Das Geschäftsführerduo der Trianel (von links): Sprecher Sven Becker und Oliver Runte

Das Geschäftsführerduo der Trianel (von links): Sprecher Sven Becker und Oliver Runte

Bild: © Trianel

Die Kürzung der Förderung für Wasserstoffprojekte im Haushaltsentwurf der Bundesregierung sendet laut Trianel-Chef Sven Becker "völlig falsche Signale" in den Markt. Auch für das geplante Wasserstoffzentrum der Trianel in Hamm mit einem Elektrolyseur von 20 Megawatt und für ein weiteres Wasserstoff-Projekt in Coesfeld im Münsterland hätten sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen deutlich eingetrübt. "Die Realisierung solcher Projekte ist nicht mehr gesichert", so Becker auf der Bilanzpressekonferenz der Stadtwerkekooperation. Von einem "Projektstopp" wie in Bremen oder bei der Leag in Boxberg wollte er nicht sprechen, vielmehr "fahre man auf Sicht".

Für die Wirtschaftlichkeit und die Planbarkeit derartiger Projekte benötige man gesicherte Abnahmeverträge. Auch hier habe sich die Situation deutlich verschlechtert. Viele Industriekunden verfolgten das Thema Wasserstoff aktuell nicht weiter, im Verkehrssektor fehle es weiterhin an einer Nachfolgeregelung für die THG-Quoten.

Ursprünglich war für das gemeinsam mit den Stadtwerken Hamm, den Dortmunder Stadtwerken und den Stadtwerken Bochum geplante Wasserstoffzentrum in Hamm dieses Jahr der Baubeschluss geplant, hier müsse nun ein neuer Zeitplan aufgestellt werden, heißt es.

"Ein Zubau von fünf bis acht Gigawatt an Gaskraftwerkskapazität bis 2030 wäre schon klasse."  Sven Becker, Sprecher der Geschäftsführung

"Wir steuern auf ein Energiesystem zu, das nur noch von Kapitalkosten und nicht mehr von variablen Kosten geprägt sein wird. Um die Klimaziele bis 2045 zu erreichen, müssen wir im Bereich Wasserstoff einen Hochlauf realisieren", so Becker weiter. Deshalb benötige die Branche vor allem verlässliche und stabile Rahmenbedingungen.

Das gelte auch für den geplanten Zubau von bis zu 20 Gigawatt gesicherter Leistung an Gaskraftwerken im Rahmen des Kraftwerkssicherheitsgesetzes, auf das die Branche wartet. Trianel plant weiterhin den Bau eines Wasserstoff-Blocks beim Gaskraftwerk in Hamm, für den Investitionen zwischen 350 und 400 Millionen Euro notwendig wären. "Wir treiben die Genehmigungen voran und erwarten die erste Ausschreibung frühestens Anfang nächsten Jahres", so Becker weiter. Er geht davon aus, dass man den Block aufgrund der sehr "vorteilhaften, bestehenden Netzinfrastruktur" innerhalb von vier Jahren bauen könne.

"Das setzt allerdings voraus, dass alles gut läuft." Das von der Bundesregierung ausgegebene Ziel von 20 Gigawatt hält er indes für sehr ambitioniert. "Wenn wir bis 2030 einen Zubau von fünf bis acht Gigawatt hätten, wäre das schon klasse."

Neue Chancen für Lünen nach Einführung eines Kapazitätsmarkts

Einige Hoffnung setzt Trianel auch auf den geplanten Kapazitätsmarkt, insbesondere auch mit Blick auf das noch junge Steinkohlekraftwerk in Lünen. Das gilt insbesondere für den Fall, dass das Kraftwerk im Rahmen eines Kapazitätsmarktes eine Zuteilung und damit eine Kapazitätsprämie für die Vorhaltung gesicherter Leistung erhält. Voraussetzung, um an diesem Markt teilzunehmen, wäre eine Umrüstung der Anlage auf Gas. Ein gemeinsam mit der Landesregierung NRW erstelltes Gutachten zeige, dass diese Umstellung unter bestimmten Voraussetzungen wirtschaftlich und technisch machbar wäre, sagt Becker. "Wenn ein Kapazitätsmarkt kommt, können wir sehr schnell reagieren, wir blicken dieser Entwicklung sehr positiv entgegen."

