Verena Svensson (ganz rechts), Leiterin der Hauptabteilung Wasser bei den Stadtwerken Düsseldorf, moderierte eine Diskussionsrunde zum Thema PFAS. Am Rednerpult Berthold Niehues, Leitung Wasserversorgung beim DVGW, auf dem Podium Gesche Grützmacher (links), Vorstand Technik der Berliner Wasserbetriebe, rechts daneben Gudrun Winkler, Fachreferentin bei Hamburg Wasser.

Verena Svensson (ganz rechts), Leiterin der Hauptabteilung Wasser bei den Stadtwerken Düsseldorf, moderierte eine Diskussionsrunde zum Thema PFAS. Am Rednerpult Berthold Niehues, Leitung Wasserversorgung beim DVGW, auf dem Podium Gesche Grützmacher (links), Vorstand Technik der Berliner Wasserbetriebe, rechts daneben Gudrun Winkler, Fachreferentin bei Hamburg Wasser.

Bild: © Nothers/Hempel

"In vielen Regionen waren wir in diesem Sommer an der Kante", sagte DVGW-Vizepräsident Dirk Waider zur Eröffnung des zweitägigen Kongresses des Verbandes in Bonn. Die Versorgungssysteme seien teils über 100 Prozent ausgelastet gewesen, erklärte der Technische Vorstand von Gelsenwasser.

Christine Wilcken, Abteilungsleiterin Wasserwirtschaft im Bundesumweltministerium, bestätigte das Bild: 70 Prozent der öffentlichen Wasserversorger hätten in diesem Sommer von einer angespannten Lage berichtet. Bei 16 Prozent der vom VKU befragten Unternehmen sei es zu Engpässen gekommen.

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Dass das Umweltrecht mitunter bei der Ausweisung neuer Wassergewinnungsgebiete im Weg stehe, räumte Wilcken in der Diskussion mit Blick auf FFH-Gebiete ein. Das Thema nicht zu berücksichtigen, helfe aber nicht. Auf die Frage nach einem grundsätzlichen Vorrang der Trinkwasserversorgung antwortete sie: "Ein schlichtes Ja." Als wichtigste langfristige Maßnahme nannte sie ein bundeseinheitliches Wasserentnahmeentgelt. Darüber hinaus setze man auf eine künftige Gemeinschaftsaufgabe: "Wir waren da noch nie so weit."

Magdeburg will zurück an die Elbe

Wie sich die Hitze in diesem Sommer konkret ausgewirkt hat, darüber berichtete die Trinkwasserversorgung Magdeburg. Das Unternehmen versorgt 740.000 Einwohner mitten im mitteldeutschen Trockengebiet, sagte Geschäftsführer Alexander Ruhland. Seit 1980 sind die Grundwasserstände in höheren Lagen um 2,5 Meter gesunken. Klimabedingt steige der Jahresbedarf bei Haushalten und Kleingewerbe um 10 Prozent, der Spitzenbedarf um 20 Prozent. Hinzu kämen große Anfragen aus der Industrie.

Geplant sind deshalb mehr Grundwasseranreicherung, eine größere Aufbereitung im Wasserwerk Colbitz, die Reaktivierung von Wasserwerken, ein stärkerer Verbund mit einem Nachbarversorger und ein neues Wasserwerk an der Elbe, das Magdeburg jahrhundertelang versorgt hat, derzeit aber nicht genutzt wird. Die Finanzierung soll laut Ruhland mit 83 Millionen Euro aus umgewidmeten Programmmitteln und 11,5 Millionen aus dem Sondervermögen erfolgen.

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Hitze im Netz, Härtung der Anlagen

Die Hitze wirkt sich auch auf die Verteilnetze aus, in denen die Wassertemperatur an exponierten Lagen spürbar ansteigt. Als Gegenmaßnahmen empfahl Andreas Korth vom DVGW-Technologiezentrum Wasser: kurze Aufenthaltszeiten, thermisch günstige Trassen und einen frühen Blick auf Wärmequellen wie Fernwärme- und Stromleitungen. Bei der Übergabe in die Hausinstallation seien maximal 20 Grad anzustreben, denn ab 25 Grad steige das Legionellenrisiko.

