"Wir beginnen dieses Jahr mit einer neuen Normalität. Und Sie wissen: Normalität war für Uniper in den vergangenen Jahren nicht selbstverständlich", so Michael Lewis, CEO von Uniper, bei der Vorstellung der Geschäftszahlen für 2023 in Düsseldorf.
Nach einem Milliardenverlust 2022 hat der Düsseldorfer Energiekonzern 2023 ein bereinigtes Ebit von rund 6,4 Mrd. Euro erzielt. Im Krisenjahr 2022 lag dieser Kennwert mit 10,9 Mrd. Euro im Minus. Der Staat musste daraufhin zu Hilfe kommen und insgesamt 13,5 Mrd. Euro als Hilfe zur Verfügung stellen.
Rettunsaktion unter Auflagen
Diese Rettungsaktion durch die Bundesregierung war an eine Reihe von Auflagen der EU geknüpft. So muss sich Uniper bis spätestens Ende 2026 von einer Reihe an nicht-strategischen Beteiligungen trennen. Bereits erfolgt sei beispielsweise der Verkauf eines ungarischen Gaskraftwerks (430 MW) sowie der Beteiligungen an Schiffskraftstoffen in den Vereinigten Arabischen Emiraten.
Noch nicht erfolgt sei unter anderem der Verkauf des Fernwärmegeschäfts von Uniper, der Gasleitung Opal sowie des Kohlekraftwerks Datteln 4. In allen Fällen laufen die Verkaufsgespräche bald an, kündigte Jutta Dönges, CFO des Unternehmens an. Bei Datteln 4 habe der aktuell laufende Rechtsstreit Auswirkungen auf den Verkaufsprozess, räumte sie ein. Denn bei einem negativen Richterspruch sei eine Einigung mit dem Käufer über die Risikoverteilung notwendig. Diese Umstände würden die Verhandlungen zurückwerfen. Zuletzt galt Berichten aus dem Unternehmensumfeld zufolge das tschechische Unternehmen EPH als potenzieller Käufer.
Der Verkauf des Fernwärmegeschäfts, aber vor allem des Standortes in Datteln dürfte Uniper besonders schmerzen. Mit ihnen will der Konzern dann ins Rennen gehen, wenn die Kraftwerksstrategie konkreter wird Für den Uniper-Vorstandsvorsitzenden Michael Lewis werde die Zeit für die Umsetzung sonst knapp.
Sein Konzern wolle nicht auf die perfekte Lösung warten, sondern schnell mit der Umsetzung beginnen. "Ob wir dann alle Kohlekraftwerke stilllegen können, hängt davon ab, wie schnell wir die neuen Anlagen ans Netz bringen", sagte der CEO. Dabei hält er die Pläne für 10.000 MW an zusätzlichen Kapazitäten für nicht ausreichend. Aus seiner Sicht seien für die Versorgungssicherheit bis zu 25.000 MW notwendig.
Neue Struktur ab sofort
Aufgrund sinkender Rohstoffpreise erwartet Uniper für das laufende Geschäftsjahr ein bereinigtes Ebitda zwischen 1,5 und zwei Mrd. Euro, sowie einen Konzernüberschuss zwischen 700 Mio. und 1,1 Mrd. Euro. Mit den Prognosen ordnet sich Uniper auf dem Niveau der Vorkrisenzeit 2019 ein.
Nach den turbulenten Jahren will Uniper nun wieder für mehr Stabilität und Kontinuität sorgen. Dies soll sich auch in der Unternehmensstruktur widerspiegeln. Anstelle der bisherigen zwei zentralen Geschäftsfelder Europäische Erzeugung und Global Commodities gibt seit diesem Jahr drei Geschäftseinheiten: Green Generation, Flexible Generation und Green Commodity. Das Adjusted Ebidta würde das Adjusted Ebit als zentrale Kennzahl ersetzen.
Konzernüberschuss auf Rekordniveau
Der Konzernüberschuss als Kennzahl bleibe dabei bestehen. 2023 lag er bei 6,34 Mrd. Euro. Im Jahr 2022 lag das Ergebnis noch mit minus 19,14 Mrd. Euro im tiefroten Bereich. Die Gründe für die Kehrtwende sieht der Uniper-CEO "in einem für Uniper vorteilhaften Marktumfeld insbesondere durch Sicherungsgeschäfte im Bereich der Stromerzeugung aus Kohle- und Gaskraftwerken". Auch im Gas-Midstream-Geschäft, also Transport und Lagerung von Erdgas lief "äußerst profitabel".
Vor einem Jahr brachte das Erdgas den Konzern noch in "existenzielle Krise", wie Lewis sagte, ausgelöst durch den Abbruch der Lieferungen aus Russland. Mit Hilfe der Bundesregierung aber auch durch die Eigenleistung "konnten wir unsere Kunden auch in der schwierigsten Phase weiterhin beliefern und die Wirtschaft unterstützen".
Kein Erdgas aus Russland
Im Jahr 2023 schlugen sich hingegen "erfolgreiche Termingeschäfte zur Absicherung der offenen Gaslieferverpflichtungen, die aus der Kürzung russischer Gaslieferungen resultierten", positiv im Ergebnis nieder, hieß es weiter. Mittlerweile beziehe Uniper von Russland kein Erdgas, weder über Pipelines noch als LNG, erläuterte Carsten Poppinga, CCO von Uniper, im Gespräch mit der ZfK. Da hätten die mit Gazprom noch bis 2035 bestehende Lieferverträge keine realistische Bedeutung. Uniper befinde sich zudem im Schiedsgerichtprozess mit dem russischen Staatskonzern und verlange eine Entschädigung für die nicht gelieferten Erdgasmengen. Hier rechnet der Konzern mit einer Entscheidung bereits in diesem Jahr.
Bis 2030 will Uniper nach eigenen Angaben rund acht Mrd. Euro in seine "grüne Transformation" investieren. Neben der Dekarbonisierung und dem Erneuerbarenausbau spiele die flexible Stromerzeugung hier weiterhin eine wichtige Rolle. "Wir begrüßen, dass die Bundesregierung sich auf ein gemeinsames Vorgehen bei der Kraftwerksstrategie geeinigt hat und sich zugleich für die Einführung eines Kapazitätsmechanismus in Deutschland ab 2028 ausspricht", so der Uniper Chef-Lewis.
Schneller Aktienverkauf gewünscht
Das "außerordentlich gute Ergebnis" gebe nun Uniper einen finanziellen Rahmen für die Umsetzung der Strategie, sagte Uniper CFO Dönges. Sie sei die Basis für die "Equity-Story, mit der wir Uniper als attraktives Unternehmen für Investoren am Kapitalmarkt positionieren möchten". Den Auftakt mache die Kapitalherabsetzung Ende 2023. Auf diese Weise habe Uniper grundsätzlich die Dividendenfähigkeit wieder hergestellt. Mit der ersten Rückstellung in Höhe von 2,2 Mrd. Euro bekomme die Bundesregierung den ersten Teil der Finanzierung erstattet. Das ganze Geld bekommt die Bundesregierung zurück, wenn sie Uniper-Aktien verkauft.
Damit habe Uniper nun Spielraum für den Ausstieg des Bundes geschaffen. Wie und wann der Ausstieg erfolgt, sei nicht entschieden und liegt im Ermessen der Bundesregierung - aber je früher wir als Uniper die Voraussetzungen dafür schaffen, desto besser, sagte CFO Dönges weiter. (am)



