Die Strompreise für Großkunden in Deutschland sind aktuell doppelt so hoch wie vor der Energiekrise 2022. Allerdings sanken sie seit ihrem Höchststand wieder deutlich. Maßgeblich dafür waren rückläufige Großhandelspreise.
Innerhalb eines Jahres sind die Preise im Durchschnitt um 29,2 Prozent gesunken. Das ergab eine Auswertung von 50 großen Netzgebieten durch den Bundesverband der Energieabnehmer (VEA). Der VEA legt dabei 15 typische Abnahmefälle mit "realistischen Preisindikationen" zugrunde.
Edis senkt am stärksten
Die drei Unternehmen, die ihre Preise demnach prozentual am stärksten gesenkt haben, sind Edis mit Sitz im brandenburgischen Fürstenwalde (-35 %), die Stadtwerke Kiel Netz (-34,6 %) und die Stadtwerke Rostock Netz (-34,5 %).
Am anderen Ende der Skala finden sich die Schweriner Wemag Netz (-25,2 %), WSW Netz aus Wuppertal (- 25,5 %) sowie die Energis Netzgesellschaft (Saarbrücken) und Enervie Vernetzt (Lüdenscheid) mit jeweils minus 26,1 Prozent.
Neue Bundesländer etwas teurer
Bundesweit sind die Strompreise sehr heterogen. Ein wesentlicher Grund dafür sind die regional unterschiedlichen Netzentgelte – die zuletzt deutlich gestiegen sind.
Laut dem VEA, der die Preise seit 2002 regelmäßig auswertet, sind sie "nach wie vor" in den neuen Bundesländern höher als in den alten – derzeit um 1,5 Prozent. Ohne Strom- und Mehrwertsteuer kostet die Kilowattstunde (kWh) Strom im Osten durchschnittlich 21,85 Cent, im Westen 21,53 Cent.
Innerhalb der 50 Netzgebiete sind die Schwankungen viel höher. Während beispielsweise die Stadtwerke Kiel Netz nur 18,55 Cent/kWh verlangen, ruft die Wemag Netz 25,05 Cent/kWh auf – eine Differenz von 35,1 Prozent.
Die drei günstigsten Anbieter sind momentan die Stadtwerke Kiel Netz, die Stadtwerke Rostock Netz und die EWE Netz mit Sitz in Oldenburg. Am teuersten ist Strom von Wemag Netz, Schleswig-Holstein Netz (Quickborn) und der Energis Netzgesellschaft.
Situation bleibt unsicher
2022 stiegen die Großhandelspreise dramatisch an. Eine Folge des Kriegs Russlands gegen die Ukraine und ausbleibender Gastransporte nach Europa.
Noch immer ist die Situation im Großhandel unsicher und viele Lieferanten haben ihr Neukundengeschäft eingeschränkt. Der VEA verweist darauf, dass auch Unternehmen von dem eingeschränkten Angebot betroffen sind und oftmals deutlich schlechtere Vertragsbedingungen in Kauf nehmen müssten.
In die Auswertung eingerechnet wurden unter anderem die jeweilige Netznutzung, die Strombeschaffung, Abgaben und Umlagen. Nicht enthalten sind die Strom- und Mehrwertsteuer. Der Verband vertritt nach eigenen Angaben 4.500 Unternehmen aus der mittelständischen Wirtschaft und des öffentlichen Sektors. (dz)



