Die außerordentlich niedrigen Pegelstände am Rhein erschweren nicht nur den Schiffsverkehr.

Die außerordentlich niedrigen Pegelstände am Rhein erschweren nicht nur den Schiffsverkehr.

Bild: © Oliver Berg/dpa

Der Sommer ist zu Ende, doch die Lage der deutschen Gewässer hat sich noch nicht entspannt. Die Bundesanstalt für Gewässerkunde meldet in ihrem aktuellen Bericht erneut historische Tiefststände am Rhein. Die Wasserstände dürften noch weiter sinken, erklärt die Behörde. Eine bundesweite Entlastung sei derzeit nicht in Sicht. 

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Ende vergangener Woche meldete die Deutsche Presse-Agentur (dpa), dass der Wasserstand am Pegel Kaub (Rheinland-Pfalz) unter den bisherigen Tiefstwert vom 17. August gefallen ist. Am Montag folgte ein weiterer Negativrekord: Auch an einem Pegel in Köln lag der Wasserstand niedriger als im vergangenen Monat, als schon ein historischer Tiefswert gemeldet worden war, berichtete die dpa. 

Hessen: Grundwasser erholt sich kaum 

Die Entwicklung am Rhein ist auch für hessische Wasserversorger relevant, die Flusswasser zur Grundwasseranreicherung nutzen. Auch insgesamt ist das Wasserangebot in Hessen angespannt. Bereits Anfang September erklärte Theresa Frommen, Co-Koordinatorin der Dürre-AG des hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie: "Die Niederschläge seit Mitte August haben die Situation bei den Gewässern und Böden in Hessen teilweise entspannt, von einer nachhaltigen Erholung kann jedoch noch nicht gesprochen werden."  

Ende September teilte das Landesamt mit, dass 24 Prozent der hessischen Grundwassermessstellen niedrige und 44 Prozent sehr niedrige Wasserstände aufweisen. 

Die Niedrigwassersituation in Hessen habe sich bereits im Winter und Frühjahr entwickelt und durch den heißen, trockenen Sommer weiter verschärft, erklärte das Landesamt. Wasserstände und Abflüsse seien deutlich gesunken und einige Pegel fielen zeitweise sogar trocken. "Durch die ungewöhnlich hohen Temperaturen, verbunden mit sehr geringen Niederschlägen bis weit in den August, trockneten die Böden bis in Tiefen von einem Meter und mehr fast vollständig aus", heißt es vom Landesamt. Auch dadurch habe sich das Grundwasser bislang kaum erholen können. 

Trotz Niedrigwasser: Versorgung gesichert

Der Wasserverband Hessisches Ried (WHR), der von Hessenwasser geführt wird, nutzt Flusswasser aus dem Rhein zur Grundwasseranreicherung und zur landwirtschaftlichen Beregnung. Auf ZFK-Nachfrage gibt Hessenwasser an, dass der WHR die Entnahmemenge aus hydraulischen Gründen reduziert habe. Die fehlenden Infiltrationsmengen könnten im hydrologischen Winterhalbjahr, das am 1. November beginnt, nachgeholt werden. Diese Mengen hingen von der Entwicklung des Rheinpegels und den Niederschlägen ab. 

Auf die ZFK-Frage, ob die Niedrigstände die Wasserversorgung beeinflussen, erklärt Elisabeth Jreisat, Geschäftsführerin Hessenwasser und Verbandsvorsteherin WHR: "Auf die zuverlässige Trinkwasserversorgung von 2,4 Millionen Menschen durch Hessenwasser hat der niedrige Rheinpegel keine Auswirkungen." Der Versorger greife auf eine breit aufgestellte Versorgungsstruktur sowie auf den regionalen Leitungsverbund zurück. Zudem verweist Jreisat auf Investitionen in ein infiltrationsgestütztes Wasserwerk und die redundante Riedleitung, die die Versorgungssicherheit und Widerstandsfähigkeit des Systems stärkten. 

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Auf der anderen Flussseite in Rheinland-Pfalz haben die niedrigen Flusspegel für den Ludwigshafener Versorger TWL derzeit keine unmittelbaren Folgen für die Versorgung. Das erklärte der Wasserversorger Technische Werke Ludwigshafen am Rhein (TWL) auf Nachfrage der ZFK. Die TWL nutzten Tiefengrundwasser: "Dicke Tonschichten trennen den oberen Grundwasserleiter von den tiefer liegenden wasserführenden Schichten, aus denen wir das Grundwasser entnehmen."

Einschränkungen oder spürbare Mehrkosten gebe es bislang nicht. TWL hat nach eigenen Angaben lediglich Anlagenkontrollen und Wartungsintervalle leicht angepasst. Langfristig setzt der Versorger unter anderem auf die Regenerierung alter Brunnen, neue Tiefbrunnen sowie die Sanierung von Trinkwasserbehältern und Rohrleitungen. Gemeinsam mit zehn weiteren Versorgern der Vorderpfalz arbeitet TWL außerdem an einer Machbarkeitsstudie für ein Grundlast-Wasserwerk. Ziel ist ein Verbundnetz, das 20 Prozent der Grundlast absichern, Ausfälle einzelner Werke ausgleichen und die Versorgungsspitzen besser abdecken soll. 

Keine Entwarnung im Osten und Südwesten 

Die Niedrigwasserlage zeigt sich auch in anderen Teilen Deutschlands. In Brandenburg etwa stand die Niedrigwasserampel bereits Ende Juli an 25 von 26 Kontrollpegeln auf Rot. Am 28. September waren es immer noch 21 von 26. Wegen der Entwicklung an der Spree wurde deshalb bereits im Sommer eine Arbeitsgruppe der Länder Berlin, Brandenburg und Sachsen einberufen. 

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Auch im Südwesten gibt es keine Entwarnung. Die Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg bezeichnet die seit Monaten anhaltende Trockenheit als akut. Nach Angaben des Niedrigwasser-Informationszentrums des Bundeslands waren dort seit November 2025 – mit Ausnahme des Februars – alle Monate deutlich zu trocken. Das Niedrigwasser-Informationszentrum spricht von einem historischen Wasserdefizit. 

Trockener Start in den Herbst 

Die Beispiele aus den verschiedenen Landesteilen zeigen: Die Niedrigwasserlage ist noch nicht vorbei. Kurzfristig ist keine bundesweite Entspannung erwarten. Das zeigt auch die aktuelle Prognose des Deutschen Wetterdienstes: Im Westen kann es zwar regnen, im Osten bleibt es zunächst trocken. 

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Während niedrige Wasserstände früher typischerweise erst im Herbst aufgetreten seien, habe die Niedrigwasserphase in diesem Jahr deutlich früher eingesetzt, erklärte Dirk Schwardmann, Präsident der Bundesanstalt für Gewässerkunde, im August im ZFK-Interview. Die Wasserstände seien damit bereits niedriger als zu dieser Jahreszeit üblich.  

Trotz der angespannten Lage ist die Trinkwasserversorgung gesichert. Mit der Klimakrise wird der Druck auf die Wasserversorger weiter steigen: Ausgetrocknete Böden, anhaltend hohe Temperaturen und extreme Niederschlagsereignisse werden wahrscheinlicher.

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