Von Andreas Baumer
Vor einem Jahr gingen manche Gasversorger preislich noch einmal tief runter, um Neukunden zu gewinnen. Frisch aus der Energiekrise und einem warmen Winter kommend, unterboten sie sich mit Kilowattstundenpreisen von neun, acht und sieben Cent.
Da schien das Preisniveau der 2010er-Jahre noch einmal greifbar, als Gas im Durchschnitt zwischen fünf und sechs Cent pro Kilowattstunde (kWh) kostete. Aus jetziger Sicht war es eher ein letztes Aufflackern der alten Welt, die so nicht wiederkommen wird.
Wer in diesen Tagen auf die gängigen Vergleichsportale blickt, findet Gaspreise von 10 bis 13 Cent pro kWh. Die örtlichen Grundversorgungstarife liegen laut der Plattform Verivox mit durchschnittlich 14 Cent pro kWh noch etwas darüber. Zur Erinnerung: Auf dem Höhepunkt der Energiekrise sah sich die Bundesregierung gezwungen, die Gaspreisbremse bereits bei zwölf Cent pro kWh einzuziehen.
Wieder volle Mehrwertsteuer auf Gas
Dass Erdgas nicht mehr auf das Preisniveau der 2010er-Jahre zurückkehrt, ist politisch gewollt. Der CO2-Preis ist zum Jahreswechsel weiter gestiegen – von rund 0,8 auf auf 1,0 Cent pro kWh. Dazu kommt die Gasspeicherumlage, die auf einen neuen Höchststand geklettert ist. Rund 0,3 Cent pro kWh werden dafür nun berechnet.
Bei CO2-Bepreisung und Gasspeicherumlage handelt es sich noch um verhältnismäßig kleine Kostensteigerungen. Stärker fällt ins Gewicht, dass seit April vergangenen Jahres wieder der volle Umsatzsteuersatz von 19 Prozent gilt. Auch die durchschnittlichen Gasnetzgebühren sind weiter nach oben geklettert – laut Verivox um 21 Prozent.
Der noch immer größte Preistreiber ist der Gasgroßhandelspreis selbst. Im Winter 2023/24 brachen die Börsenpreise am Handelsplatz TTF angesichts einer stark rückläufigen Nachfrage regelrecht ein, auf zeitweise unter drei Cent pro kWh. Doch seitdem dreht der Kurs wieder nach oben. So teuer wie in dieser Woche war Gas seit zwei Jahren nicht mehr. Am Dienstag wurde die Kilowattstunde zeitweise für 5,9 Cent gehandelt. Am Abend waren es dann 5,6 Cent.
Hitziger Sommermarkt voraus
Entspannung ist absehbar nicht in Sicht. "Derzeit sehen wir keine Signale für langfristig sinkende Großhandelspreise für Gas", sagt etwa Verivox-Energieexperte Thorsten Storck. Greg Molnár von der Internationalen Energieagentur erwartet sogar einen "eher hitzigen Sommermarkt".
Denn je leerer die europäischen Gasspeicher werden, desto größer wird die Nachfrage nach Gas in den Sommermonaten ausfallen. Das hält die Preise oben. Am Handelsplatz TTF gehen die Preise erst für das Frühjahr 2026 wieder merklich nach unten – auf dann gut vier Cent pro kWh. Erst für den Sommer 2028 ist Gas wieder für weniger als drei Cent pro kWh erhältlich. So lange im Voraus kaufen aber nur wenige Unternehmen ein.
Neukundenangebote beginnen bei zehn Cent pro kWh
Anders als auf dem Strommarkt, wo Anbieter dynamischer Tarife und traditionelle Discounteranbieter Haushaltskunden noch immer mit Anfangspreisen weit unter der Wirtschaftlichkeit locken – in einzelnen Netzgebieten wurde sogar die 20-Cent-Marke unterschritten –, waren auf dem Gasmarkt selbst ohne Neukundenboni keine Angebote unter zehn Cent pro kWh zu finden.
Beispiel Berlin: Bei Check 24 gruppierte sich das Spitzenfeld am Dienstagnachmittag um Arbeitspreise von zehn bis elf Cent pro kWh. Am weitesten wagte sich der schwedische Konzern Vattenfall mit 9,9 Cent pro kWh vor. Zum Vergleich: Der Grundversorgungstarif der Berliner Gasag liegt derzeit bei 11,5 Cent pro kWh.
Beispiel Kaiserslauern: Hier unterboten bei Check 24 lediglich vier Anbieter 10,5 Cent pro kWh. Der Grundversorgungstarif der Stadtwerke Kaiserslautern liegt dort derzeit bei 11,6 Cent pro kWh. Zur Methode: Angenommen wurde jeweils ein Jahresverbrauch von 20.000 kWh. Grundpreise wurden nicht berücksichtigt.
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