Die Mitteldeutsche Netzgesellschaft Strom (Mitnetz) ist eine Tochtergesellschaft der in Chemnitz ansässigen Envia Mitteldeutsche Energie (EnviaM). Das Unternehmen ist einer der zehn größten Stromverteilnetzbetreiber in Deutschland.

Die Mitteldeutsche Netzgesellschaft Strom (Mitnetz) ist eine Tochtergesellschaft der in Chemnitz ansässigen Envia Mitteldeutsche Energie (EnviaM). Das Unternehmen ist einer der zehn größten Stromverteilnetzbetreiber in Deutschland.

Bild: © Jan Woitas/dpa

Der Verteilnetzbetreiber Mitnetz Strom steht vor einer beispiellosen Herausforderung: Bis Ende Januar lagen im eigenen Netzgebiet rund 3100 Anschlussanfragen mit einer potenziellen Leistung von etwa 124 Gigawatt (GW) vor.

Allein auf Anfragen für Batteriespeicher entfallen dabei über 120 GW – das ist mehr als die deutsche Spitzenlast von 80 GW. "Stellenweise sind wir im Netzgebiet ausverkauft", verdeutlichte Kai Richter, Kaufmännischer Geschäftsführer von Mitnetz Strom, auf einer Pressekonferenz in Chemnitz.

Windhundprinzip lockt Spekulanten an

Das Problem: Viele Anfragen seien von "fragwürdiger Seriosität", so Richter. Investoren würden sich Netzanschlüsse sichern, um diese weiterzuverkaufen. Das Tochterunternehmen des Regionalversorgers EnviaM sei derzeit noch an das Windhundprinzip gebunden, habe aber eine Reifegradprüfung eingeführt.

"Wir sind bemüht, unseriöse und seriöse Anfragen zu trennen", erklärte Richter. Kriterien seien etwa die Baureife und andere Meilensteine. Seit das Windhundverfahren nicht mehr verpflichtend ist, denke man auch über alternative Verfahren nach.

Parallel zur Speichernachfrage steigt auch das Interesse von Industrie, Gewerbe und Rechenzentren. Mitnetz Strom verzeichnet Anfragen unter anderem von der Schwarz-Gruppe und Amazon. Das führt zu Konflikten: "Wenn ein Batteriespeicher schneller eine Baugenehmigung hat als ein Rechenzentrum, dann bekommt er die Zusage", verdeutlicht Richter.

Bei Batteriespeichern setzt Mitnetz zudem auf flexible Netzanschlussvereinbarungen (Flexible Connection Agreements, FCA). Diese sollen verhindern, dass Speicher in Phasen starker Photovoltaik-Einspeisung zusätzlich Strom ins Netz drücken. "Das mindert zwar die Wirtschaftlichkeit, aber das ändert derzeit nichts an dem Interesse der Investoren", so Richter. Die ersten Pilotprojekte sollen zur Jahresmitte starten.

Batteriespeicher seien zwar grundsätzlich als Flexibilitätsquelle willkommen und verhielten sich im Großteil der Stunden auch bei marktlicher Fahrweise netzdienlich. "Aber bei den ersten Speichern, die bei uns im Betrieb sind, sehen wir, dass wir uns darauf nicht verlassen können", so der Geschäftsführer. "Deshalb brauchen wir die Verträge, um für die wenigen anderen Stunden vorsorgen zu können."

Kai Richter ist Kaufmännischer Geschäftsführer von Mitnetz Strom.Bild: © EnviaM

Wenn ein Batteriespeicher schneller eine Baugenehmigung hat als ein Rechenzentrum, dann bekommt er die Zusage.

Kai Richter

Kaufmännischer Geschäftsführer, Mitnetz Strom

531 Millionen Euro für Netzausbau

Auch der Netzausbau geht derweil weiter. Mitnetz Strom investiert 2026 über 500 Millionen Euro in Erneuerung, Erweiterung, Instand­haltung und Betrieb seiner Netze. Die Summe verteilt sich auf die vier Bundesländer im Netzgebiet: Rund die Hälfte der Summe fließt nach Sachsen, der Rest nach Sachsen-Anhalt, Brandenburg und zu einem kleinen Teil auch nach Thüringen.

