Markus Hilkenbach ist Vorsitzender der Geschäftsführung der Wuppertaler Stadtwerke.

Markus Hilkenbach ist Vorsitzender der Geschäftsführung der Wuppertaler Stadtwerke.

Bild: © WSW/Claudia Kempf

Markus Hilkenbach ist seit 2020 Vorsitzender der Geschäftsführung der Wuppertaler Stadtwerke (WSW) und damit im Kommunalkonzern verantwortlich für über 3000 Mitarbeitende. In Wuppertal gibt es einen Transformationsplan für die Gasnetze in mehreren Varianten. Der Energiemanager wünscht sich vor allem baldige Klarheit bezüglich der "Endschaft im Gasnetz", aber auch mit Blick auf die Wasserstoffperspektiven und Rückbaubedingungen.

Vierter Teil einer Interview-Serie zur Transformation der Gasnetze

Der Artikel ist Teil einer kleinen Serie mit Einschätzungen von Stadtwerkeverantwortlichen zum Thema Transformation der Gasnetzinfrastruktur. Links zu den bereits erschienenen Interviews aus der Serie und anderen interessanten Beiträgen zu dem Thema finden Sie am Ende des Artikels.

Herr Hilkenbach, reicht der aktuelle Regulierungsrahmen aus, damit die Stadtwerkebranche ihr bereits investiertes Geld in die Gasnetzinfrastruktur bis 2045 wieder zurückverdienen kann?
Bisher noch nicht, auch wenn wir den Eindruck haben, dass die Nöte der Netzbetreiber und der Kapitalgeber überwiegend verstanden wurden. Aber die Umsetzung in einen konkreten Rechtsrahmen steht noch aus. Verbindlich ist mit KANU1 nur die Sicherstellung der Rückverdienbarkeit von Vermögen ab dem 1.1. 2023 bis zum 31.12. 2044. Der Umgang mit den Vermögen davor ist derzeit in der Diskussion (KANU2).

Neben der Rückverdienbarkeit von unausweichlichen Investitionen (CAPEX-Kosten) ist aber auch die Frage nach dem Umgang mit dem letzten Kunden im Strang (Versorgungspflicht) ungelöst. Ohne eine Stilllegungsoption wird der Netzbetreiber seine operativen Kosten (OPEX-Kosten) nicht wirksam senken können. Hier ist ein fairer Ausgleich zwischen dem berechtigten Interesse des Einzelnen und der Kostenbelastung der übrigen Gaskunden herzustellen.

Es darf zu keiner finanziellen Überforderung der Verbraucher kommen. Die sozialverträgliche Gestaltung der Transformation halten wir für sehr wichtig. Des Weiteren bleibt die Frage, ob der Zahlungsanspruch am Ende auch noch auf ausreichend Kunden umgelegt werden kann. Auch die Kosten des vorgelagerten Gasnetzes werden kaum sinken, da auch hier gilt: „Kosten = Preis x Menge“. Wenn die Menge sinkt, steigt eben der Preis.

"Wir haben auch Wünsche mit Blick auf die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen."

Was wünschen Sie sich von der Politik, damit Sie langfristig tragfähige Entscheidungen rund um die weitere Zukunft Ihrer Gasnetze treffen können?
Das Gasnetz stellt eine wertvolle Infrastruktur dar, für die es eine Nachnutzungsperspektive geben kann und gegebenenfalls sogar geben sollte. Für Wasserstoff als neue Wärme- und Prozessenergie muss es eine klare bundesweite Strategie geben. Wuppertal liegt im Bereich des geplanten Wasserstoff-Kernnetzes. Daher ist die Ausgestaltung der Wasserstoffstrategie hochinteressant für uns.

Wir haben aber auch Wünsche im Hinblick auf die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen. Dies betrifft etwa die Regelungen für die Auflösung des Dauerschuldverhältnisses mit dem Gaskunden als Voraussetzung für den Rückbau, denn sonst ist kein Kostenabbau möglich. Ferner die Regelungen für Vermögen vor 2023. Hier hoffen wir auf die Ergebnisse der 2. Konsultation der KANU2.

