Bild: © lovelyday12/AdobeStock

Mitten in der Energiekrise sorgten einige Energiediscounter mit Vertragskündigungen oder drastischen Preiserhöhungen für Schlagzeilen. Stromio und Gas.de, Energieversorger der Utility-Unternehmensgruppe, hatten im Dezember 2021 ihren Vertrieb eingestellt, "da eine Belieferung nach Kündigung der sogenannten Bilanzkreise durch das Unternehmen nicht mehr möglich war", wie es in dem mittlerweile im Bundesanzeiger veröffentlichten Konzernbericht der Universal Utility International GmbH & Co. KG für eben jenes Jahr heißt.

Selbst auf diese Zahlen musste die Öffentlichkeit lange warten. Die Zahlen für das Geschäftsjahr 2022 liegen indes weiter noch nicht öffentlich vor. Die Frage der ZfK, warum das so ist, blieb vonseiten des Unternehmens unbeantwortet.

Stromio und Gas.de als Umsatzträger

Die Utility-Unternehmensgruppe besteht aus dem Mutterunternehmen Universal Utility International GmbH & Co. KG und zehn in- und ausländischen verbundenen Unternehmen. Die Unternehmen verfügen nach eigenen Angaben über ein umfassendes Diensteportfolio "in den Bereichen Energieversorgung und Produktion von erneuerbaren Energien – vornehmlich durch Windkraft in Deutschland". Wesentliche Umsatzträger mit dem größten Kundenstamm sind nach Angaben der Utility Unternehmensgruppe die Stromio und die Gas.de, die ganz maßgeblich Privat- und kleinere Gewerbekunden als Endverbraucher mit Strom und Gas beliefern.

Einstellung des Vertriebs Ende 2021

Beide Unternehmen stellten im Dezember 2021 ihren Vertrieb ein. Dadurch landeten viele Tausend Kunden in der Ersatzversorgung ihres örtlichen Grundversorgers.

Laut Bericht stiegen die Materialaufwendungen des Konzerns im Vergleich zum Vorjahr um 35 Prozent auf rund 1,3 Mrd. Euro (2020: 949,4 Mio. Euro) an. Das begründet das Unternehmen mit den deutlich gestiegenen Beschaffungskosten für Gas und Strom ab Mitte des Jahres 2021. Das Ergebnis nach Steuern belief sich demnach auf minus 75,8 Mio. Euro (2020: 134,3 Mio. Euro).

Für das Jahr 2022 gab die Universal Utility International dann eine positive Prognose ab: "Aufgrund der deutlich verringerten Einkaufsverpflichtungen wird ein positives Ebitda erwartet, welches das negative Ebitda 2021 größtenteils ausgleichen wird. Die erheblichen Verluste des Vorjahres durch die gestiegenen Beschaffungspreise konnten somit eingedämmt und zu einem großen Teil kompensiert werden." Ob dies 2022 auch so eingetreten ist, ist aufgrund des fehlenden Geschäftsberichts nicht bekannt.

Für viele Grundversorger stellte die Kündigung der Verträge damals eine enorme finanzielle Belastung dar. Sie mussten zur Versorgung der neuen Kunden teilweise zusätzliche Energiemengen beschaffen. Und das zu einem Zeitpunkt, als die Großhandelspreise für Strom und Gas stark nach oben gingen. Auch EnBW musste Strom für Neukund*innen zum Teil zu deutlich gestiegenen Preisen kurzfristig einkaufen. Die Mehrkosten wollte der Energiekonzern über eine Klage beim Landgericht Düsseldorf von Stromio zurückholen. Vor Gericht forderte das Unternehmen von dem Discounter als Ausgleich einen Betrag in Höhe von 6 Mio. Euro zuzüglich Zinsen.

EnBW nimmt Klage zurück

Das Gericht hatte zwar festgestellt, dass grundsätzlich Ansprüche von EnBW gegen Stromio geltend gemacht werden können. Es sei aber nicht klar geworden, wo genau der Schaden entstanden sei. Die Höhe des Aufwendungsersatzes sei nicht schlüssig dargeboten, respektive hergeleitet worden, so eine Gerichtssprecherin damals auf ZfK-Nachfrage.

Die Klage in zweiter Instanz vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf hat EnBW zurückgenommen. "Das Wichtigste für die EnBW war und ist: Das Landgericht Düsseldorf hat in seinem Urteil vom 17. Mai 2023 klar festgestellt, dass Stromio mit der kurzfristigen Kündigung der Stromlieferverträge ihrer Kund*innen rechtswidrig gehandelt hat", stellte ein EnBW-Sprecher klar. Dies sei eine gute Nachricht für die Verbraucher und "alle großen und kleinen Grundversorger". (am)

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