Im historischen Ratskeller von Aachen zeigte sich, worum es beim neuen Führungskräfteprogramm "CEO der Zukunft" geht: um Begegnung, Verantwortung und darum, wie Führung in der Kommunalwirtschaft künftig gelingen kann. Beim offiziellen Kick-off des Führungskräfteprogramms trafen erstmals Mentorinnen und Mentoren, Mentees, Sponsoren und Partner an einem Ort zusammen. Im Mittelpunkt der eineinhalb Tage stand vor allem der Netzwerkgedanke.
Eröffnet wurde der Abend von Sven Becker, Sprecher der Geschäftsführung der Stadtwerke-Kooperation Trianel, und Christian Becker, Geschäftsführer der Stawag. "Man wird niemals alleine CEO", sagte Sven Becker. "Auf meinem Weg gab es immer wieder Mentorinnen und Mentoren – Menschen, die mich hinterfragt, ermutigt und manchmal auch bewusst gebremst haben. Rückblickend waren diese Gespräche viel wertvoller als viele Managementkurse."
Am Freitag wurden in den Räumen der Trianel alle Mentoring-Tandems vorgestellt. 31 erfahrene Stadtwerkechefinnen und -chefs begleiten 40 Mentees ehrenamtlich über zwei Jahre. Ausgewählt wurden sie aus einem Bewerberkreis von über 400 Kandidatinnen und Kandidaten – in einem strukturierten Verfahren inklusive Persönlichkeitstest. Hinter dem Programm stehen Felix Schulz von Thun und Jens Meier von den Stadtwerken Lübeck, die auch durch die Veranstaltung führten.
Führung zwischen Transformation und Vertrauen
Auch Schirmherr Daniel Günther (CDU), Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, und der Mitgründer der Initiative und prominente Kommunikationspsychologe Friedemann Schulz von Thun wandten sich auf digitalem Wege an die Community.
Schulz von Thun betonte in seiner Ansprache die besondere Komplexität kommunaler Führung. "Führung in der Kommunalwirtschaft ist eine Tätigkeit, in der wirtschaftliche, technologische und politische Herausforderungen zusammenkommen." Entscheidend sei dabei vor allem die Kontaktfähigkeit: "In schwierigen Zeiten steht und fällt mit ihr alles."
Wie sehr Vertrauen zur Führungsaufgabe gehört, zeigte der Impuls von Janina Mütze vom Meinungsforschungsinstitut Civey. Ihre Zahlen machten deutlich: Während nur 22 Prozent der Deutschen mit Zuversicht in die Zukunft blicken, genießen kommunale Unternehmen vergleichsweise hohes Vertrauen. 40 Prozent der Menschen bescheinigen Stadtwerken ein hohes Maß an Vertrauen – deutlich mehr als der Bundesregierung.
"Die Menschen wünschen sich aktuell vor allem Stabilität", so Mütze. Gleichzeitig wachse die Sorge vor Angriffen auf kritische Infrastrukturen. Daraus ergebe sich ein klarer Auftrag an Führungskräfte: Komplexität übersetzen, Zuversicht ausstrahlen und Wirksamkeit sichtbar machen.
Vielfalt der Lebensläufe – Vielfalt der Perspektiven
Die anschließenden Tandem-Vorstellungen machten deutlich, wie breit das Programm angelegt ist. Mentorinnen und Mentoren begründeten ihre Auswahl oft sehr persönlich. Carsten Liedtke, Vorstandssprecher der Stadtwerke Krefeld, sagte über seine Mentee Ann-Kathrin Murphy: "Für den Transformationsprozess, der uns bevorsteht, braucht es Menschen, die gestalten wollen. Ich finde es super, dass du einen ausgeprägten Gestaltungswillen hast – das matcht."
