Zu viel Sonnen- und auch Windstrom haben im Mai zu zahlreichen negativen Preisstunden in Deutschland geführt. Zwischen dem 9. und 16. Mai kam es sogar erstmals an acht aufeinanderfolgenden Tagen zu Stunden mit Strompreisen gleich Null oder darunter. Der Grund: Im Mai ist die PV-Produktion traditionell am stärksten. An einigen Tagen gesellte sich zudem eine hohe Windstromproduktion hinzu.
Besonders an Feier- und Sonntagen, wenn wenig Strom verbraucht wird, übersteigt das Stromangebot dann die Nachfrage. Inzwischen kommt es aber sogar werktags zu negativen Preisphasen. Ein Land, das dieses Phänomen bereits seit längerem kennt, ist Griechenland. Die Regierung hat sich nun eine besondere Lösung einfallen lassen, um die Verwerfungen am Strommarkt einzuhegen.
Nachtstromtarif am Tag
Das griechische Umwelt- und Energieministerium plane, den günstigeren Nachtstromtarif künftig tagsüber anzubieten, um das Stromangebot und die Nachfrage wieder in Einklang zu bringen, berichtet die Tageszeitung "Kathimerini". Die Nachttarifzeiten sollen dann voraussichtlich auf tagsüber zwischen 11.00 und 16.00 Uhr verschoben werden.
Das Ministerium erwägt laut Medienberichten sogar, ein Subventionsprogramm für intelligente Haushaltsgeräte aufzulegen, damit die Verbraucher etwa smarte Wasch- und Spülmaschinen tagsüber von der Arbeit aus per App einschalten und so den günstigeren Tarif in Anspruch nehmen können. Eine entsprechende Verordnung soll bereits in Arbeit sein.
Neues Strompreis-System
Zuvor hatte sich die Situation anlässlich des griechisch-orthodoxen Osterfestes am 5. Mai nochmals verschärft. Der Unabhängige Übertragungsnetzbetreiber (ADMIE) war gezwungen gewesen, alternative Energiequellen im großen Maßstab vom Netz zu nehmen, weil die überschüssige Stromproduktion nicht vollständig verbraucht, in andere Länder exportiert oder gespeichert werden konnte. Speicherprojekte, die hier Abhilfe schaffen würden, sind noch nicht fertiggestellt.
In Griechenland kommt es immer häufiger vor, dass diese alternativen Energiequellen tagsüber zwischenzeitlich vom Netz genommen werden müssen, um die Stromversorgung stabil zu halten und Stromausfälle zu vermeiden. Seit Anfang 2024 gibt es in der hellenischen Republik daher bereits ein neues Strompreis-System. Zudem wird Strom nicht mehr staatlich subventioniert.
Einführung dynamischer Tarife reicht nicht aus
Mit dem neuen Preissystem hatten Verbraucher zum ersten Mal die Wahl zwischen einem Tarif mit Festpreis und einem mit variablem Preis. Der variable Preis orientiert sich an den Preisen auf dem Großmarkt. Doch die dadurch erreichte Flexibilisierung des Verbrauchs reicht offenbar nicht mehr aus, um die massive Volatilität in der Erzeugung auszugleichen.
In Deutschland sind die Energieversorger verpflichtet, ab dem 1. Janaur 2025 zeitvariable oder dynamische Tarife einzuführen. Wie sehr diese dabei helfen, negative Preisphasen zu verhindern, ist noch offen. Erste Versorger bieten bereits entsprechende Tarife an oder haben diese angekündigt. (jk mit dpa)
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