Der Wettbewerb in der Direktvermarktung hat wieder zugenommen. Das gilt vor allem für die Photovoltaik. "Hier ist die Wettbewerbsintensität auch vergleichsweise hoch. Es kommen viele neue Solaranlagen hinzu", sagte Mark Lindenberg, CSO des größten PV-Direktvermarkters, Next Kraftwerke, im ZfK-Interview.
Der Erneuerbaren-Vermarkter aus Köln konnte sich in der ZfK-Sommerumfrage 2024 als klare Nummer eins in der Photovoltaik behaupten. Mit einem Zuwachs von 6044 Megawatt (MW) auf 6687 MW verzeichnet das Unternehmen auch die größte absolute Steigerung.
EnBW baut als Nummer zwei mit nun 5422 MW den Vorsprung auf die drittplatzierte Lichtblick-Tochter Sunnic aus. Die größten prozentualen Zuwächse weist Statkraft auf. Die Norweger konnten ihr PV-Portfolio von 430 MW auf 890 MW mehr als verdoppeln.
Die vielen Negativpreise und die niedrigen Solarmarktwerte haben bereits Auswirkungen. So haben einige Anbieter ihre Preise erhöht, wovon kleinere Direktvermarkter profitierten und neue Kunden gewannen.
Zuwachs bei geförderter Direktvermarktung
Das niedrige Preisniveau führt auch dazu, dass viele Anlagen wieder zurück in die geförderte Direktvermarktung streben. In diesem Bereich stiegen die Zahlen stark: Waren es zu Jahresanfang rund 23,7 Gigawatt (GW), nahmen im August rund 26,5 GW an Solaranlagen die Marktprämie in Anspruch.
In der ungeförderten sonstigen Direktvermarktung wuchs die Leistungsmenge im selben Zeitraum dagegen nur leicht an, von rund 6,3 auf 6,6 GW. Das geht aus Zahlen der Übertragungsnetzbetreiber hervor.
Neue betriebliche Herausforderungen
Auch bei Wind gab es Zuwächse. Quadra Energy, mittlerweile auch insgesamt der größte Direktvermarkter, baut sein Windportfolio von 8200 MW auf 8550 MW aus. Die zweitplatzierte Statkraft bleibt hingegen bei 6520 MW.
Zur Begründung sagte das norwegische Energieunternehmen, neue Windparks stünden durch geänderte Genehmigungsprozesse vor neuen betrieblichen Herausforderungen. Das seien etwa Betriebsbeschränkungen wie Abschaltungen zum Schutz von Seeadlern. Statkraft hatte sich in der Direktvermarktung im bisherigen Jahresverlauf nach eigenen Angaben vor allem auf neue Anlagen fokussiert.
Rückgang bei EnBW
Unter den größten Wind-Vermarktern verzeichneten jedoch fast alle Unternehmen einen Zuwachs. Allein EnBW weist einen Rückgang aus, und zwar von 4024 MW auf 3849 MW.
Das Unternehmen hatte im vergangenen Jahr die Preise wegen stark schwankender Großhandelspreise anpassen müssen. Der Schwerpunkt beim Karlsruher Energiekonzern liegt aber ohnehin auf der Photovoltaik. Große Zuwächse gibt es hier vor allem bei kleinere Anlagen, die direkt an das virtuelle Kraftwerk des Unternehmens angeschlossen sind.
Trend zur Marktprämie
Bei der Förderung entwickeln sich Windanlagen an Land (Onshore) und Windanlagen auf See (Offshore) in zwei entgegensätzliche Richtungen. Die Menge der Onshore-Windanlagen, die die Marktprämie beziehen, hat im Jahresverlauf deutlich zugenommen. Mittlerweile befinden sich rund 49 GW in der geförderten Direktvermarktung, ein Zuwachs um rund 3,2 GW. Ungeförderte Onshore-Windlagen gingen von 13,6 GW auf rund 12 GW deutlich zurück.
Umgekehrt ist die Entwicklung bei Windanlagen auf See: Die geförderte Leistung ging um rund 150 MW auf 7,4 GW zurück. In der sonstigen Direktvermarktung gab es eine Steigerung von knapp einem 1 GW auf nun 1,7 GW. Offshore-Windanlagen beanspruchen schon seit Jahren kaum noch die Marktprämie. Die Vermarktung und somit Finanzierung erfolgt hier in der Regel über Power-Purchase-Agreements (PPA).
Mehr geförderte Wasserkraft
Bei der Wasserkraft gab es keine nennenswerte Bewegung. Hier dominieren weiterhin die Augsburger Lechwerke, die selbst eine Reihe von Wasserkraftanlagen betreiben. Rang zwei geht an EnBW, Rang drei an Uniper. Auch diese beiden Konzerne betreiben selbst Wasserkaftwerke. Auf Rang vier folgt mit Next Kraftwerke ein reiner Erneuerbaren-Vermarkter.
Auffällig ist, dass die Wasserkraft in der sonstigen Direktvermarktung im Jahresverlauf sogar zurückging. Und zwar von 360 MW auf 280 MW. Dafür stieg die Menge in der geförderten Direktvermarktung von 860 MW auf 987 MW. Der Großteil der Bewegung stammt also von Anlagen, die zurück in die Förderung sprangen. Unterm Strich bleibt ein Zuwachs von lediglich 37 MW. (jk)
Dieser Artikel ist Teil der ZfK-Sommerserie zur Direktvermarktung. Bereits veröffentlichte Artikel hier im Überblick:
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