Auch wenn der ganz große Solarboom abgeflacht ist, setzt sich der Zubau auf hohem Niveau fort. Zwischen Dezember 2024 und Dezember 2025 wurden etwa 27.000 neue Photovoltaikanlagen, mehr als 60 Wind­energie­anlagen und 10.000 Speicher­module ans Netz angeschlossen. Die installierte Gesamt­leistung der erneuerbaren Energien im Netzgebiet erreichte 2025 knapp 14 GW. Dem stehe eine durchschnittliche Last von nur 2,5 bis 3 GW gegenüber, erläuterte Richter.

Redispatch-Maßnahmen leicht rückläufig

Trotz weiterhin hoher Einspeise­mengen zeigt der Netz­betrieb eine Stabilisierung: Die Zahl der Redispatch-Eingriffe sank 2025 leicht auf knapp unter 1200 Maßnahmen. Insgesamt wurden rund 192 Gigawatt­stunden (GWh) erneuer­barer Energien abgeregelt – etwa ein Prozent der Gesamt­leistung.

Rund 74 Prozent davon gingen auf Anforderung des vorgelagerten Übertragungs­netz­betreibers zurück. Zudem verzeichnete Mitnetz Strom im abgelaufenen Jahr mehr als 3600 Stunden mit Last­fluss­umkehr, also Rück­speisungen von überschüssiger Energie ins Übertragungs­netz.

"Wir müssen selbst stark ins Netz eingreifen, um Über-Einspeisungen zu verhindern", sagte Richter. In Gebieten, wo heute schon Windstrom abgeregelt werde wenn Wind wehe, bringe ein weiteres Windrad nichts. Auf das Netzanschlusspaket angesprochen, äußerte der Energiemanager daher Verständnis. Die Tendenz aus dem Bundeswirtschaftsministerium, Netz- und Erneuer­baren-Ausbau stärker zu synchronisieren, teile man grundsätzlich.

Digitalisierung schreitet voran

Lutz Eckenroth, Technischer Geschäftsführer von Mitnetz Strom, betonte die Bedeutung der Digitalisierung für den sicheren Netzbetrieb. Das Unternehmen plane, dieses Jahr rund 500 digitale Ortsnetz­stationen aufzubauen und etwa 510 Trafo­stationen mit digitaler Technik auszustatten. "Wir bauen primär nur noch digitale Ortsnetz­stationen", so Eckenroth.

Ende dieses Jahres wolle man die Schwelle von rund 30 Prozent erreichen. Dadurch könne man alle Netz­stationen direkt sehen oder berechnen. Das sei insbesondere wegen der Rück­einspeisung durch Photo­voltaik wichtig. Teilweise könne man Fehler in Sekunden­schnelle beheben.

Lutz Eckenroth ist Technischer Geschäftsführer von Mitnetz Strom.Bild: © EnviaM

Wir bauen primär nur noch digitale Ortsnetz­stationen.

Lutz Eckenroth

Technischer Geschäftsführer, Mitnetz Strom

Smart Meter: Spitzenposition unter großen Netzbetreibern

Beim Smart-Meter-Rollout liegt Mitnetz Strom deutlich über dem Bundes­durchschnitt: Die Ausstattungs­quote betrug im vierten Quartal 2025 rund 31 Prozent der Pflicht­einbau­fälle. Gemeinsam mit den optionalen Einbau­fällen erreichte das Unternehmen knapp 47 Prozent.

Deutsch­landweit lag der Wert bei den Pflicht­einbau­fällen nur bei gut 233 Prozent. Damit gehört Mitnetz Strom zu den leistungs­stärksten Mess­stellen­betreibern.

Beim Steuerungsrollout zeige sich in der Praxis jedoch viel Skepsis, warnte Richter. Es drohe ein ähnliches Szenario wie bei den Smart Metern, dass es wenige zertifizierte Geräte gebe. "Da bin ich skeptisch, ob wir die 90 Prozent Einbauquote bis Ende des Jahres erreichen", so der Kaufmännische Geschäftsführer.

Resilienz nach Berliner Anschlag im Fokus

Eckenroth betonte zudem die wachsende Bedeutung der Resilienz. Man beschäftige sich intensiv mit der Widerstands­fähigkeit der Netze. "Wir haben durchaus auch Einbrüche in unsere Anlagen und verschärfen da unsere Sicherheits­maßnahmen", sagte der Technische Geschäftsführer.

Allerdings könne man das Netz nicht flächen­deckend zu "Fort Knox" machen. Beim Strom­ausfall in Berlin im Januar habe Mitnetz Strom vier Netz­ersatz­anlagen auf den Weg gebracht, um bei der provisorischen Versorgung der betroffenen Haushalte zu unterstützen.

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