Blick auf Obertrennbach, einen Ortsteil des Marktes Gangkofen (7000 Einwohner) in Niederbayern.

Blick auf Obertrennbach, einen Ortsteil des Marktes Gangkofen (7000 Einwohner) in Niederbayern.

Bild: © Martin Erdniss/AdobeStock

Die Grundversorgung hat es schwer in diesen Tagen. Eingerichtet als Auffangbecken für durch das Wettbewerbsnetz gefallene Strom- und Gaskunden, hat sie vielerorts den Ruf, "meist die teuerste Wahl" zu sein, wie der Geld-Ratgeber Finanztip schreibt. Eine Mehrheit der Grundversorgungstarife bei Strom und Gas sei weiterhin "noch deutlich" über der seit Jahresanfang gefallenen Preisbremsenniveau liege, teilte zuletzt auch das Vergleichsportal Verivox mit.

Und der aufstrebende Anbieter Octopus Energy Germany positioniert sich sogar ausdrücklich als vermeintlich günstigere Stadtwerke-Alternative und wirbt im Internet mit dem Slogan: "Schluss mit der teuren Grundversorgung – Jetzt Angebot einholen". Gegen eine noch aggressivere Octopus-Kampagne in Dortmund ging der dortige Grundversorger, die Stadtwerketochter DEW21, jüngst erfolgreich vor.

Gangkofen: Strom-Grundversorgung bei 28 Cent pro kWh

Grundversorgungstarife sind nur bedingt mit Wettbewerbsprodukten vergleichbar. In stark regulierten Grundversorgungstarifen berechnen Versorger in der Regel zahlreiche Risikovariablen wie Zahlungsausfälle oder kurze Kündigungsfristen mit ein.

Bei anderen Produkten können diese Risiken durch feste Laufzeiten und Bonitätsprüfungen minimiert werden. Zudem stimmt bei weitem nicht überall die Losung, dass Grundversorgungspreise im Vergleich zu Wettbewerbsangeboten besonders teuer sind.

Niederbayern und Niedersachsen

Beispiel Gemeindewerke Gangkofen in Niederbayern. Dort kostet die Kilowattstunde (kWh) ohne Einberechnung des Grundpreises zwischen 28 und 29 Cent. Laut dem Leipziger Dienstleister Get AG ist das derzeit der bundesweite Tiefstwert in der Strom-Grundversorgung.

Unter 30 Cent pro kWh liegt die Grundversorgung auch beim niedersächsischen Versorger LSW. Das Unternehmen senkte die Strompreise zuletzt im Juli – von 30 auf 29 Cent pro kWh.

Pfarrkirchener Ausnahme

Auch in Pfarrkirchen in Niederbayern sind die Grundversorgungspreise verhältnismäßig niedrig. Die Stadtwerke überraschten die Branche, als sie trotz Energiekrise mit gerade einmal 28 Cent pro kWh Strom ins Jahr 2023 starteten – damals der bundesweite Tiefstwert. Seitdem ging der Preis leicht nach oben.

Ab Januar 2024 wurden 31 Cent pro kWh berechnet. Seit März sind es 34 Cent. Trotzdem: Gegenüber dem billigsten Verivox-Anbieter hat sich dadurch eine Kluft von sieben Cent pro kWh aufgetan. Die Zeiten, als niemand das niederbayerische Stadtwerk preislich unterbot, sind vorbei.

Stadtwerke München bei 38 Cent pro kWh

Bei vielen Stadtwerken gingen die Grundversorgungspreise seit dem Höhepunkt der Energiekrise steil nach unten. Die Stadtwerke im baden-württembergischen Haslach standen Anfang 2023 ohne Vollversorger da und mussten auf 89 Cent pro kWh erhöhen. (Die ZfK berichtete.) Jetzt sind es noch knapp 40 Cent.

Die Stadtwerke München begannen das vergangene Jahr mit 62 Cent pro kWh in der Grundversorgung. Jetzt liegen sie bei 38 Cent. Das Wahlprodukt M-Strom Fix wurde am Samstag sogar für 33 Cent pro kWh beworben.

Eon-Grundversorgung teilweise noch über Preisbremse

Über die Preisbremse musste im vergangenen Jahr auch der Platzhirsch unter den Grundversorgern, Eon, gehen. Zwar senkte der Konzern seine Preise je nach Versorgungsgebiet im September 2023 und Januar 2024 wieder.

Seitdem wurden jedoch keine weiteren betriebsbedingten Anpassungen vorgenommen. Deshalb finden sich noch immer manche Gebiete über der einst gültigen Preisbremse. Im brandenburgischen Schönefeld kostet die Kilowattstunde beispielsweise 43 Cent. Auf Check 24 waren am Samstag Konkurrenzangebote mit weniger als 35 Cent pro kWh gelistet.

Ausreißer bei 76 Cent pro kWh

"Es gibt verschiedenste Tarife in verschiedensten Konzerngesellschaften und an einigen Stellen wird es auch tarifliche Bewegung geben", sagte Eon-Vorstandschef Leonhard Birnbaum im August auf ZfK-Anfrage. Eine pauschale Richtung für diese Preisanpassungen gebe es allerdings nicht.

Die Ausreißer nach oben sind weniger geworden. Nach Get-AG-Analyse berechnet der bundesweit teuerste Anbieter derzeit 76 Cent pro kWh. Auch das Elektrizitätswerk Max Peissker, das im thüringischen Örtchen Eichicht Strom liefert, ist weiterhin hochpreisig unterwegs. Im vergangenen Jahr waren es noch 95 Cent pro kWh gewesen, jetzt sind es 64 Cent. Zum Vergleich: Auf Check 24 waren im gleichen Versorgungsgebiet Konkurrenzprodukte für unter 35 Cent pro kWh zu erhalten.

Bundesweiter Durchschnitt bei 40 Cent pro kWh

Im bundesweiten Durchschnitt lagen die Strom-Grundversorgungspreise laut Get AG Anfang September bei 40 Cent pro kWh. Vor exakt einem Jahr waren es gut drei Cent pro kWh mehr gewesen. (aba)

Zur Methode:  Bei den genannten Strompreisen handelt es sich um Arbeitspreise pro Kilowattstunde (kWh) bei einem Jahresverbrauch von 3500 kWh. Grundpreise wurden nicht berücksichtigt. Es wurde durchgehend auf ganze Centbeträge gerundet. Für den bundesweiten Durchschnitt wurde der Mittelwert über alle Postleitzahlen gebildet. Gab es mehrere Grundversorger oder Preisstellungen in einer Postleitzahl, wurde jeweils nur der Durchschnittspreis je Postleitzahl berücksichtigt.

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