Von Julian Korb
Zwei große Dunkelflauten hat Deutschland im Jahr 2024 erlebt. In der ersten Novemberhälfte sackte die Stromerzeugung aus Windenergie ordentlich ein, was zu den bis dahin höchsten Strompreisen auf dem Spotmarkt führte. In der zweiten Dezemberwoche wiederholte sich das Phänomen: Doch diesmal schossen die Spitzenpreise noch höher hinaus, auf fast 1000 Euro pro Megawattstunde (MWh) am Day-Ahead-Markt.
Was folgte, war eine große Diskussion in der Energiebranche um die unzuverlässige Stromproduktion aus erneuerbaren Energien. "Wir werden in der Zukunft immer wieder zwei, drei Wochen haben, in denen die Strompreise sehr hoch sind", sagte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) lapidar. Allerdings werde es im Schnitt in 50 von 52 Wochen im Jahr niedrigere Preise geben. Doch stimmt das?
Forscher des Deutschen Wetterdienstes (DWD) haben sich in einer Studie angeschaut, wie häufig solche Dunkelflauten vorkommen. Und ob sie bedingt durch den Klimawandel zugenommen haben. Ein Ergebnis: Im November hat vor allem die Großwetterlage "Hoch Mitteleuropa" zu unterdurchschnittlichen Windverhältnissen in weiten Teilen von West- und Mitteleuropa geführt. Insbesondere am 6. November brach deshalb die Windstromerzeugung in Deutschland ein.
Norwegen droht, Leitung zu kappen
Im Norden Skandinaviens traten gleichzeitig überdurchschnittliche Windverhältnisse auf. Tatsächlich hat Deutschland in dieser Zeit auch viel Windstrom aus Schweden und Norwegen importiert, was in beiden Ländern aber zu großem Aufruhr führte. Denn die riesige deutsche Stromnachfrage in Dunkelflautezeiten führt etwa in Südnorwegen zu stark steigenden Preisen.
"Das ist eine absolut beschissene Situation", sagte Norwegens Energieminister Terje Aasland. Die regierende Arbeiterpartei will sogar bei den für September kommenden Jahres angesetzten Parlamentswahlen dafür werben, die Stromverbindungsleitungen, Nordlink genannt, nach Dänemark abzuschalten, sobald die Erneuerung der Verträge im Jahr 2026 ansteht. Für Deutschland hätte der Ausfall dieser Stromimporte dramatische Folgen ‒ nicht nur für das Preisniveau, sondern auch für die Versorgungssicherheit.
Auch Schweden kritisch
Ähnlich ist die Situation in Schweden. Erstmals hat das Königreich in einem Monat einen Windstromanateil von mehr als 30 Prozent gemeldet. Unter meteorologischen Gesichtspunkten besteht daher Potenzial für einen Ausgleich zwischen den Regionen. Denn wenn in Deutschland Dunkelflaute herrscht, ist die Windstromproduktion in Skandinavien meist überdurchschnittlich hoch.
Ob sich Schweden und Norwegen darauf weiterhin in dem Maße einlassen, ist aber offen. Auch in Schweden polterte Wirtschaftsministerin Ebba Busch gegen Deutschland und machte die Exporte für den hohen Preise in Südschweden verantwortlich.
Im Schnitt rund acht Tage
Die Forscher des Deutschen Wetterdienstes untersuchten ebenfalls, ob das Phänomen der Dunkelflaute durch den Klimawandel zugenommen hat. Die Analyse der Großwetterlage "Hoch Mitteleuropa" für die zurückliegenden Jahrzehnte ergab dabei keine Anhaltspunkte für eine Zunahme – weder für die Anzahl der Tage noch für die maximale Andauer im jeweiligen Winterhalbjahr.
Seit den 1950er-Jahren waren es im Schnitt rund 8 Tage im Jahr. In sechs Jahren trat eine solche Großwetterlage gar nicht auf. Am längsten dauerte sie im Winterhalbjahr 2011/12 mit 23 Tagen – heißt: über zwanzig Tage Dunkelflaute. Im Durchschnitt hat Wirtschaftsminister Habeck aber Recht, dass solche Ereignisse nicht länger als zwei Wochen andauern.
Die Großwetterlage "Hoch Mitteleuropa" ist hauptsächlich für windarme Tage im Winter verantwortlich. Es können aber auch andere Großwetterlagen zu Dunkelflauten führen.



