Im oberschwäbischen Laupheim sollte in den nächsten Jahren die künftige dekarbonisierte Strom- und Wärmeversorgung Gestalt annehmen – im Rahmen eines gemeinsamen Projektes der Stadtwerke Laupheim und des Energiedienstleisters Erdgas Südwest, einer EnBW-Tochter mit Sitz in Ettlingen nahe Karlsruhe. Der Gemeinderat Laupheim hatte dem Abschluss des Wärmeliefervertrags mit Erdgas Südwest im Mai 2024 zugestimmt. Aus den Plänen wird nun aber nichts: Ende Dezember ist Erdgas Südwest aus dem Projekt ausgestiegen.
Geplant war, eine 3,6 Kilometer lange neue Gasdirektleitung zu bauen, die von der bestehenden Biogasanlage südlich vom Flugplatz zu einem ebenfalls neuen Blockheizkraftwerk (BHKW) mit Biogaskessel und Pufferspeicher geführt hätte. Das BHKW wäre in der Rottumhalle im südlichen Teil der Stadt Laupheim gebaut worden.
Abwärme für das Fernwärmenetz
Die Abwärme des BHKW sollte dann direkt ins Fernwärmenetz der Stadtwerke eingespeist werden. Die Besonderheit am Projekt: Im Rahmen des Teilprojekts "H2Oberschwaben" war zunächst eine zweijährige Erprobung grünen Wasserstoffs vorgesehen, gefolgt von einer auf 18 Jahre angelegten Biogas-Nutzung.
Entsprechend hätte die neue Direktleitung nicht nur von Erdgas Südwest zuvor teilaufbereitetes Biogas transportieren können, sondern auch Wasserstoff. Auch das BHKW wäre mit beiden Energieträgern, Biogas und Wasserstoff, kompatibel gewesen. Ein Elektrolyseur vor Ort war nicht geplant, stattdessen sollte der Wasserstoff auf Lastwagen angeliefert werden.
Auch die Erzeugung und Nutzung von Biomethan spielte im Projekt eine Rolle. Das nicht vor Ort benötigte Biogas wäre über die bereits bestehenden Vollaufbereitungsanlagen zu Biomethan vollaufbereitet und ins bestehende Erdgasnetz eingespeist worden.
Lieferant für Wasserstoff fehlte noch
Soweit die recht komplizierte Planung mit unterschiedlichen Leitungssystemen und Energieträgern. Erdgas Südwest war innerhalb des Projektes für den Großteil der Aufgaben zuständig: Planung, Errichtung und Betrieb der Wasserstoff- und Biogasinfrastruktur, der Wasserstoff- und Biogasleitung sowie der Heizzentrale in der Rottumhalle, zudem Bezug und Einspeisung des grünen Wasserstoffs sowie Bau einer Einspeisungsstation.
Erdgas Südwest selbst produziert keinen Wasserstoff, der Lieferant wäre noch ausgewählt worden. Die Stadtwerke hätten unter anderem die Räumlichkeiten für die Heizzentrale in der Rottumhalle bereitgestellt und für die An- und Einbindung der neuen Heizzentrale ins Fernwärmenetz gesorgt.
Erdgas Südwest hätte auch einen Großteil der Investitionen getragen, so Unternehmenssprecherin Eva Wenzel. Die durch die Wasserstoff-Nutzung bedingten Mehrkosten im Betrieb hätte EnBW im Rahmen eines Forschungsprojekts übernommen. Die genauen Gesamtkosten des Projektes nennt Wenzel nicht. Für Planung und Genehmigung seien bereits Kosten entstanden – auch zu deren Höhe gibt das Unternehmen keine Auskunft.
Stadtwerke reichten als Kunde nicht
Zu den Gründen für den Ausstieg gefragt, antwortet Wenzel: "Ausschlaggebend dafür war ausschließlich der Wegfall der wirtschaftlichen Tragfähigkeit der Phase der Biogasnutzung. Für die Refinanzierung der geplanten Biogasinfrastruktur ist eine hinreichende Auslastung notwendig."
Diese sei mit den Stadtwerken als alleinigem Kunden aber nicht erreichbar gewesen, was Erdgas Südwest vor Vertragsunterzeichnung auch so an alle Beteiligten kommuniziert habe. "Voraussetzung für die Projektumsetzung war mindestens ein weiterer Kunde relevanter Größe. Da wir einen solchen trotz intensiver und langwieriger Bemühungen nicht gewinnen konnten, mussten wir vom Projekt leider Abstand nehmen."
Verbesserung bei Biomethan?
Und das geplante Gebäudemodernisierungsgesetz, dessen Eckpunkte die Bundesregierung bekanntgegeben hat? Der Einbau neuer Erdgas- und Erdölheizungen soll danach anders als bei Habecks "Heizungsgesetz" erlaubt bleiben, jedoch müssen ab 2029 mindestens zehn Prozent klimafreundliche Brennstoffe genutzt werden. Vorgesehen ist ein stufenweiser, noch nicht genau festgelegter Anstieg der Anteile bis 2040.
Inwieweit ändern sich durch diese "Biogas-Treppe" die Rahmenbedingungen für künftige Projekte im Bereich Biogas und für deren Refinanzierbarkeit? Wenzel antwortet vorsichtig: "Es ist denkbar, dass sich Verbesserungen für die Nutzung von Biomethan ergeben. Hier sind aber die Details abzuwarten."





