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Finanzierung der Wärmewende: Erste Plattform für Investoren und Stadtwerke ist startklar

Zusätzliches Eigenkapital, Zugang zu Technologie- und Industriepartnern und ein hohes Maß an Standardisierung: Die Initiative "e-Kommunity" adressiert gleich mehrere große Herausforderungen der Branche.
09.12.2025

Die erfahrene Beteiligungs- und Energieexpertin Melanie Wiese will als Geschäftsführerin der Plattform "e-KommUnity" Eigenkapital und Stadtwerke zusammenbringen.

Von Hans-Peter Hoeren

Privates Kapital von Versicherungen, Versorgungskassen, Infrastrukturfonds und anderen institutionellen Investoren soll Stadtwerken dabei helfen, die Energiewende vor Ort zu stemmen. Das ist auch eines der Ziele des Deutschlandfonds, den die Bundesregierung vergangene Woche beschlossen hat. Dabei steht insbesondere der Ausbau der Wärme- und Stromnetzinfrastruktur im Fokus. 

Die Stadtwerkebranche benötigt hierfür laut einer aktuellen Studie der Beratungsgesellschaft PwC und der Kreditanstalt für Wiederaufbau allein 50 Milliarden Euro zusätzliches Eigenkapital bis 2045, das Gros davon in den nächsten Jahren. Doch so einfach, wie das klingt, ist es nicht. Unterschiedliche Erwartungshorizonte, kulturelle Unterschiede und Berührungsängste zwischen Finanzwelt und Kommunalwirtschaft bilden hier oft noch eine schwer zu überbrückende Hürde.

Renditeerwartung und Governance sind oft neuralgische Punkte

Um diese Hindernisse zu beseitigen, arbeiten deutschlandweit aktuell auf Ebene von Landesbanken und Beratungshäusern mehrere Initiativen an passgenauen Finanzierungsinstrumenten. Ihr Ziel: private Investoren und Kommunalwirtschaft zusammenbringen. Die neuralgischen Punkte sind dabei oftmals die Renditeerwartungen, das Thema Mitwirkungs- und Kontrollrechte und die Laufzeiten der Finanzierungen.

Am weitesten ist hier nach eigenen Angaben die Plattform "e-KommUnity“ aus Berlin. Diese soll bereits im Dezember starten und ab Januar 2026 den operativen Betrieb aufnehmen.

Hinter "e-KommUnity" steht ein erfahrenes Gründerteam mit langjähriger Führungserfahrung in der Energiewirtschaft, dem Mittelstand und der Finanzindustrie. Die Initiative versteht sich dabei nicht nur als Investor, sondern auch als Umsetzungspartner.

Stadtwerke sollen je nach Bedarf von der Konzeption bis zur Umsetzung unterstützt werden. Zudem wird der Zugang zu namhaften Technologie- und Industriepartnern und erfahrenen Bauunternehmen, wie Hagedorn, und Projektierern ermöglicht, mit denen die Plattform entsprechende Rahmenvereinbarungen getroffen hat. 

"Wir wollen mit unserem neuen Angebot eine Brücke zwischen Investoren und Stadtwerken bauen."
Jörg Wirtgen, designierter Aufsichtsratsvorsitzender von "e-KommUnity"
Bild: © FWMC

"Wir wollen mit unserem neuen Angebot eine Brücke zwischen Investoren und Stadtwerken bauen", erklärt Jörg Wirtgen, designierter Aufsichtsratsvorsitzender und geschäftsführender Gesellschafter der FWMC Management Consulting. Er hat die Strategie des neuen Anbieters maßgeblich mitgestaltet. Wirtgen berät seit Jahrzehnten Entscheider, insbesondere von Stadtwerken, bei Transformations- und Veränderungsprozessen und der strategischen Neuausrichtung.

Designierte Geschäftsführerin der Plattform ist Melanie Wiese, eine erfahrene Beteiligungs- und Energieexpertin. Sie ist noch bis zum Jahresende als Finanzchefin beim börsennotierten Finanzinvestor Deutsche Beteiligungs AG beschäftigt. Zuvor hat sie unter anderem in Führungspositionen im Finanzbereich für den Eon-Konzern und das Bayernwerk gearbeitet.

Zu den Investoren zählen europäische Versicherungen und Pensionsfonds

"Es ist an der Zeit, privates Eigenkapital und die Stadtwerke zusammenzubringen. Die Partner hinter unserer Initiative verbindet der Wille, dass die Umsetzung der Energiewende vor Ort gelingt“, versichert Wiese.

Über die Plattform sollen Gelder von Versicherungen, Pensionskassen, aus Deutschland, aber auch aus Europa, speziell Nordeuropa und den Beneluxländern, als echtes Eigenkapital den Stadtwerken zur Verfügung gestellt werden.

Echtes Eigenkapital statt Mezzaninekapital

Viele der anderen aktuellen Initiativen setzten auf eigenkapitalähnliches Mezzaninekapital, das von Ratingagenturen aber bei der Beurteilung des Verschuldungsgrads nicht als gleichwertig zu echtem Eigenkapital gesehen wird, teilt das Unternehmen mit.

