Regenwasser kann helfen, Trinkwasser einzusparen, und zwar bis zu 38 Prozent in Einfamilienhäusern. Das zeigt eine Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) im Auftrag des Umweltbundesamtes. Die Forschenden haben die Potenziale und Herausforderungen der Regenwassernutzung in Deutschland untersucht und bewertet.
Aufgrund der Erhitzung des Klimas müssen natürliche Süßwasservorkommen wie etwa Grundwasser geschont werden. Vor dem Hintergrund des Klimawandels werde es zu Nutzungskonflikten um die begrenzte Ressource Wasser kommen, stellen die Studienautor:innen fest. Regenwassernutzung könne als wichtiger Baustein eines integrierten Wassermanagements betrachtet werden. Die 2023 verabschiedete nationale Wasserstrategie hat Regenwasser als Alternative zum Grundwasser für die Versorgung genannt.
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Die Forschenden untersuchten verschiedene Bebauungs- und Nutzungstypen in Berlin, Köln und München. Die drei Großstädte dienen als Beispiele für unterschiedliche Niederschlagsmengen: Berlin steht für ein niedriges, Köln für ein mittleres und München für ein hohes Regendargebot. Dabei stützen sich die Forschenden auf Wetterdaten und stellen Langzeitprognosen, inklusive zunehmender Trockenperioden, an.
Größte Potenziale in Einfamilienhäusern
Das Potenzial der Regenwassernutzung hängt laut der Studie "stark von der Bebauungsdichte und den klimatischen Bedingungen", aber auch von der Größe der Dachfläche, auf der Regenwasser gesammelt werden kann, und dem Wasserbedarf der Gebäude und ihrer Nutzer:innen ab. In dicht bebauten Wohngebieten reiche der Niederschlag zwar nicht für den gesamten Betriebswasserbedarf, könne aber einen großen Teil abdecken.
In Berlin etwa könnten unter gegenwärtigen Klimabedingungen in dicht bebauten Siedlungen etwa 40 Prozent des Betriebswasserbedarfs durch Regenwasser gedeckt werden. Das entspreche etwa 17 Prozent der derzeitigen Trinkwassernutzung. In München könnten bis zu 70 Prozent des Bedarfs gedeckt werden. Das sind circa 24 Prozent des Trinkwassers.
Allerdings sinken diese Effekte in Trockenperioden laut der Studie um zehn bis 20 Prozentpunkte. Selbst größere Speicher könnten das nicht ausgleichen.
Die Studie zeigt, dass der leicht ersetzbare Trinkwasseranteil bei Einfamilienhäusern und Gewerbegebieten unter aktuellen klimatischen Bedingungen fast vollständig durch Regenwasser abgedeckt werden könnte, vor allem für Toilettenspülungen und Waschmaschinen. In den untersuchten Einfamilienhausstrukturen lägen die Einsparungen bei rund 33 Prozent in München und 38 Prozent in Berlin.
In Gewerbegebieten kommen weitere Einsatzmöglichkeiten wie Bewässerung, Kühlung oder Produktionsprozesse dazu. So könnten in München etwa 38 Prozent und in Berlin rund 50 Prozent des Trinkwassers eingespart werden.
Wirtschaftlichkeit abhängig von verschiedenen Faktoren
Wirtschaftlich rechnen sich solche Anlagen nicht automatisch: Trink- und Abwasserentgelte decken in den Szenarien der Untersuchung meist nicht die Investitions- und Betriebskosten. "Insgesamt variiert die Wirtschaftlichkeit der Regenwassernutzung stark je nach Region, vor allem wegen unterschiedlicher Wasserpreise, Abwassergebühren und möglicher Vergünstigungen beim Niederschlagswasserentgelt", erklären die Studienautor:innen. Die jährlichen Defizite beim reinen Trinkwasserersatz lagen je nach Szenario und Modellstadt bei rund 80 bis 273 Euro pro Gebäude.
Kosten entstehen laut Studie etwa für Zisternen, Leitungen, Installation und Wartung. Die Modellrechnungen beziehen sich auf Neubauten – "im Bestand ist mit deutlich höheren Kosten zu rechnen". Hohe Trinkwasserpreise, intensive Nutzung, und Gewerbebedarf verbessertern die Bilanz.
