Von Julian Korb
Wer bei der Direktvermarktung nach Trends sucht, landet schnell bei einem Stichwort: Flexibilität. Die enormen Schwankungen an der Strombörse fordert die Vermarkter von Wind-, Solar- und anderen Grünstromerzeugern besonders. Denn Schwankungen bedeuten zunehmende Risiken.
"Wir sehen ein Zusammenwachsen der Direktvermarktung mit der Flexibilitätsvermarktung", sagt Fabian Förster, Senior Manager Asset-Origination bei der RWE-Tochter RWE Supply & Trading, die unter anderem für die Direktvermarktung zuständig ist. "Die Flexvermarktung generiert zusätzlichen Wertbeitrag." Flexibilität sollte daher heute direkt in Projekte mit eingeplant und einberechnet werden.
Tatsächlich zeigt sich branchenweit der Trend, dass die Direktvermarkter ihre Portfolios hin zu mehr Flexibilitäten umbauen. Bislang dominieren hier vor allem Batteriespeicher. Die Speicher-Portfolios der Anbieter wachsen stetig – wenn auch noch auf niedrigem Niveau.
RWE will Speicher-Portfolio schnell ausbauen
Der größte Vermarkter von Batteriespeichern, Esforin, nahm an der Sommerumfrage 2025 der ZfK nicht teil. Im Januar meldete der Essener Flexibilitätsspezialist ein Batterie-Portfolio von 850 Megawatt (MW) und wäre damit weiterhin der Spitzenreiter im Markt. Der Energiekonzern RWE konnte als Zweitplatzierter sein Portfolio spürbar ausbauen.
"Bei Speichern möchten wir unser Portfolio an RWE-eigenen Batterien sowie an zu vermarktenden Kundenanlagen so schnell wie möglich ausbauen", sagt Nils van Afferden, Manager Asset Origination bei RWE. "Wir sehen in diesem Bereich in den kommenden Jahren hohes Erlöspotenzial."
Der Essener Energiekonzern setzt dabei auf sogenannte Tolling-Verträge, bei denen die Kunden einen fixen Einkommensstrom garantiert bekommen. Einen solchen Vertrag schloss das Unternehmen kürzlich für eine 50-MW-Batterie mit dem Flexibilitätsanbieter Terralayr ab. "Wir können mit den langfristigen Vermarktungsrisiken bei Speichern umgehen, in diesem Punkt unterscheiden wir uns von vielen klassischen Optimierern", erklärt van Afferden.
Mit Blick auf die größten Speichervermarkter gibt es weitere Entwicklungen. So meldete erstmals die Enerparc-Tochter Sunnic konkrete Werte. Allerdings nur die Kapazität in Megawattstunden (MWh), weshalb die Werte schwer mit den anderen Anbietern vergleichbar sind.
Pläne für Batteriespeicherportfolio
Die Mehrzahl der Anbieter gab in der ZfK-Sommerumfrage 2025 an, das eigene Batteriespeicherportfolio ausbauen zu wollen oder den Einstieg in die Speichervermarktung zu planen. Einige Direktvermarkter machten keine Angaben. Keiner der Befragten gab an, grundsätzlich nicht an der Speichervermarktung interessiert zu sein.
Große Anbieter wie der Energiekonzern EnBW, Next Kraftwerke oder Engie sehen im Batteriespeicherbereich sogar einen Schwerpunkt für die künftigen Jahre. Gerade für Vermarkter von Solarenergie gewinnen dabei sogenannte Co-Location-Produktportfolios an Bedeutung. Mehrere Direktvermarkter nannten Großbatteriespeicher als Schlüssel, um Betreibern von großen Solaranlagen und Solarparks ein attraktives Angebot machen zu können.
"Wir wachsen gezielt in innovativen Segmenten wie Batteriespeichern und Co-Location-Projekten, insbesondere im Rahmen der Innovationsausschreibungen", sagte etwa eine Sprecherin des für Biomasse bekannten Direktvermarkters Energy2market (e2m) aus Leipzig. "Unser Fokus liegt darauf, unterschiedliche Flexibilitätsquellen intelligent zu kombinieren und optimal zu vermarkten."
Weitere Flexibilitäten drängen in den Markt
Neben Batteriespeichern und Elektrolyseuren gaben viele Direktvermarkter an, weitere Flexibilitäten im Portfolio zu führen oder dies zu planen. Genannt wurden vor allem Flexibilität auf der Verbrauchsseite, die flexible Steuerung weiterer Erzeugungsanlagen und der Einsatz von Biomasse-, sowie künftig auch Wind- und Solaranlagen am Regelenergiemarkt. Für Flexibilität in den Portfolios sorgten bislang weiterhin auch Wasserkraftanlagen.
Next Kraftwerke gab an, bereits Kunden aus dem Bereich Industrie-Flexibilität aufgenommen zu haben. Außerdem geht der Kölner Direktvermarkter davon aus, dass voraussichtlich ein Teil der Biogasanlagen im Portfolio künftig flexibler gefahren wird. Bei den kommunalen Direktvermarkter will etwa die Nürnberger N-Ergie künftig auf Industrie-Flexibilität im Portfolio setzen. Unter den großen Energiekonzernen ist vor allem RWE in diesem Bereich aktiv.
"Die Industrie erwartet von uns, dass wir sie unter den gegenwärtigen Marktbedingungen bestmöglich im Strombezug unterstützen", sagt Förster von RWE Supply & Trading. Das Stromsystem benötige dringend weitere Flexibilität, sowohl bei Erzeugern als auch Verbrauchern.
"Durch die zunehmende Elektrifizierung der Wärmeversorgung wird das Thema Flexibilität wichtiger", ergänzt Van Afferden. "Wir bieten zum Beispiel eine Fuel-Switch-Optimierung zwischen bestehenden Anlagen und Power-to-Heat-Anlagen an. Wir sehen das als wichtiges Zukunftsthema für die Industrie."
Elektrolyseure noch nicht flexibel
Beim Wasserstoff zeigt sich auch in der Direktvermarktung eine Abwartehaltung. Die Portfolios blieben gegenüber dem Jahresanfang konstant. Auch setzen die Vermarkter ihre Elektrolyseure derzeit nach eigenen Angaben nicht flexibel am Strommarkt ein.
RWE baut derzeit im niedersächsischen Lingen den ersten kommerziellen Elektrolyseur mit Abnahmevertrag für grünen Wasserstoff. Im bereits laufenden Piloten wird schon grünes H2 produziert. "Dadurch ergibt sich eine gewisse Flexibilität", so RWE-Experte Förster. "Wir könnten daraus auch Regelleistung bedienen."
Perspektivisch sei es sinnvoll, den Elektrolyseur an verschiedenen Märkten einzusetzen. "Das haben wir noch nicht gemacht, ist aber in Vorbereitung." Rein technisch ließen sich Elektrolyseure demnach flexibel in der Vermarktung einsetzen. "Hier können wir Partner für die Betreiber sein", betont Förster.
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Hinweis: Eine Übersicht mit allen Tabellen im Sommer 2025 finden Sie hier.



