Dutzende Strom- und Gasanbieter werben auf Verivox und Check 24 um Neukunden.

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Bild: © Superingo/AdobeStock

Die im kommenden Jahr steigenden Übertragungsnetzentgelte setzen den Energievertrieb unter Druck. Das zeigt eine nicht repräsentative ZfK-Umfrage unter Stadtwerken und Versorgern. Bis zuletzt hatten diese auf eine Entlastung der Bundesregierung bei den Netzentgelten in Höhe von 5,5 Milliarden Euro gehofft.

Die ist aber nach dem kürzlich erfolgten Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das den Klima- und Transformationsfonds um insgesamt 60 Milliarden Euro schmaler macht, Geschichte. Nun steigen die Übertragungsnetzentgelte im kommenden Jahr auf 6,43 Cent pro Kilowattstunde (kWh). Das ist mehr als doppelt so viel wie aktuell (3,12 Cent/kWh).

Versorger kalkulieren neu

Der Frankfurter Versorger Mainova etwa prognostiziert, dass 2024 dadurch auch die Energiepreise wieder steigen: "Es ist davon auszugehen, dass viele Energieversorger gezwungen sein werden, die deutlich höheren Netzentgelte an die Kundinnen und Kunden weiterzugeben", sagte ein Unternehmenssprecher auf Anfrage.

Eigentlich wollte Mainova zum Jahreswechsel unter anderem die Preise in der Strom-Grundversorgung senken. Jetzt könnte diese Preissenkung nur von kurzer Dauer sein. Denn intern werden seit dem Rückzieher der Bundesregierung bereits die einzelnen Mainova-Tarife neu kalkuliert. "Auf Basis der veränderten Kostenbestandteile", so der Sprecher weiter.

"Signifikante Auswirkungen"

Auch andere Wettbewerber müssen ihre Preisgestaltung überdenken, darunter die Stadtwerke in Krefeld (SWK) und Kiel sowie die Versorger Infra Fürth und Sachsenenergie. Ein Sprecher der SWK sprach auf Anfrage von "signifikanten Auswirkungen". Sein Unternehmen werde "die bisher avisierte Preisstrategie grundsätzlich überdenken müssen". Klar ist aber, dass sich Geschäftskunden auf höhere Preise einstellen müssen, da hier die Netzentgelte automatisch zu 100 Prozent durchgereicht würden.

Das Problem: Versorger haben nicht nur zusätzlichen Aufwand, beispielsweise im Personal- und IT-Bereich. Oft sind die Preise für das kommende Jahr längst fix und müssen nun wahrscheinlich angepasst werden – mit entsprechendem kommunikativem Aufwand.

Imageschaden droht

Nachdem bereits angekündigt wurde, dass die Preisbremsen mehrere Monate früher wegfallen, gerät der Vertrieb nun noch zusätzlich unter Druck. Die Verunsicherung der Endkundinnen und -kunden wird daher in jedem Fall wachsen. Berechtigterweise warnt unter anderem Infra Fürth vor weiteren unverschuldeten Imageschäden, wenn die nächste Preisänderung parallel zur Jahresverbrauchsabrechnung kommuniziert werden muss.

Als "völlig inakzeptablen Zustand“ kritisiert dies der Versorger und beziffert die zusätzlichen Kosten im "einstelligen Millionenbereich". Zwar würden einige Kunden ohne Preiserhöhung "davonkommen", andere werde diese aber voll angerechnet.

Zeit wird knapp

Zu all dem kommt die gesetzlich vorgeschriebene Sechs-Wochen-Frist, die bei Preisanpassungen eingehalten werden muss. Zum 1. Januar 2024 wird also kein Unternehmen die höheren Netzentgelte überhaupt weitergeben können. Das bedeutet, sie müssen diese zwischenfinanzieren. Je nach Größe können da zweistellige Millionenbeträge zusammenkommen.

Einen kleinen Lichtblick gibt es allerdings: Die Bundesnetzagentur räumt den Verteilnetzbetreibern bei der Weitergabe der Entgelte eine Übergangsfrist ein. Ihr sei daran gelegen, "dass die im Wettbewerb befindlichen Stromlieferanten nicht übermäßig belastet werden", teilte die Behörde auf Nachfrage des Verbands kommunaler Unternehmen mit.

Abwarten angesichts Unsicherheit

Die Stadtwerke Kiel wollen angesichts dieser Gemengelage dennoch abwarten. "Aktuell liegen uns keine neuen Netzentgelte vor. Daher können wir über den Einfluss auf unsere Preise noch keine Stellung beziehen", erläuterte ein Unternehmenssprecher. Eine Neuberechnung der Netzentgelte der nachgelagerten Ebenen sei jedoch erforderlich, stellte er klar.

Auch Sachsenenergie lässt offen, ob und in welcher Höhe Preiserhöhungen im nächsten Jahr vorgenommen werden. "Inwieweit wir die Kosten weitergeben müssen oder kompensieren können, können wir aktuell noch nicht verbindlich sagen", sagte eine Sprecherin des Unternehmens. (dz)

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