Russlands Präsident Wladimir Putin hat Unipro, die russische Tochter des verstaatlichten deutschen Gasimporteurs Uniper, unter staatliche Aufsicht gestellt. Dies sei eine notwendige Reaktion auf die drohende Verstaatlichung russischer Vermögenswerte im Ausland, heißt es in einem am Dienstag veröffentlichten Dekret dazu.
Uniper hatte seine Anteile an der russischen Tochter allerdings bereits vor der Zwangsmaßnahme abgeschrieben. Dasselbe Schicksal ereilte Fortum Oyj, die russische Tochtergesellschaft des finnischen Energiekonzerns und früheren Uniper-Mehrheitseigentümers Fortum.
Uniper zu 84 Prozent an Unipro beteiligt
Das Einfrieren russischer Vermögenswerte im Westen als Reaktion auf den Angriffskrieg gegen die Ukraine bezeichnet Moskau als "unfreundlichen und gegen internationales Recht verstoßenden Akt". Sollten der russische Staat, russische Firmen oder Privatpersonen im Ausland enteignet werden, oder auch nur in entsprechende Gefahr geraten, so werde Moskau daraufhin die Kontrolle bei Firmen übernehmen, die aus dem entsprechenden Ausland stammen, heißt es in dem Dekret.
Im Fall Uniper geht es um die Beteiligung von 83,73 Prozent an der russischen Tochterfirma Unipro. Für das Unternehmen arbeiten rund 4000 Mitarbeiter.
Milliardenverlust bereits abgeschrieben
Sein Russlandgeschäft wollte der Konzern schon vor dem Krieg abstoßen. Ein Käufer wurde zwar gefunden. Die russischen Behörden haben den Verkauf allerdings bis heute nicht genehmigt. Den Verlust in Höhe von 4,4 Mrd. Euro hat der Konzern bereits abgeschrieben.
Nach eigenen Angaben konnte Uniper schon seit Ende 2022 faktisch keine operative Kontrolle mehr über Unipro ausüben. Nun übernimmt der staatliche Vermögensfonds Rosimuschestwo die Aufsicht. "Das Dekret betrifft nicht die Frage des Eigentums und entzieht den Besitz auch dessen Eigentümern nicht", heißt es in einer Stellungnahme von Rosimuschestwo.
Uniper schreibt schwarze Zahlen
Die Behörde übernehme jedoch die Managemententscheidungen, um den weiteren Betrieb der in Russland tätigen Unternehmen sicherzustellen. Bei der Insolvenzverwaltung handle es sich um eine befristete Maßnahme, hieß es.
Uniper wartete am Mittwoch aber auch mit positiven Nachrichten auf. Demnach hat der Konzern im ersten Quartal wieder schwarze Zahlen geschrieben.
Keine Verluste aus Beschaffung
Es seien keine weiteren Verluste aus der Beschaffung von Ersatzgasmengen entstanden, teilte das Unternehmen mit. Deshalb benötige Uniper bis auf Weiteres keine neuen Eigenkapitalerhöhungen des Bundes.
Verluste sowie den Bedarf an frischem Geld kann das Management für die Zukunft aber nicht ausschließen. Im vergangenen Jahr hatte Uniper wegen der ausbleibenden Lieferungen aus Russland viel Gas zu höheren Preisen am Markt zukaufen müssen, was zu enormen Verlusten geführt und schlussendlich den Einstieg des Bundes nötig gemacht hatte, um einen Zusammenbruch abzuwenden.
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