Auch weibliche Führungspersönlichkeiten prägten den Auftakt – mehr als die Hälfte der ausgewählten Mentees waren Frauen. Elke Temme beschrieb ihre Mentee Maria-Theresia Mandl (Rhenag) als "Ausbund an Empathie und Transformation". Anne Rethmann hob bei ihrer Mentee Claudia Häpp die Verbindung aus Geschäftsentwicklung, Digitalisierung und KI hervor. Thomas Schmidt (Entega) würdigte den Mut von Sarah Carlsson (Maingau Energie), nach der Energiekrise schnell wieder in den Vertrieb einzusteigen: "Von diesem Mut lerne ich gerne mit."
Die beruflichen Hintergründe reichten von Technik, IT und Handel über Beratung bis hin zu Quereinsteigern aus anderen Branchen. Genau diese Vielfalt sei gewollt, betonte Programmleiter Felix Schulz von Thun: "Das Spannendste beim Kick-off war zu sehen, mit wie viel Herz und Engagement die Mentorinnen und Mentoren ihre Auswahl begründet haben. Man hat die Energie im Raum gespürt."
Mentoring als gegenseitiges Lernen
Mehrfach wurde betont, dass Mentoring keine Einbahnstraße sein soll. "Mehrere Mentorinnen und Mentoren haben gesagt, dass sie selbst lernen möchten", so Schulz von Thun weiter. "Diese Perspektive einer jüngeren Führungskraft gespiegelt zu bekommen, ist unglaublich wertvoll."
Auch Sven Becker unterstrich diesen Gedanken: "Wenn sich Mentorinnen und Mentoren offen zeigen und die Perspektive einer neuen Generation als Lernmöglichkeit begreifen, dann entsteht echte Entwicklung." Er erwarte aus dem Programm auch für seine eigene Führungsarbeit wichtige Impulse.
Die Begeisterung teilten auch die Mentees. Für Clemens Frey, Prokurist der Stadtwerke Schwerin, war das Highlight das Kennenlernen der Mentorinnen, Mentoren und der weiteren Mentees. "In den nächsten zwei Jahren will ich mein Netzwerk gezielt weiter ausbauen."
Manuel Jäkel, Hauptabteilungsleiter Netzstrategie bei NEW Netz, sieht den besonderen Mehrwert des Formats in der bereichsübergreifenden Vernetzung. "Das Spannende an dem Programm ist, dass wirklich der gesamte Bereich der kommunalen Energiewirtschaft miteinander verknüpft wird – wie Netz, Vertrieb, Handel, IT oder Personal."
Die Vorfreude auf die kommenden Treffen war den Mentees anzumerken. Caroline Will, Geschäftsführerin der Effizienz Klasse GmbH, blickt gespannt auf die nächsten Schritte. "Ich möchte lernen, wirksamer zu werden, mehr Sichtbarkeit zu erreichen und mich weiter zu vernetzen."
Aufbruch mit Langzeitwirkung
Für Mentor Carsten Liedtke ist das Programm ein Meilenstein für die Branche. "Hier wird ein hochprofessionelles Programm von Top-Executives für 40 Mentees auf die Beine gestellt – über zwei Jahre hinweg. So etwas hat es in dieser Form in Deutschland noch nicht gegeben." Die Kommunalwirtschaft stelle sich damit auf eine neue Ebene und schaffe beste Voraussetzungen, um die Nachfolge auf der Managementebene zu sichern.
Zufrieden mit dem Auftakt zeigten sich auch die namhaften Sponsor:innen und Partner:innen aus Beratung, Finanzwirtschaft, Technologie und Medien – darunter Kearney, Schwarz Digits, die DZ BANK, M3 Management Consulting, Becker Büttner Held und Siemens Energy sowie fachliche Partner wie das Schulz-von-Thun-Institut, Odgers Berndtson sowie die ZFK.
Am Ende der Kick-off-Days blieb der Eindruck einer wertschätzenden Atmosphäre – und eines Programms, das bewusst auf langfristige Wirkung setzt. Oder, wie es Mustafa Sancar, Geschäftsführer der Energieversorgung Hildesheim, formulierte: "Keiner von uns hier ist so schlau wie wir alle zusammen. In diesem Sinne: auf eine schöne Reise."















