Vera Schürmann: "Das Bedürfnis nach einem stärkeren Austausch innerhalb der Branche wächst".

Vera Schürmann: "Das Bedürfnis nach einem stärkeren Austausch innerhalb der Branche wächst".

Bild: @ Green Navigation

Von Artjom Maksimenko

Als Folge der Insolvenz des Biomethanhändlers Landwärme haben zahlreiche Biomethan-Blockheizkraftwerke (BHKW) wegen fehlender EEG-Nachweise ihren EEG-Status verloren. Das wiederum hat erhebliche Folgen für die Absatzmengen. Einige Biomethan-BHKW mussten sogar vom Netz gehen, weil nach dem Ausfall des Händlers Landwärme ihre Belieferung nicht mehr gesichert war.

Eine neue Matching-Initiative von Green Navigation soll nun für frische Impulse auf dem Biomethanmarkt sorgen. "Um den Einsatz von Biomethan zu stärken, unterstützen wir aktiv das Matching zwischen stillgelegten Anlagen und interessierten Contractoren", kündigte Vera Schürmann, Geschäftsführerin der Green Navigation, an.

Unsichere Marktsituation

Die Insolvenzen von BMP Greengas und später von Landwärme haben in der Branche gravierende Spuren hinterlassen. "Von Händlern und Maklern aus dem Markt, die sich um den Absatz von Biomethan kümmern, erhalten wir das Feedback, dass insbesondere Energieversorgungsunternehmen ‘keinen Bock mehr auf Biomethan’ haben und ihre BHKW nicht weiter betreiben", so Schürmann im Gespräch mit der ZfK.

Als Reaktion auf die vorläufige Insolvenz von Landwärme rief das Beratungs- und Dienstleistungsunternehmen aus dem nordrhein-westfälischen Unna im August vergangenen Jahres bereits eine Plattform ins Leben, um Anbieter und Abnehmer von Biomethan zusammenzubringen. Ziel war es, den Zwischenschritt des Handels zu überwinden und Anbieter sowie Nachfrager von Biomethan direkt miteinander zu verbinden. Die Onlinelösung sollte helfen, den Absatz und die Beschaffung von Biomethan zu optimieren und neue Handelswege zu erschließen. Ein Update im Mai 2025 machte es dann möglich, gezielte Kaufanfragen auf der Plattform einzustellen.

Contracting-Unternehmen gesucht

Nun will Green Navigation den stillgelegten Biomethan-BHKW ein zweites Leben ermöglichen, indem Contracting-Unternehmen für ihren Weiterbetrieb gewonnen werden. Aus Sicht von Schürmann können die BHKW auf ihre Weise weiterhin wirtschaftlich laufen und der Absatz von Biomethan wäre gesichert. Bei den Interessenten handelt es sich laut Schürmann um Unternehmen, die sich auf die Bereitstellung erneuerbarer Wärme spezialisiert haben, aber auch um größere kommunale Energieversorger, die überregional im Bereich Wärme-Contracting tätig sind.

Technisch gesehen ist eine Wiederinbetriebnahme eines BHKW unproblematisch: "Sofern noch keine Rückbaumaßnahmen durchgeführt wurden und der Wärmeabsatz weiterhin vorhanden ist, sollte es technisch recht einfach sein, ein BHKW wieder in Betrieb zu nehmen", sagte Schürmann. Bei den rechtlichen beziehungsweise regulatorischen Vorgaben sehe es jedoch anders aus. "Es ist vom EEG abhängig, nach dem das BHKW betrieben wird, und davon, ob es zwischenzeitlich mit Erdgas betrieben wurde, ob die EEG-Vergütung weiterhin genutzt werden kann", sagte sie weiter im Gespräch mit der ZfK.

Angespannte Situation im Verkehrssektor

Nicht weniger angespannt bleibt laut Schürmann auch die Situation im Verkehrssektor. Zwar führte der jüngste Entwurf zur Umsetzung der RED-III-Richtlinie kurzfristig zu einem Nachfrageanstieg, doch ohne finale gesetzliche Regelungen bleibt ein langfristiger und nachhaltiger Effekt aus. Die Branche fordert deshalb dringend verbindliche Rahmenbedingungen, um Planungssicherheit und Investitionsbereitschaft zu schaffen. Vor diesem Hintergrund sei ein noch stärkerer Austausch innerhalb der Branche wichtig. Das neue Netzwerk "Biomethan Kooperation" soll in Kürze starten.

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