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Aber auch Gebührennachlässe können zur Rentabilität beitragen: Die Studienautor:innen verweisen auf ermäßigte Niederschlagswassergebühren in Berlin und Köln. Regenwassernutzer:innen würden so dafür belohnt, dass sie mit ihren Wasserspeichern zum Schutz vor den Folgen von Starkregen beitragen. Diese Gebührenermäßigung beträgt in Berlin 90 Prozent und in Köln 50 Prozent.
Möglicher Einfluss auf Abwassernetze
Im Rahmen des Projektes wurde ein Stakeholder-Fachworkshop durchgeführt. Dort hätten die Teilnehmenden darauf hingewiesen, dass weitere Kosten berücksichtigt werden müssten: Durch den verringerten Trinkwasserverbrauch in den Versorgungsleitungen könnte es vermehrt zu Stagnation kommen. Deswegen müssten Leitungen häufiger durchspült werden, was die Einsparung beim Trinkwasser aufheben und sogar zusätzliche Kosten verursachen würde.
Die Studienautor:innen halten dem entgegen, dass die Durchspülung auch in Zeiten geringen Wasserverbrauchs notwendig sei. Die Regenwassernutzung würde dies "vielleicht geringfügig" verstärken.
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"Die Stagnation in Trinkwassernetzen ist ein Thema, mit dem sich die Wasserversorger, zumal vor dem Hintergrund wärmer werdender Leitungen, auch ohne Wassereffizienz-Maßnahmen wie der Betriebswassernutzung auseinandersetzen müssen", geben die Forschenden zu bedenken. Ohnehin notwendige Spülungen führten zu einem erhöhten Trinkwasserverbrauch. Betriebswasserspeicher könnten zu einem reduzierten Wasserbedarf im System beitragen, indem sie das Spülwasser aufgefangen und für niederwertige Nutzungen, etwa industrielles Brauchwasser, nutzbar machen.
Kommunen und Versorger sollten mit Regenwasser planen
Die Studienautor:innen empfehlen Kommunen und Versorgern, Regenwasser in ihre Wassernutzungskonzepte einzubinden, anstatt es abzuleiten. Bei neuen Baugebieten sollten sie Speicher, Rückhalt, Versickerung, Stadtgrün und angepasste Leitungssysteme von Anfang an zusammendenken. Im Bestand könnten Sanierungen genutzt werden, um notwendige Veränderungen der Wasserinfrastruktur schrittweise anzugehen.
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Versorger sollten gemeinsam mit Kommunen, Gesundheitsämtern und dem Fachhandwerk die Regenwassernutzungsanlagen erfassen, abnehmen und technisch begleiten. Zudem sollten sie da, wo Zisternen die Kanalisation entlasten können, Regeln für Füllstände und Ausgleichszahlungen entwickeln.
Für größere Anlagen eignen sich aus Sicht der Studienautor:innen besonders öffentliche Gebäude, Wohnungsbaugesellschaften und Gewerbestandorte, denn dort kommen Skaleneffekte und höhere Wasserbedarfe zusammen. Außerdem sollten Kommunen Niederschlagswassergebühren so gestalten, dass diese Umbaumaßnahmen unterstützen.
Die Studie nennt auch Praxisbeispiele, wie etwa das Unternehmen Alnatura. In Darmstadt betreibt Alnatura eine Regenwassernutzungsanlage mit einem Fassungsvermögen von 1000 Kubikmetern. 200 Kubikmeter davon dienen dauerhaft als Löschwasserreserve. Der Rest wird für Toilettenspülung, die Bewässerung eines Urban-Farming-Areals und die Nachspeisung eines Teichs genutzt.
Auf kommunaler Ebene verweist die Studie auf Paris, wo ein eigenes Nicht-Trinkwassernetz unter anderem für die Bewässerung eingesetzt wird, sowie auf den Emscherumbau, in dessen Rahmen auch naturnahe Projekte der Regenwasserbewirtschaftung gefördert werden.