Energiehandel und Projektentwicklung tragen das Ergebnis

Das Geschäftsjahr 2024 hat das Unternehmen mit einem Vorsteuerergebnis (EBT) von 92,5 Millionen Euro (2023: 99 Millionen) und einem Jahresumsatz von 8,5 Milliarden Euro (2023: 9,4 Milliarden) abgeschlossen. Dieses Ergebnis sei aufgrund der teils widrigeren Rahmenbedingungen als 2023 und 2022 "hervorragend und eine überragende Leistung der gesamten Mannschaft", lobte der Sprecher der Geschäftsführung. Maßgeblich dazu beigetragen haben erneut der Energiehandel, das handelsnahe Dienstleistungssegment und die Projektentwicklung. Der Jahresüberschuss liegt bei 58,8 Millionen Euro (2023: 68,8 Mio.), davon werden 80 Prozent an die Gesellschafter ausgeschüttet. Gleichzeitig wird das Eigenkapital um knapp neun Millionen Euro auf 133,3 Millionen aufgestockt.

"Wir haben früh das Zusammenspiel zwischen Energiehandel, Optimierung konventioneller und erneuerbarer Erzeugung und handelsnahen Dienstleistungen in unsere Strategie integriert. Davon profitieren unsere Kunden und wir selbst nun sehr nachhaltig", erklärte der unter anderem für das Handelsgeschäft verantwortliche Geschäftsführer Oliver Runte.

Das Handelsgeschäft habe sich in den letzten Jahren stark verändert. Geopolitische Herausforderungen hätten deutlich zugenommen und führten zu Unsicherheiten insbesondere an den globalen Gasmärkten. Darüber hinaus gehe der Ausbau der erneuerbaren Energien weiter. "Der Zubau der Erneuerbaren und der gleichzeitige Rückbau steuerbarer Leistungen führt zu immer stärkeren Veränderungen der Struktur in Lieferung und mehr Volatilität, die wir berücksichtigen müssen", so Runte weiter.

Steigende Volatilität erfordert starke Systeme und Prozesse

Die Volatilität der Jahresprodukte nehme ab, dafür habe die Volalilität "im Tag" zugenommen. Der professionelle Umgang mit Preisspitzen und Negativpreisen erfordere starke Systeme und Prozesse. "Hier entwickeln wir uns kontinuierlich weiter und bauen unsere Systeme aus."

Als wesentliches Element der erfolgreichen Handelsstrategie von Trianel hob Runte die Internationalisierung hervor: "Die Integration der Erneuerbaren in den Markt und die Veränderungen der Erzeugungsstruktur ist für uns auch ein europäisches Thema und ermöglicht eine grenzübergreifende Diversifikation von Risiken über den deutschen Markt hinaus. Von dieser Marktexpertise profitieren insbesondere unsere Kunden", stellt Runte fest. Trianel hat ihre Handelsaktivitäten in den letzten Jahren bereits auf die Niederlande, Belgien, Luxemburg, Frankreich, Spanien, Österreich, Schweiz, England, Dänemark, Schweden, Norwegen und Italien ausgeweitet. 2025 strebt Trianel den Markteintritt in weitere europäische Länder, unter anderem in Osteuropa, an.

Das Projektentwicklungsgeschäft. war neben dem Ausbau der Aktivitäten bei der Umsetzung von Onshore- und PV-Projekten und der Gründung einer österreichischen Projektentwicklungstochter durch die Schaffung entsprechender Voraussetzungen für die Entwicklung von Flexibilitätsoptionen wie Elektrolyseuren, Batteriespeichern und Wasserstoffkraftwerken gekennzeichnet. "Die Energiewende wird nur gelingen, wenn die Erneuerbaren erfolgreich in den Markt integriert werden können. Dazu brauchen wir mehr Flexibilität, um besser mit der volatilen Einspeisung von Wind- und Solaranlagen arbeiten zu können", hob Sven Becker hervor. Systemdienlichkeit sei dabei zentral. Schon heute setze man bei der Entwicklung von Wind- und Solarparks auf die gleichzeitige Installation von Umspannwerken und Speichertechnologien.

Belegschaft wächst um knapp zehn Prozent

Flankiert wird das Wachstum mit einem deutlichen Personalzuwachs. Im vergangenen Jahr wurden 45 neue Mitarbeitende eingestellt, die Belegschaft umfasst nun 430 Personen. Ein weiteres Personalwachstum ist geplant. "Wir arbeiten viel mit Modellen und benötigen vor allem Mitarbeitende mit IT-Hintergrund, aber auch für den Handel und die Projektentwicklung", erklärte Becker.

Mit dem Geschäftsverlauf im ersten Halbjahr dieses Jahres zeigt sich die Geschäftsführung zufrieden. "Wir sind zuversichtlich, auch in diesem Jahr unser ambitioniertes Planergebnis zu übertreffen. Mit den Markveränderungen und Volatilitäten können wir derzeit sehr gut umgehen und sehen hier für uns Chancen", versicherte Oliver Runte.

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