Von Ariane Mohl
Der DVGW erwartet, dass die neu gewählte Bundesregierung das sogenannte Heizungsgesetz in seiner jetzigen Form abschaffen wird. Das sagte DVGW-Chef Gerald Linke bei einem Pressegespräch in Berlin. Der Verbandschef erkennt in den aufgeregten Debatten über die Wärmewende viel "politisches Säbelrasseln", wie er auf ZfK-Nachfrage sagte. Für seinen Verband sei aber klar, dass das Gebäudeenergiegesetz, wie das Heizungsgesetz offiziell heißt, umgehend geändert werden muss, da es nicht bürgerfreundlich, aber auch nicht umsetzbar sei. Es trage bis heute die Handschrift "eines bestimmten Staatssekretärs" und setze im Wesentlichen auf eine einzige Technologie. Statt einseitig Wärmepumpen zu bevorzugen, brauche es aber echte Technologieoffenheit, machte Linke unmissverständlich klar. Vor allem müsse es darum gehen, Bürger und Unternehmen mit der Wärmewende nicht zu überfordern.
Linkes Rat an die neue Bundesregierung: Sie sollte sich am Ziel der CO2-Einsparung orientieren. "Dieses übergeordnete Ziel ist gut und richtig. Man kann es allerdings auf völlig verschiedenen Wegen erreichen." Was es brauche, seien praxistaugliche Fristen und Regelungen zur Nutzung grüner Wärme und grüner Gase als zusätzliche Option zur Wärmepumpe. Nach Linkes Einschätzung seien die konkurrierenden Parteien inzwischen deutlich offener für die Einführung einer Grüngasquote, wie sie unter anderem Andreas Rimkus, der Wasserstoffbeauftragte der SPD-Bundestagsfraktion, seit langem fordert.
EnWG-Novelle schnell verabschieden
Linke sprach sich auch für eine schnellstmögliche Verabschiedung der Novelle des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG) aus. Unternehmen müssten ihre Energiebedarfe verbindlich und rechtssicher planen können. Die Transformation müsse sich an Kriterien wie Bezahlbarkeit, Umsetzbarkeit sowie Versorgungssicherheit und Resilienz orientieren. "Allzu lange sind die Grundregeln des sogenannten energiewirtschaftlichen Dreiecks ignoriert worden", kritisierte der DVGW-Chef.
Linke erneuerte seine Einschätzung, dass Erdgas als Brückentechnologie gebraucht werde. Deutschland braucht nach Auffassung des DVGW alle Energiegase, um die Kohlekraftwerke sukzessive zu ersetzen, ohne dabei die Versorgungssicherheit der Stromwirtschaft zu gefährden.
Importmöglichkeiten für Wasserstoff ausweiten
Die heimische Wasserstoffproduktion sei wichtig und müsse forciert werden. Zugleich gelte es aber, die Importmöglichkeiten für Wasserstoff zu verbessern.
Bei der Infrastruktur sei das Wasserstoffkernnetz ein wichtiger erster Schritt. Jetzt müsse es aber darum gehen, über die Verteilnetze die rund zwei Millionen Industrie- und Gewerbebetriebe, etwa die Hälfte der Gaskraftwerke und knapp 20 Millionen Haushalte künftig mit Wasserstoff zu versorgen.
Keine künstliche Verknappung
Ausführlich äußerte sich Linke zum Ersatz von Kohlekraftwerken durch Gaskraftwerke. Technisch sei das ohne Probleme machbar, man dürfe nur neue Gase wie Wasserstoff, seine Derivate, aber auch Biomethan nicht künstlich verknappen. Es sei vielmehr wichtig, hier einen funktionierenden, fairen Markt zu ermöglichen.