Das von "e-KommUnity" bereitgestellte Eigenkapital wird in der Regel in eigene Projektgesellschaften und nicht in das Stadtwerk selbst investiert. Das Geld wird beispielsweise in ein bestimmtes Asset, etwa ein Wärmenetz oder eine Großwärmepumpe, eingebracht, auch Stromnetzfinanzierungen sollen möglich sein. "Die Struktur und die Organisation des Stadtwerkes bleibt unberührt, der Investor spricht hier nicht mit. Für die Gesellschafter und die Mehrheitsverhältnisse in den Gremien ändert sich nichts“, so Wiese weiter.

Plattform und Investor treten nach außen nicht auf

Das Stadtwerk bleibe das Gesicht zum Bürger und sei für Betrieb und Vermarktung und den Außenauftritt der Assets zuständig. Es fungiere auch weiterhin als Ansprechpartner für die Kommunen. "e-KommUnity“ hingegen operiert quasi im Hintergrund und übernimmt den Part als Ansprechpartner für die Investoren, sammelt deren Gelder ein und ermöglicht Investoren bei Bedarf zu bestimmten Zeitpunkten auszusteigen. Um die Refinanzierung kümmert sich die Plattform.

Das Modell sei diskriminierungsfrei, auch kleinere Losgrößen im einstelligen Millionenbereich für Investitionen kleinerer Stadtwerke könnten realisiert werden, erklärt Wiese.

 

"Durch die Standardisierung der Prozesse und eine adäquate Risikoverteilung können auch im Bereich der Daseinsvorsorge-Infrastruktur attraktive Renditen ermöglicht werden."
Thorsten Volz, Partner beim Beratungsunternehmen Simmons und Simmons
Bild: © Simmons und Simmons

Stadtwerk kann Asset in Bilanz entkonsolidieren

"Die Renditen sind dem Risiko angemessen. Durch die Standardisierung der Prozesse und eine adäquate Risikoverteilung können auch im Bereich der Daseinsvorsorge-Infrastruktur attraktive Renditen ermöglicht werden, die den Aufbau profitabler Businesscases für die Stadtwerke und bezahlbarer Endkundenpreise im Bereich der Wärmeversorgung ermöglichen", sagt Thorsten Volz, Partner bei der Beratungsgesellschaft Simmons und Simmons. 

Ursprünglich hatte er eine individuelle Fondslösung für jedes Stadtwerk (einen "Stadtwerkefonds") favorisiert, diesen Ansatz aber mit Blick auf die für Stadtwerke tragbaren Kosten und damit verbundene Regulierung zu dem "e-KommUnity"-Modell weiter entwickelt.

Das neue Konzept für "e-KommUnity" hat er gemeinsam mit Partnern aus dem Stadtwerkeumfeld und mit den Gründern ausgearbeitet. Das Stadtwerk könne bei dieser Plattformlösung über die Anteilshöhe an der Assetgesellschaft selbst entscheiden. "Wir müssen nicht konsolidieren, wie viele andere Investoren, da wir im Exit-Fall keinen Gewinn erzielen wollen", ergänzt Volz. Projekte würden zusätzlich zum Eigenkapital mit Fremdkapital finanziert, so sei eine Entkonsolidierung des Stadtwerks möglich.

"Es gibt keinen geplanten Exit auf Projektebene.
Wenn dann nur auf Wunsch des Stadtwerks."

Die Mindestlaufzeit der Eigenkapitalfinanzierungen liegt bei zehn Jahren, aber auch Laufzeiten von 15 bis 20 Jahren sind möglich. "Es gibt keinen geplanten Exit auf Projektebene und wenn nur auf Wunsch des Stadtwerkes“, so Volz. Damit das kommunale Unternehmen hier aber das Projekt nicht zweimal bezahlen müsse, erfolge der Exit nicht zum Ertrags-, sondern zum Sachzeitwert.

Ein hohes Maß an Standardisierung bei den Prüfkriterien und den Prozessen ermögliche es, auch kleine Projekte investierbar zu machen und die Kosten für die eingehende Prüfung des Projekts durch den Investor (Due Dilligence) stark zu reduzieren.

Umsetzungspartnerschaften können Renditeerwartungen positiv beeinflussen

Auch der Zugriff auf Technologie- und Industriepartner und Baufirmen aus dem eigenen Netzwerk ermögliche erhebliche Standardisierungspotenziale und Zeitersparnis, insbesondere in der Genehmigung, Abwicklung und Umsetzung der Projekte. Solche Kooperationen mit erfahrenen Umsetzungspartnern könnten aus Investorensicht die Risiken und damit auch deren Renditeerwartungen reduzieren, so Volz.

"e-KommUnity“ begleite Stadtwerke durch die Projektprüfung und den Investitionsprozess. Hierfür wurde ein eigener Investitionsleitfaden erarbeitet. Die Vorprüfung und der Bescheid, ob das Projekt finanziert werden könne, erfolgten innerhalb weniger Tage, sagt Melanie Wiese.

Sollten die Investitionskriterien nicht erfüllt werden, unterstütze die Plattform die betroffenen Unternehmen dabei, externe Partner aus dem Stadtwerkeumfeld zu finden, die die Projekte so planen und strukturieren helfen, dass diese investierbar werden.