Der Aufsichtsrat der Stadtwerke Pforzheim (SWP) und der ehemalige Stadtwerke-Geschäftsführer Herbert Marquard haben sich außergerichtlich geeinigt und werden ihre juristische Auseinandersetzung beenden. Das Kontrollgremium des Kommunalversorgers kündigte in einer Pressemitteilung der Stadt an, dem früheren Energiemanager zeitnah die Entlastung für das Geschäftsjahr 2024 aussprechen zu wollen, im Gegenzug zieht Marquard seine Klage gegen die SWP auf Auszahlung einer erfolgsabhängigen Tantieme zurück. Auch die Compliance-Untersuchung wegen der Auftragsvergabe für eine Beleuchtungsanlage im Heizkraftwerk Pforzheim wird eingestellt. Es stünden weder ein strafrechtliches Verfahren noch eine Schadensersatzforderung mehr im Raum, heißt es weiter in der Pressemitteilung der Stadt. Vorausgegangen war eine Sondersitzung des SWP-Aufsichtsrates.
Beide Parteien bewerten Untersuchung unterschiedlich
"Herbert Marquard ist in einer herausfordernden Situation nach Pforzheim gekommen und hat in seinen Jahren hier große Verdienste um die SWP erworben, die durch die Auseinandersetzung zuletzt zu sehr aus dem Fokus geraten sind. Umso mehr freue ich mich, dass wir nun eine gute Lösung gefunden haben und eine außergerichtliche Einigung gelungen ist", wird Pforzheims Oberbürgermeister Peter Boch, zugleich Aufsichtsratsvorsitzender der SWP, in der Mitteilung zitiert. Herbert Marquard hatte die SWP in seiner Zeit in Pforzheim erfolgreich durch eine Restrukturierung und aus tiefroten Zahlen wieder zurück in die Erfolgsspur geführt. Seit Sommer vergangenen Jahres leitet er die in einer Krise befindlichen Stadtwerke Bietigheim-Bissingen in der Nähe von Stuttgart.
Auch Herbert Marquard wollte den Blick nach vorne richten, machte in seinem Statement aber keinen Hehl daraus, dass er in manchen Aspekten eine andere Sicht auf den Rechtsstreit hat. "Ein anonymer Hinweis gab Anlass zu einer umfassenden und mit erheblichem finanziellen Aufwand verbundenen Überprüfung des zugrunde liegenden Sachverhalts. Die Bewertung der hierbei gewonnen Ergebnisse fällt zwischen den Beteiligten unterschiedlich aus", so Marquard. Zur Vermeidung weitere rechtlicher Auseinandersetzungen und zur abschließenden Beilegung des Streitfalls habe er sich mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Peter Boch auf einen Vergleich verständigt. "Für mich ist damit das Kapitel Pforzheim erledigt", versichert der Energiemanager.
Untersuchungen verursachen sehr hohe Kosten
Ein anonymer Hinweis an den Compliance-Beauftragten der Stadtwerke Pforzheim hatte 2025 staatsanwaltliche Ermittlungen und sogar Hausdurchsuchungen angestoßen. Laut einer späteren Einschätzung des Landgerichts Karlsruhe lag jedoch kein begründeter Anfangsverdacht wegen "Untreue in Tateineinheit mit Bestechlichkeit vor".
Die Stadtwerke Pforzheim hatten 2023 die Lichtzentrale Lichtgroßhandel mit der Errichtung einer Lichtanlage zur Beleuchtung des Pforzheimer Heizkraftwerks beauftragt. Da die Kinder von Marquard und dem Prokuristen der Lichtzentrale liiert sind, hatte ein anonymer Hinweisgeber Marquard "Vetternwirtschaft" vorgeworfen. Marquard hat nach eigenen Angaben nur darauf verwiesen, dass die Lichtzentrale über das entsprechende Know-how für die Installation der Anlage verfüge.
Die ursprüngliche Auftragssumme für die Beleuchtung lag laut Marquard bei rund 200.000 Euro, davon entfielen rund 120.000 Euro allein auf die Fassadenkletterer, die die Anlage am Schornstein angebracht haben.
Die Kosten der vom Aufsichtsrat dann eingeleiteten Untersuchungen und Prüfungen des Vorgangs durch renommierte Kanzleien sollen sich mittlerweile bei über 430.000 Euro bewegen.


