Von Julian Korb
Der Wärmepumpenmarkt ist 2024 eingebrochen. Der Absatz ging 46 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück, auf rund 193.000 Einheiten. Schuld waren vor allem Unsicherheiten rund um die Heizungsförderung und die kommunale Wärmeplanung, meint der Bundesverband Wärmepumpe. Für die Hersteller ein Desaster. Sie hatten nach den guten Jahren 2022 und 2023 viel Geld in ihre Fertigungskapazitäten gesteckt und können diese nun nicht voll auslasten. Zahlreiche Hersteller hatten daher Mitarbeiter entlassen, beziehungsweise in Kurzarbeit geschickt.
Umso mehr hofft die Wärmepumpenbranche auf das aktuelle Jahr. Optimistisch stimmen den Branchenverband vor allem neue Zahlen zur Heizungsförderung. Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) war im Febraur 2024 an den Start gegangen. Bis Ende 2024 gab es mehr als 151.000 Förderzusagen, wovon allein gut 37.000 auf den Dezember entfallen. Die BEG-Förderung beginne endlich zu wirken, sagte BWP-Geschäftsführer Martin Sabel in Berlin.
Entlastung bei Strompreisen
Der Verband geht davon aus, dass sich der Markt bereits 2025 wieder erholen wird. Um rund 33 Prozent könnte der Absatz steigen, auf rund 257.000 Geräte. Zu mehr Wachstum könnte es kommen, wenn die künftige Bundesregierung bei den hohen Strompreisen entlaste. Der Differenz zwischen Strom- und Gas-, beziehungsweise Ölpreisen ist entscheidend dafür, wann sich die Mehrkosten für eine Wärmepumpe gegenüber Gas- oder Ölheizungen rentieren. Das heißt: Wenn die Strompreise sinken und gleichzeitig die CO2-Bepreisung auf Gas und Öl steigt, amortisieren sich Wärmepumpen schneller.
In den kommenden Jahren schließt der Verband deshalb sogar jährlich über 500.000 Geräte nicht aus. 2030 seien weiterhin insgesamt mehr als fünf Millionen installierte Geräte in Deutschland möglich. Die entsprechenden Kapazitäten hätten Industrie, Handwerk, Wohnungswirtschaft und weitere Branchen bei vier Wärmepumpengipfeln zugesagt, hieß es. Derzeit werden laut BWP in Deutschland rund 1,7 Millionen Wärmepumpen genutzt.
Kritik am Gebäudeenergiegesetz
Die Bundesregierung hatte sich 2022 eigentlich vorgenommen, dass ab 2024 jährlich eine halbe Million Wärmepumpen installiert werden sollen, um die CO2-Emissionen in der Wärmeversorgung zu verringern. Das Ziel ist 2024 nun deutlich unterschritten worden.
Für den Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) spielt auch das oft Heizungsgesetz genannte Gebäudeenergiegesetz (GEG) eine wichtige Rolle, das in seiner aktuellen Fassung seit Anfang 2024 in Kraft ist. