Die gängigen Vergleichsportale sind wieder voll von Stromanbietern. Dabei reicht die Palette von klassischen Discounteranbietern wie Grünwelt Energie und Spar-Fuxx über Großkonzerne wie Vattenfall und EnBW bis hin zu Stadtwerken von Garbsen bis Jena.
Was sie vereint: Sie bieten in den meisten Fällen weit unterhalb der Grundversorgungspreise – auch weil sie in der Regel mit üppigen Neukundenboni locken. Das heißt aber keineswergs, dass Grundversorger die großen Verlierer dieses Jahres sind.
Grundversorgungspreise bei 40 Cent pro kWh
Fest steht, dass es Grundversorgungstarife weiterhin schwer haben. Laut Datendienstleister Get AG lagen die Grundversorgungspreise Anfang September im bundesweiten Durchschnitt bei rund 40 Cent pro Kilowattstunde (kWh). Auf dem Vergleichsportal Verivox liegen die Kilowattstundenpreise dagegen je nach Netzgebiet bei 30 Cent pro kWh und weniger.
"Es gibt auf den gängigen Vergleichsportalen aktuell mehr aktive Anbieter und günstigere Preisstellungen als noch im Vorjahr", erklärt Get-AG-Vorstand Lars Quiring, zu dessen Unternehmen das Vergleichsportal Preisvergleich.de gehört. "Damit ist der Wettbewerbsdruck auf Grundversorger gestiegen."
Abstand hat sich vergrößert
Nehme man die Liefersituation eines Haushaltskunden mit einem Jahresverbrauch von 3500 kWh an, sei das Preisniveau der Grundversorgungstarife im bundesweiten Mittel im Vergleich zum September 2023 zwar um gut fünf Prozent gesunken, rechnet er vor.
"Im selben Zeitraum hat sich jedoch der Abstand zu den günstigsten Neukunden-Angeboten von Wettbewerbern, die die Grundversorgung unterbieten, auf unserem Portal im bundesweiten Mittel um knapp 14 Prozent vergrößert." Bei den Neukunden-Angeboten sind bereits Boni, die sich auf das erste Lieferjahr beziehen, mit eingepreist.
Hohes Wechselaufkommen
Auf dem Portal Preisvergleich.de seien die Wechselaktivitäten der Verbraucher aktuell auch relativ hoch, schreibt Quiring.
Das Wechselaufkommen im Stromsegment sei im August gegenüber dem Vorjahreszeitraum um rund 34 Prozent gestiegen. Schon im Juli sei es rund 19 Prozent über dem Niveau des Vorjahreszeitraums gelegen.
Grundversorger unterschiedlich stark angreifbar
Je nach Beschaffungssituation sind Grundversorger preislich unterschiedlich stark angreifbar. Nach Get-AG-Angaben liegt die Preisspanne zwischen 28 und 76 Cent pro kWh. Bemerkenswert sind dabei frische Studienergebnisse, die das Beratungsunternehmen Kreutzer Consulting mit Verivox veröffentlichte.
Demnach wechselten im ersten Halbjahr dieses Jahres deutlich weniger Verbraucher über die Plattform von Grundversorgern weg. Demgegenüber soll sich die Abschlussquote bei einem lokalen Grundversorger im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr als verdoppelt haben.
Dagegenhalten mit Laufzeitprodukten
Deutschlands größter Stromanbieter Eon zählt zu den vielen Grundversorgern, die auf ihren Heimatmärkten mit wettbewerbsfähigen Laufzeitprodukten preislich dagegenhalten. Seit nunmehr einem Jahr hält der Konzern den Grundversorgungspreis beispielsweise im niedersächsischen Auhagen bei 38 Cent pro kWh. Am Donnerstag warb er zugleich auf Verivox mit einem einjährigen Vertrag für 31 Cent pro kWh zuzüglich eines Neukundenbonus von knapp 200 Euro und eines Sofortbonus von 65 Euro.
Auch die Stadtwerke Augsburg bieten der Konkurrenz auf eigenem Terrain die Stirn. Am Donnerstag war der Grundversorger auf Check 24 mit einem Kilowattstundenpreis von 31 Cent plus Neukunden- und Sofortbonus gelistet. Der Grundversorgungspreis liegt in Augsburg derzeit bei 36 Cent pro kWh.
