern EnBW bei positiven Konzernergebnissen eine eigene Biogasgesellschaft in ein Schutzschirmverfahren schickt, dann stellt sich die Frage, wie ernst die treuherzigen Biogas-Beteuerungen aus der Politik sind“, hatte er damals kritisiert.
Medl-Geschäftsführer: "Unverständlich, dass hier keine politische Intervention erfolgt"
Beim zweiten Erfahrungsaustausch der Arbeitsgemeinschaft für sparsame Energie- und Wasserverwendung (Asew) mit rund 30 von der BMP-Insolvenz betroffenen Stadtwerken zeigte sich derweil, dass offenbar viele Stadtwerke bisher die Vertragsanpassungen noch nicht angenommen haben. Der Mülheimer Energiedienstleister Medl befürchtet, seine Blockheizkraftwerke aufgrund der fehlenden Biomethanmengen auf Erdgas umrüsten zu müssen und dadurch die EEG-Förderung zu verlieren.
Teile des Maschinenparks müssten deshalb stillgelegt werden, so der kaufmännische Medl-Geschäftsführer Hendrik Dönnebrink. „Das wurmt umso mehr, als wir ja mit unserer Entscheidung für Biogas eigentlich genau das gemacht haben, was der Gesetzgeber von uns wollte, sprich einen Beitrag zur Dekarbonisierung und für den Klimaschutz zu leisten. Es ist deshalb auch vollkommen unverständlich, dass hier politisch keine Intervention erfolgt!“ (hoe)



