Wie lassen sich Netzausbau und Ökostrom besser verzahnen? Eine Studie zeigt Lösungen auf. (Symbolbild)

Wie lassen sich Netzausbau und Ökostrom besser verzahnen? Eine Studie zeigt Lösungen auf. (Symbolbild)

Bild: © Patrick Pleul/dpa

Der Ausbau erneuerbarer Energien und der Netzausbau verlaufen in Deutschland bislang oft nicht synchron. Eine Studie der Beratung BET Consulting schlägt deshalb Änderungen am Strommarkt vor, die die Systemkosten deutlich senken könnten. Nach Berechnungen der Autoren wären Einsparungen von mehr als 120 Milliarden Euro möglich.

Der Vorschlag kommt zu einem Zeitpunkt, an dem der Gesetzgeber den Strommarkt neu ordnen muss. Bis Ende 2026 soll das Erneuerbare-Energien-Gesetz grundlegend reformiert werden. Dabei geht es auch um neue Regeln für Förderung, Marktintegration und Netzanbindung von Wind- und Solaranlagen.

Netzanschluss gedeckelt

Kern des Modells von BET ist die sogenannte systemdienliche Anschlussleistung (SAL). Sie beschreibt die Leistung, bis zu der eine erneuerbare Anlage einen garantierten Netzanschluss und eine gesicherte Einspeisemöglichkeit erhält. Diese Leistung liegt in der Regel unter der installierten Maximalleistung der Anlage.

Der Ansatz soll verhindern, dass Stromnetze auf selten auftretende Einspeisespitzen ausgelegt werden müssen. Netzbetreiber würden ihre Infrastruktur stattdessen an der niedrigeren Anschlussleistung orientieren. Nach Berechnungen der Studie könnte der Bedarf an Netzausbau dadurch deutlich sinken. Allein beim Netzausbau sehen die Autoren ein Einsparpotenzial von rund 80 Milliarden Euro.

Strommengen oberhalb der Anschlussleistung müssten flexibler genutzt werden. Dafür schlägt die Studie etwa flexible Anschlussvereinbarungen zwischen Netz- und Anlagenbetreibern vor. Zusätzlicher Strom könnte beispielsweise über Speicher genutzt, vor Ort verbraucht oder zeitlich verschoben eingespeist werden.

Redispatchkosten werden geteilt

Für Regionen mit knappen Netzkapazitäten sieht das Konzept ein Optionenmodell vor. Netz- und Anlagenbetreiber könnten etwa eine flexiblere Einspeisung vereinbaren oder den Netzanschluss zeitlich verschieben, bis zusätzliche Kapazitäten gebaut sind. Kommt keine Einigung zustande, greift eine wirtschaftlich unattraktive, aber kalkulierbare Fallback-Regel. In diesem Fall müssten beide Seiten einen Teil möglicher Redispatchkosten tragen.

Neben dem Netzanschluss setzt die Studie auf stärkere Anreize für Flexibilität im Stromsystem. Dazu gehören dynamische Strompreise, zeitvariable Netzentgelte sowie eine stärkere Rolle für Speicher und steuerbare Verbraucher.

Die Diskussion über ein effizienteres Stromsystem gewinnt an Bedeutung. Mit dem wachsenden Anteil erneuerbarer Energien steigen auch die Anforderungen an Netze und Flexibilität. Gleichzeitig wachsen die Kosten für Netzengpässe und Redispatchmaßnahmen.

Vor diesem Hintergrund dürfte die Frage, wie sich Netzausbau und Ausbau erneuerbarer Energien besser verzahnen lassen, eine zentrale Rolle bei der Reform des Strommarkts spielen.

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