Blick in die Lounge des DVGW. Der DVGW-Kongress fand im World Conference Center Bonn statt.Bild: © Nothers/Hempel

Ina Wienand, Referentin beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK), verwies auf die ausstehende Verordnung zum Kritis-Dachgesetz, mit der Registrierung und Pflichten für die Betreiber kommen: "Dann geht es richtig los." Für den Verteidigungsfall sollen Versorger nach dem Wassersicherstellungsgesetz schon jetzt bis 2029 ihre Anlagen härten, etwa durch Notstromversorgung, und Parallelstrukturen wie Notbrunnen aufbauen. Dafür stünden Fördermittel zur Verfügung.

PFAS: Vorsorge an der Quelle

Neben dem Dargebot rückt die Qualität stärker in den Blick, vor allem wegen PFAS, sagte DVGW-Wasservorstand Wolf Merkel. Vizepräsident Waider betonte: "Die Vorsorge an der Quelle ist das Wichtigste, nicht die Grenzwerte." Mit einer Aktivkohlestufe sei das Problem mitnichten gelöst. LAWA-Vorsitzende Marion Langenbach berichtete, die Länder fänden PFAS überall, am meisten lasse sich am Bodenpfad erreichen. Bei den Grenzwerten, die bisher nur für ausgewählte PFAS gelten, werde man nachlegen.

Verbote ließen sich nur europäisch regeln, sagte Wilcken, auch um der Landwirtschaft keine Wettbewerbsnachteile aufzubürden. Eine Option sei, sich auf besonders schädliche PFAS und solche mit Alternativen zu konzentrieren. Wichtig sei es, den "Einstieg in den Ausstieg" zu finden.

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Oliver Loebel, Generalsekretär von EurEau – in dieser Organisation sind die nationalen Wasserverbände zusammengeschlossen –, berichtete, dass die europäische Chemikalienagentur ECHA gegenwärtig einen Vorschlag erarbeitee, der Ende des Jahres an die EU-Kommission gehen soll. Die Kommission arbeite aber auch selbst an einem Entwurf. Im zuständigen EU-Ausschuss erwartet er eine "Rieseninteressenschlacht".

End-of-Pipe stößt an Grenzen

Wie schwer die Suche nach den Ursachen der Belastung ist, erklärte Gudrun Winkler von Hamburg Wasser: Haushalte trügen kaum zur PFAS-Fracht im Abwasser bei, Industrieabwässer seien teils stark belastet – bei 80 Prozent sei die Herkunft aber unbekannt. "Man wird das Problem nicht mit einer vierten Reinigungsstufe lösen", stellte die Fachfrau fest. Es bleibe nur die Einschränkung der Nutzung. Außerdem "würgen wir mit der Internalisierung der Kosten in Produkte nicht die Industrie ab, sondern geben Innovationen eine Chance", entkräftete sie einen oft geäußerten Vorwurf.

Besonders virulent ist das Problem in Berlin. Dort fließt gereinigtes Abwasser in dieselbe Staustufe, aus der Uferfiltrat gewonnen wird. Hinzu kommen Altprobleme: 38 von 331 Brunnen sind durch Löschübungen der Flughafenfeuerwehr in Tegel belastet, sagte Gesche Grützmacher, Technikvorständin der Berliner Wasserbetriebe. Weil Verursacher oft nicht feststellbar oder haftbar und Behörden zu langsam seien, blieben End-of-Pipe-Lösungen für Versorger besser kalkulierbar, obwohl sie am teuersten seien. Verbote seien jedoch der einzige Weg, das Problem wirklich in den Griff zu bekommen.

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Berthold Niehues, Leiter Wasserversorgung beim DVGW, sieht in PFAS ein sehr hohes systemisches Risiko: "Dagegen sind Nitrat und Pflanzenschutzmittel Kindergarten." Wasserrelevant seien vor allem kurz- und ultrakurzkettige PFAS, wobei letztere "des Teufels" seien, weil sie sich technisch nicht beherrschen ließen. Ein weltweites Verbot wie bei FCKW wäre nötig, sei aber utopisch. In Brüssel könne man ein Verbot derzeit "vergessen", in Berlin sei nur das Umweltministerium dafür.

Um dennoch bei diesen Fragen voranzukommen, will der DVGW die besonders wasserrelevanten PFAS identifizieren und für diese ein EU-Verbot anstreben. Niehues plädierte für einfache Botschaften: Von 12.000 PFAS gehe es nur um etwa 30 Stoffe, da könne die Politik mitgehen, eventuell auch der Verband der Chemischen Industrie (VCI). Denn das Commitment der Industrie sei entscheidend. Man müsse mahnen, aber auch aktiv werden, "damit wir nicht in fünf Jahren ein unlösbares Problem haben".

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