Und schließlich wünschen wir uns, dass die Perspektive der Anteilseigner ausreichend berücksichtigt wird. Hier dürfen geringen Wagnisaufschlägen keine hohen regulatorischen Risiken gegenüberstehen. Bei einem Netzbetreiber sind die größten Risiken immer in der Regulierung selbst begründet. Da aber die Bundesnetzagentur mit geringen Wagnisaufschlägen operiert, muss Sie Risiken vom Netzbetreiber fernhalten.

"Neue Komponenten werden in der Regel H2-ready bestellt."

Bis wann brauchen Sie hier Klarheit? Aktuell sieht es ja so aus als würde die bestehende Bundesregierung dieses Thema in der aktuellen Legislaturperiode nicht mehr anpacken.
Vor dem Hintergrund der kommunalen Wärmeplanung, welche von allen diesen Fragen tangiert wird, möglichst bis Mitte nächsten Jahres. Zumindest die Endschaft im Gasnetz, die Wasserstoffperspektive und die Rückbaubedingungen sollten dann klar sein.

Wie gehen Sie generell mit dem Thema Gasnetztransformation um? Gibt es bereits eine Strategie oder erste operative Maßnahmen/Entscheidungen?
Für Wuppertal existiert ein Gasnetztransformationsplan in mehreren Varianten. Das reicht von einer Vollumstellung bis hin zu Hochdruckeinfallschneisen in die Stadt zur Versorgung von exponierten Kunden. Neue Komponenten werden in der Regel H2-ready bestellt.

Das Thema schwingt bei allen Maßnahmen mit, ohne dass bisher wirklich Geld für die H2-Nachnutzung in die Hand genommen wurde. Das Thema H2-Nachnutzung hat in Wuppertal durch den Abschluss eines LOI für einen Anschluss an das Wasserstoff-Kernnetz neuen Auftrieb erhalten und wird somit auch ernsthaft in die Strategieentwicklung mit aufgenommen.


Inwiefern nimmt der Druck beim Thema Gasnetztransformation jetzt durch die kommunale Wärmeplanung zu?
Beides ist eng verwoben. Letztlich fokussiert es sich auf die Frage, ob rechtzeitig ausreichend grüner Wasserstoff zu einem günstigen Preis verfügbar ist, sodass man es sich leisten kann, diesen in einem Heizkessel zu verbrennen.

Wasserstoff wird in großen Teilen für Deutschland ein Importprodukt sein, sodass die Frage eine erhebliche geopolitische Komponente enthält, die für eine städtischen Verteilnetzbetreiber schwer bewertbar ist.

(Die Fragen stellte Hans-Peter Hoeren)

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Um die Zukunft und Transformation der Gasnetze und die notwendigen Rahmenbedingungen hierfür, aber auch um eine Amortisation der Kosten der Bestandsanlagen bis 2045 zu erreichen, geht es in der aktuellen Ausgabe der ZfK, die am Montag (5. August) erschienen ist. Zum Abo geht es hier.

Mehr zum Thema aus dem ZfK-Archiv:

1. Teil der Serie zur Transformation der Gasnetze:
Eggers: "Ziel ist es, Gasnetze nicht zurückzubauen, sondern stillzulegen"
(Interview mit Gabriele Eggers, Kaufm. Geschäftsführerin von Gasnetz Hamburg)

2. Teil der Serie:
Nath: "All electric gefährdet maßgeschneiderte Lösungen"
(Interview mit Christoph Nath, Geschäftsführer der Stadtwerke Bad Kreuznach)

3. Teil der Serie:

Weiß: "Gasnetzbetreiber brauchen eine klare Transformations-Perspektive"
(Interview mit Kristin Weiß, Geschäftsführerin Stadtwerke Jena Netze)

"Ob es Stadtwerken gelingt, neue Geschäftsmodelle zu entwickeln, ist völlig offen"
(Interview mit Simon Müller, Chef von Agora Energiewende, zum Thema Gasnetz-Transformation)

"Entwurf zur Gasnetz-Abschreibung ist eine notwendige Anpassung an die Realität"
(Nils Hardow, Syndikusanwalt der Stadtwerkekooperation Norddeutsche Allianz über den Entwurf zur Kanu 2-Richtlinie)

Bundesnetzagentur erlaubt Gasnetz-Abschreibungen bis 2035

"Umgang mit Umbau der Gasnetze und Rückstellungen ist die Gretchenfrage"
(BET-Berater Michael Seidel und Olaf Unruh über Transformationspläne für das Gasnetz)

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