Das Biomethanunternehmen Landwärme hat im Rahmen seiner Neuaufstellung einen ersten wichtigen Schritt gemacht. "Landwärme hat inzwischen ihre Vertragslandschaft einer eingehenden Revision unterzogen", sagte Sanierungsgeschäftsführerin Anna Katharina Wilke. Das Ergebnis: Das Unternehmen kann die meisten seiner Ökogas- und EEG-Kunden derzeit ohne Vertragsanpassung weiter beliefern.
Die Revision wurde notwendig, als das Münchener Unternehmen Mitte August vor dem Landgericht Berlin einen Insolvenzantrag gestellt hatte. Als Grund nannte Landwärme damals die anhaltend angespannte Marktsituation beim THG-Quotenhandel sowie in der Biomethanbranche – zwei wesentliche Standbeine des Unternehmens.
Investorensuche vielversprechend
Vor der Eröffnung des Insolvenzverfahrens Anfang November sieht Landwärme-Geschäftsführer, Zoltan Elek, sein Unternehmen gut aufgestellt. Bei der Neugestaltung von Verträgen habe Landwärme in den letzten Wochen deutliche Fortschritte erzielt, sagte er. Auch bei der Investorensuche nimmt Landwärme nach eigenen Angaben hohes Interesse wahr. Rund ein Dutzend der Interessenten hätten bereits mit der Prüfung der Unternehmensunterlagen begonnen.
Auch das politische Umfeld im Bereich Treibhausgasminderungsquoten habe sich verbessert, führt er weiter aus. Damit meint Elek unter anderem einen neuen Referentenentwurf der Bundesregierung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes. Darin will das Bundesumweltministerium für die Jahre 2025 und 2026 nur noch CO2-Minderungen aus erneuerbaren Kraftstoffen und Strom anerkennen, die auch im selben Jahr erzielt wurden.
Die bisherige gesetzliche Regelung sieht noch vor, dass Quotenverpflichtete die Übererfüllung ihrer Verpflichtungen zur Emissionsreduktion auch zu einem späteren Zeitpunkt noch anrechnen können, erläutert Landwärme. Elek erwartet dadurch eine leichte Erholung des Marktes. Die verlängerte Prüfzeit für die Quotenanmeldungen der Jahre 2023 und 2024 bis 2027 würde es zudem ermöglichen, die Betrugsvorwürfe gründlich zu klären.
Damit ist der Betrug mit Klimazertifikaten, den das Umweltbundesamt (UBA) nun nach und nach aufarbeitet. Insgesamt 75 Klimaprojekte weltweit, davon 66 in China stehen im Zentrum der Untersuchung des mutmaßlichen Betrugs mit Zertifikaten aus den sogenannten UER-Projekten. Das führte aus Sicht von Elek zu einer regelrechten Überflutung des Marktes mit gefälschten Zertifikaten und schließlich zu einem anhaltenden Preisverfall für THG-Quoten.
Rückabwicklung einzelner Projekte
Bundesumweltministerin Steffi Lemke hatte zudem bestätigt, dass diese Projekte vollständig rückabgewickelt werden. "Dies ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung", kommentiert Elek. Die Rückabwicklung müsse nun umgehend eingeleitet werden. Im Interview mit der ZfK bezeichnete der Landwärme-Chef diesen Schritt als Voraussetzung für eine nachhaltige Erholung des Preises für THG-Quotenpreises und eine entsprechende Marktstabilisierung.
Gleichzeitig müsse die Prüfung der offenen Projekte "zügig fortgesetzt und auch den anhaltenden Hinweisen auf falsch deklarierten Biodiesel mit Entschlossenheit nachgegangen werden", fordert Elek weiter.
Mitte September bezeichnete die Arbeitsgemeinschaft für sparsame Energie- und Wasserverwendung (Asew) die Situation unter den von der Landwärme-Insolvenz betroffenen Unternehmen als "besorgniserregend". Im Fazit des Workshops für diese Unternehmen teilte Asew mit, dass die zahlreichen Verträge des finanziell angeschlagenen Unternehmens "eher nicht erfüllt" werden.
Diese Bestandsaufnahme sei "falsch und veraltet", kontert nun Landwärme. "Die meisten unserer Kunden werden derzeit ohne Vertragsanpassung weiter beliefert und sind darüber auch verbindlich informiert", hieß es dazu. Nur in den wenigen Fällen, "in denen eine Anpassung im insolvenzrechtlichen Rahmen zwingend erforderlich war", würden bereits moderate und marktfähige Preisanpassungsangebote versandt. (am)



