Von Andreas Baumer
Wenn die norddeutsche Energiegenossenschaft Prokon Windparks ausschreibt, schauen deutsche Direktvermarkter genau hin. Schließlich zählen die Itzehoer nicht nur zu den Windstrom-Pionieren Deutschlands. Sie haben mit derzeit 51 Parks und 950 Gigawattstunden pro Jahr allein in Deutschland auch eines der größten Windportfolios in der Bundesrepublik.
Prokon ist für Direktvermarkter auch aus einem anderen Grund spannend. Denn rund ein Drittel des produzierten Windstroms fällt inzwischen in den Post-EEG-Bereich. Hier kommen verstärkt Power-Purchase-Agreements (PPAs) zum Tragen, also jene marktwirtschaftlich basierten Verträge, die die Europäische Union als Herzstück des künftigen Strommarkts etablieren will.
"Zeitdruck mit Blick auf Fristen immer größer"
Am Beispiel Prokons zeigt sich zudem, dass die Herbstsaison für Direktvermarkter nicht mehr die alles entscheidende Jahreszeit sein muss, um neue Kunden zu gewinnen. "Wir haben in den letzten Jahren unseren Zeitplan für Ausschreibungen entzerrt", sagt Moritz Hofmann, der bei Prokon das Team Portfolio und PPA-Management leitet. "Das hat damit zu tun, dass das Arbeitsvolumen bei Direktvermarktern im Herbst schon sehr hoch ist, und auch der Zeitdruck mit Blick auf einzuhaltende Fristen immer größer wird."
Bei Prokon beginnen die ersten Ausschreibungen für das EEG-Portfolio bereits im April. Auktionen für Post-EEG-Anlagen und PPAs werden über das Jahr verteilt ausgeschrieben, um eine preisstabilisierende Wirkung zu erzielen.
Die Energiekrise hat in der deutschen Direktvermarktung tiefe Spuren hinterlassen. Zwischenzeitlich ging die Zahl der Angebote stark zurück. Und dann, als die Preise wieder fielen, war mehrfach von Kampfpreisen weit unter der Wirtschaftlichkeitsgrenze zu hören.
Prokon selbst habe nie Schwierigkeiten gehabt, seinen Wünschen entsprechend Angebote zu bekommen, sagt Hofmann. "Wir sind aber angesichts der hohen Marktdynamik von längeren Vermarktungszeiten auf Jahresfristen gegangen. Das hat sich auch als richtig herausgestellt."
Hofmann kann auch nicht bestätigen, dass es bei den Ausschreibungen seines Unternehmens Vermarkter gegeben habe, die über alle Parks hinweg alle anderen Mitbewerber unterboten hätten. "Ohnehin ist für uns der Preis zwar ein wichtiges Kriterium, aber nicht das allein entscheidende. Am Ende geht es auch um die Zusammenarbeit. Passen die Garantien? Passen die Abrechnungsprozesse? Das Gesamtpaket muss stimmen."
100 Megawatt Batteriespeicher in Planung
Den in der Energiekrise beschleunigten Wechsel von Festpreisentgelten zu dynamischen Modellen begrüßt Hofmann. "Das ist ganz klar unsere favorisierte Variante", sagt er. "Uns bringt es ja nichts, wenn wir hohe Festpreisentgelte haben, der Markt dann fällt und wir die Hälfte unserer Vergütung für Entgelte zahlen müssen." In Prokons Portfolio gibt es mittlerweile nur noch vereinzelt feste Dienstleistungsentgelte. "Grundsätzlich spielt das eine untergeordnete Rolle."
Prokon mag als Windstrom-Pionier gestartet sein. Das heißt aber nicht, dass sich das Unternehmen nur auf diese Technologie konzentrieren will. So haben die Itzehoer inzwischen auch knapp zehn Megawatt Photovoltaik sowie zwei Megawatt Batteriespeicher im Portfolio.
Und das soll erst der Anfang sein: Schon jetzt plane Prokon bei neuen Solar- und Windparks Speicher immer technisch mit, sagt Hofmann. "Und auch bei Stand-Alone-Speichern wollen wir wachsen", ergänzt er. "Da haben wir etwa 100 Megawatt in Planung, die in den nächsten zwei, drei Jahren dazukommen sollen."
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