"Ein Scheitern der Finanzierung der Energiewende auf kommunaler Ebene können wir uns nicht erlauben": Matthias Neth, Präsident des Sparkassenverbands Baden-Württemberg, bei einer Paneldiskussion im Rahmen der Konferenz "Zukunft finanzieren" der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW).

"Ein Scheitern der Finanzierung der Energiewende auf kommunaler Ebene können wir uns nicht erlauben": Matthias Neth, Präsident des Sparkassenverbands Baden-Württemberg, bei einer Paneldiskussion im Rahmen der Konferenz "Zukunft finanzieren" der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW).

Bild: © LBBW/Klaus Hepp

Von Hans-Peter Hoeren

700 Milliarden Euro werden Stadtwerke allein bis 2030 in die Energiewende vor Ort investieren müssen, um auf dem Zielerreichungspfad zur Klimaneutralität bis 2045 zu bleiben. "Stadtwerke stehen hier vor Investitionsherausforderungen in einer Größenordnung, die es vorher so noch nie gegeben hat", betonte Matthias Neth, Präsident des Sparkassenverbands Baden-Württemberg bei der Konferenz "Zukunft finanzieren“ der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) in Frankfurt am Main.

Kommunen und Stadtwerke seien mit den erforderlichen Finanzierungsvolumina der nächsten Jahre überfordert, insbesondere auch mit Blick auf das erforderliche zusätzliche Eigenkapital. Er sieht den Sparkassenverband deshalb in der Pflicht und der Verantwortung, hier passgenaue Finanzierungslösungen zu entwickeln, die der Kommunalwirtschaft helfen, den so genannten "Finanzierungshuckel" in den nächsten 15 bis 20 Jahren zu überbrücken. In diesem Zeitraum werden hohe Investitionen erforderlich sein in die Transformation der Energieversorgung, diese werden aber erst nach 10 bis 15 Jahren signifikante Cashflows generieren.
 

Sparkassen planen Finanzierungs-Baukasten

"Ein Scheitern auf kommunaler Ebene können wir uns nicht erlauben. Wir als Sparkassen haben die Aufgabe das möglich zu machen", bekräftigte Neth. Gemeinsam mit der LBBW arbeitet der Sparkassenverband Baden-Württemberg hier an neuen Finanzierungsinstrumenten, die die entsprechenden Herausforderungen adressieren. Es geht hier offenbar um einen Finanzierungsbaukasten. Was genau geplant ist, soll im kommenden Jahr bekannt gegeben werden, wenn erste konkrete Use Cases vorliegen.

Als Blaupause wie solch eine finanzielle Kraftanstrengung gelingen kann, führte er den Erwerb eines Minderheitsanteils in Höhe von 24,95 Prozent am Übertragungsnetzbetreiber TransnetBW im Jahr 2023 durch das Südwest-Konsortium, dem mehr als 30 Sparkassen, Banken, Versicherungen und Körperschaften aus Baden-Württemberg angehören. Für den Anteilserwerb musste rund eine Milliarde Euro an die EnBW bezahlt werden.

"Wir haben hier Verantwortung übernommen und der Politik gezeigt, dass wir das hinbekommen", sagte Neth. Einen kleineren Teil der erforderlichen Summe habe man zudem regional über Sparkassenbriefe refinanzieren können und so die Bevölkerung finanziell an dem Erwerb der TransnetBW-Anteile beteiligt.

"Eine Standardisierung kann hier helfen, um Vertrauen zu schaffen." Stefanie Bürkle, Landrätin des Kreises Sigmaringen

Die Grundidee hinter der geplanten Finanzierung ist eine Standardisierung des Angebots für möglichst viele Städte und Gemeinden. "Eine Standardisierung kann hier helfen, um Vertrauen zu schaffen", begrüßte Stefanie Bürkle, Landrätin des Landkreises Sigmaringen und Verbandsvorsitzende des Zweckverbands Oberschwäbische Elektrizitätswerke (OEW). Der OEW umfasst neun oberschwäbische Landkreise und ist einer der beiden Haupteigentümer der EnBW und hält ebenso wie das Land Baden-Württemberg 46,75 Prozent der EnBW-Anteile.

Für die aktuelle Kapitalerhöhung der EnBW musste der OEW allein 1,5 Milliarden Euro aufbringen. "Das war für die beteiligten Landkreise nicht ganz einfach", berichtete Bürkle.

Zusätzlich zu dem geplanten Finanzierungsbaukasten des Sparkassenverbands und der LBBW hat die Landesbank auch eine Finanzierungsplattform „Zukunft finanzieren“ ins Leben gerufen, die kommunalen Unternehmen bei der Suche nach Finanzierungslösungen, vor allem im Infrastrukturbereich, unterstützen soll.

EnBW profitiert stark von Kapitalmarktzugang und grünen Anleihen

Der baden-württembergische Energiekonzern EnBW rechnet in den kommenden Jahren pro Jahr allein mit einem Finanzierungsbedarf von 2,5 bis drei Milliarden Euro für die Transformation der Energieversorgung. Anders als viele kleine und mittlere Stadtwerke kann EnBW sich die nötigen Mittel aber auch zu größeren Teilen am Kapitalmarkt beschaffen und setzt seit einigen Jahren sehr erfolgreich auf grüne Anleihenemissionen auf dem europäischen Finanzmarkt, wie EnBW-Vorstandsvorsitzender Georg Stamatelopoulos ausführte.

"Die Transformation des Energiesystems funktioniert nur mit einer gesunden Finanzierung und auf der Basis eines gesunden Unternehmens", bekräftigte Stamatelopoulos. Um die Bezahlbarkeit der Energiewende auch runter bis zum einzelnen Verbraucher zu ermöglichen, seien Überprüfungen und Reduzierungen bei den Systemkosten erforderlich, führte er aus. Entsprechende Einsparpotenziale im dreistelligen Milliardenbereich hatten vor einigen Monaten die Beratungsunternehmen Aurora Energy Research und Consentec in einer von der EnBW in Auftrag gegebenen Studie aufgezeigt.  

"Ich finde es ist kein schlechtes Zeugnis für die Energiebranche, wenn wir bei der Energiewende einige Dinge punktuell anpassen, ohne dabei das große Ziel aus den Augen zu verlieren", so der EnBW-Chef. Nichts anderes habe die EU vor Kurzem bei der Anpassung ihrer Klimaziele gemacht.

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