Es war ein goldener Sommer für die Solarenergie, der am Samstag zu Ende ging – zumindest wenn man es mit den Meteorologen hält.
Zum ersten Mal überhaupt landete die Technologie im deutschen Stromerzeuger-Ranking von Mai an jeden einzelnen Monat auf Platz eins. Im Vorjahreszeitraum hatte die Solarenergie nur im Juni die Spitze erklommen.

9 TWh Solarstrom im August
Auch im August dieses Jahres wurden laut Fraunhofer-Plattform Energy-Charts mehr als neun Terawattstunden (TWh) Sonnenstrom produziert – der zweithöchste Monatswert der Geschichte. Noch mehr Strom wurde im Juli produziert. Tatsächlich dürfte auch im August noch mehr Solarstrom erzeugt worden sein.
Denn Energy-Charts zählt nur die öffentliche Nettostromerzeugung. Außen vor bleiben also beispielsweise Mengen, die von hunderttausenden Photovoltaik-Dachanlagen produziert und selbst verbraucht werden.
Photovoltaik vor Windkraft und Braunkohle
Seit Mai wurde jeden Monat mehr als ein Viertel des öffentlich erzeugten Stroms von Photovoltaik-Anlagen produziert. Im Juli und August waren es sogar jeweils rund 28 Prozent.
Dahinter ordnete sich die Windkraft ein – und dahinter abgeschlagen die Braunkohle, die noch im Jahr 2022 Sommer-Spitzenreiter gewesen war. Die Zeiten ändern sich.
712 Stunden Sonnenschein
Der Solar-Siegeszug hat mehrere Mütter. Da war das Wetter, das mitspielte. Mit 712 Stunden habe die Sonnenscheindauer ihr langjähriges Soll um fast 15 Prozent überragt, meldete der Deutsche Wetterdienst am Freitag. In Teilen Sachsens und Südbrandenburgs habe es sogar mehr als 800 Stunden Sonnenschein gegeben.
Und da ist der Solarausbau, der deutlich an Fahrt gewonnen hat. Laut Energy-Charts betrug die installierte Photovoltaik-Leistung im Juli mehr als 92 Gigawatt (GW). Das ist ein Plus von satten 16 GW gegenüber dem Juli 2023. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum wuchs die installierte Windkraftleistung insgesamt lediglich um etwa 3 GW.
Risiken auf Strommarkt
Der Solarboom zeigte auch, wo es auf dem deutschen Strommarkt noch klemmt. Als die Wetterprognose für den 3. Juni zu viel Sonne vorhersagte, hatten Photovoltaik-Händler im Intraday-Handel kräftig zu kämpfen, um nicht erzeugten Solarstrom anderweitig und deutlich teurer zu beschaffen.
Als am 23. August eine hohe Windstromproduktion auf viel Sonnenstrom traf, wurden in der Spitze fast 80 GW Strom in Deutschland erzeugt. Die Last lag in der Spitze dagegen lediglich bei rund 64 GW.
82 Euro pro MWh Durchschnittspreis im August
Regelmäßig segelten die Day-Ahead-Strompreise in diesem Sommer in den negativen Bereich. So auch am Samstag wieder, als Stromabnehmer an der Kurzfristbörse Epex Spot rund einen Euro pro Megawattstunde (MWh) erhielten, wenn sie Strom abnahmen.
Der durchschnittliche Day-Ahead-Börsenstrompreis pendelte sich im Sommer zwischen 60 und 85 Euro pro MWh ein, wobei die untertätigen Schwankungen teilweise enorm waren. Im August waren es 82 Euro pro MWh – 12 Euro weniger als im Vorjahreszeitraum. Die oft niedrigen Strompreise rund um die Mittagszeit kosteten den Staat dabei viel Fördergeld.
Ampel will EEG-Förderung kürzen
Von Mai bis Juli sammelte sich eine Deckungslücke von rund sechs Milliarden auf dem EEG-Konto, die nur durch massive Bundeszuschüsse gefüllt wurde. Für August liegen noch keine Zahlen vor.
Die Ampel-Regierung verständigte sich im Haushaltskompromiss darauf, die Kosten durch Gesetzesänderungen einzudämmen.

Gasverstromung steigt wieder
Im Schatten des Solarbooms ging die Kohleverstromung im August weiter zurück. Kohlekraftwerke erzeugten nur noch rund 7 TWh. Im August 2022, auf dem Höhepunkt der Energiekrise, waren es noch doppelt so viele Mengen gewesen.
Die Gasverstromung stieg dagegen den dritten August in Folge – auf nun gut 3 TWh. Gebremst wurde die Entwicklung ein Stück durch die Gaspreisrallye in der ersten Augusthälfte.
Frankreich größter Netto-Stromlieferant
Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entwickelten sich die Netto-Stromimporte im August wieder rückläufig. Wurden im August 2023 noch 5,8 TWh Strom netto importiert, waren es diesmal 4,4 TWh.
Auf Platz eins der größten Netto-Stromlieferanten Deutschlands behauptete sich Frankreich (1,5 TWh), gefolgt von der Schweiz und dem letztjährigen Spitzenreiter Dänemark (jeweils 1,3 TWh). Vier Länder erhielten im August mehr Strom von Deutschland, als sie lieferten: der Reihe nach waren das Österreich (–0,7 TWh), Polen (–0,4 TWh) , Tschechien und Luxemburg (jeweils –0,3 TWh). Ausgewertet wurde der grenzüberschreitende Stromhandel, nicht die grenzüberschreitenden physikalischen Stromflüsse. (aba)
Hinweis: Die genannten Zahlen wurden der Plattform Energy-Charts, einem Angebot des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme, entnommen. Die Zahlen stammen von verschiedenen Quellen, darunter Entso-E und AG Energiebilanzen. Die Daten sind vorläufig. Sie können sich nach Zugang weiterer Datenquellen leicht ändern. Für diese Auswertung wurden Windkraft an Land und auf See nicht gesondert, sondern zusammen gezählt.
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