Wie verlässlich ist das europäische Stromnetz? Zumindest für den Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft war eine Störung am Freitag "besorgniserregend".

Wie verlässlich ist das europäische Stromnetz? Zumindest für den Verband der Industriellen Energie- und Kraftwirtschaft war eine Störung am Freitag "besorgniserregend".

Bild: © Sebastian Gollnow/dpa

Da war Immergrün wieder vor allen anderen deutschen Stromanbietern, günstiger als der Rest, um 8.25 Uhr, auf dem Vergleichsportal Verivox.

"Dieser Tarif ist heute Morgen (0 Uhr) versehentlich live gegangen", bestätigte ein Sprecher des Portals. "Wir haben ihn allerdings schnell wieder deaktiviert. Denn: Wir listen Immergrün aufgrund der bekannten Geschäftspraktiken der letzten Monate nach wie vor weiterhin nicht bei Verivox."

Netzagentur gegen Immergrün

Immergrün, eine Vertriebsmarke der Rheinischen Elektrizitäts- und Gasversorgungsgesellschaft, hatte wegen vorzeitiger Kündigungen und saftiger Preis- und Abschlagserhöhungen nicht nur den den Zorn vieler Kunden auf sich gezogen, sondern auch die Bundesnetzagentur auf den Plan gerufen.

Die Bundesbehörde leitete Mitte November wegen einer Abschlagserhöhung ein Aufsichtsverfahren gegen den Energieversorger ein. Ein Vorgehen, das in den vergangenen Jahren seinesgleichen sucht. (Die ZfK berichtete.)

Immergrün wirbt mit Boni

In der kurzen Zeit an der Spitze des Verivox-Rankings bot Immergrün für einen Musterhaushalt (2000 kWh Jahresverbrauch, Berlin-Mitte) einen Stromtarif in Höhe von durchschnittlich 57,07 Euro pro Monat.

Darin enthalten: ein Sofortbonus von 60 Euro auf den Abschlag sowie einen Neukundenbonus von 15 Prozent. Dazu zwölf Monate eingeschränkte Preisgarantie, allerdings auch nur eine einmonatige Vertragslaufzeit.

Jurastrom lockt bei Check 24

Auf Platz zwei wurde der schwedische Energiekonzern Vattenfall (57,15 Euro  pro Monat) gelistet und auf Platz drei mit den Regionalen Energiewerken (57,21 Euro pro Monat) ein Unternehmen, das laut dem Portal "www.Verbraucherhilfe-Stromanbieter.de" diesen Herbst ebenso mit außerordentlichen Kündigungen auffiel.

Auch Billigstromanbieter Jurastrom scheint sein Glück erneut auf Vergleichsportalen zu wagen. Bei Check 24 schaffte es das Unternehmen am Dienstagvormittag (2500 kWh Jahresverbrauch, Berlin-Mitte) auf Platz zwei. Hier waren zu diesem Zeitpunkt nur die Regionalen Energiewerke noch höher gelistet.

Variabler Tarif? Nein, Festpreis

Jurastrom war in die Schlagzeilen geraten, weil sich einerseits Kunden über nicht ausgezahltes Guthaben beschwert hatten. Andererseits stellte der Versorger Bestandskunden recht unvermittelt von Festpreis- auf variable Tarife um. (Die ZfK berichtete.)

Von einem variablen Tarif kann im bei Check 24 gelisteten Angebot aber keine Rede sein. Stattdessen wirbt Jurastrom dort ganz klassisch mit einem Arbeitspreis von 29,52 Cent pro kWh und einem Grundpreis von 287,61 Euro pro Jahr.

Üppige Boni

Dazu kommen üppige Boni: ein Sofortbonus von 30 Euro und ein Neukundenbonus von 154 Euro.

Eine Check-24-Sprecherin teilte auf ZfK-Nachfrage mit, dass Jurastrom "nach unseren Informationen die Zahlungen an unsere Kund*innen geleistet" habe.

Fehlende gesetzliche Aufsicht

"Natürlich haben wir nach wie vor das Problem, dass wir vor dem Hintergrund der geforderten vollständigen Marktabdeckung möglichst alle Anbieter zeigen sollen, ohne dass diese einer gesetzlichen Aufsicht unterliegen", führt sie aus.

"Für unsere Kund*innen stimmen wir uns bei prozessualen Problemen aber regelmäßig mit den Anbietern ab." (aba)

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