Bochum will Marktanteil ausbauen
Ihren Heimatmarkt verteidigen wollen auch die Stadtwerke Bochum. "Wir haben noch immer einen Marktanteil von über 75 Prozent im Haushaltskundenbereich, den wir behaupten und ausbauen möchten", sagte Frank Thiel, Sprecher der Geschäftsführung, im ZfK-Interview.
Seine Philosophie ist, Kunden Verlässlichkeit und einen fairen Preis zu ermöglichen. "Der ist nicht immer der billigste, aber vor allem langfristig attraktiv." Zuletzt boten die Stadtwerke auf ihrer Website je nach Tarif Kilowattstundenpreise zwischen 36 und 39 Cent.
Aufholjagd in Flensburg
Zur Aufholjagd bliesen im Juni die Stadtwerke Flensburg. Denn als sie in der Energiekrise die Strompreise empfindlich erhöhen mussten, büßten sie nach eigenen Angaben bundesweit mehr als 50.000 Kunden ein.
"Diesen Kundenverlust wollen wir in den nächsten drei Jahren ausgleichen", sagte Geschäftsführer Dirk Thole. Längst bemühen sich die Flensburger wieder landesweit um Kunden. So können derzeit selbst Haushalte in der südlichsten Stadt Deutschlands, im bayerischen Sonthofen, Strom aus dem hohen Norden erhalten – für weniger als 30 Cent pro kWh, ein Jahr lang.
Bündelprodukte statt Preiskampf
Die Stadtwerke Duisburg setzen auf ihrer Internetstartseite auf eine andere beliebte Vertriebsmethode. Sie haben ein Bündelprodukt eingeführt, das einen zweijährigen Stromtarif mit dem Kauf eines Balkonkraftwerks kombiniert. Das Angebot richtet sich explizit an Duisburger.
Auf Bündelprodukte und regionale Verankerung zu setzen, hält auch Get-AG-Vorstand Quiring für sinnvoll. "Das verspricht in der Kundenbindung und -gewinnung momentan in vielen Fällen mehr Erfolg als ein Kampf um jeden Preis", schreibt er.
Mehrwerte aus kommunalem Querverbund
Den Heimatmarkt hat auch Kreutzer-Consulting-Geschäftsführer Klaus Kreutzer im Blick, wenn er Stadtwerken empfiehlt, Mehrwerte aus dem eigenen kommunalen Querverbund zu generieren und diese gegenüber dem Kunden aktiv und deutlich darzustellen.
"Durch Bündelung aller relevanten Angebote über eine App und eine differenzierte Darstellung von Preisen für Energiekunden und Nicht-Kunden kann ein Bewusstsein für die Vorteile des Strom- oder Gasbezugs von den Stadtwerken entstehen", schreibt er. "Die Umsetzung ist aber meist mit allerlei IT-Anforderungen über die stadtwerkeeigene IT hinweg erforderlich."
Stadtwerke auf Vergleichsportalen
Dabei mag das Gute nicht immer nur nah liegen. Get-AG-Chef Quiring sieht auch Chancen im überregionalen und bundesweiten Vertrieb, insbesondere beim Aufbau und der Platzierung von Marken. "Dafür können sich Stadtwerke auch zusammentun, auf Marktdaten und Tools von Dienstleistern zugreifen und gemeinsame Vertriebs- und Marketingaktivitäten starten", erläutert er.
Schon jetzt scheinen etliche Kommunalunternehmen ihre energiekrisenbedingte Zurückhaltung auf Vergleichsportalen abgelegt zu haben. Beim Blick auf das Vergleichsportal Check 24 für das größte Versorgungsgebiet Deutschlands, Berlin, tummelten sich bei weitem nicht mehr nur Daueranbieter wie Mönchengladbachs NEW, sondern auch beispielsweise die Stadtwerke Garbsen in Niedersachsen und das Stadtwerk am See aus Friedrichshafen.
Selbstredend unterboten sie alle locker den aktuellen Grundversorgungspreis. Der liegt in der Hauptstadt noch immer bei 41 Cent pro kWh Strom. Dieser Preis, aufgerufen von Grundversorger Vattenfall, blieb seit Februar 2023 unverändert. (aba)
Hinweis: Als Grundlage für die genannten Strompreise wurde jeweils ein Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden angenommen. Hierbei handelt es sich um Arbeitspreise. Grundpreise wurden nicht berücksichtigt.
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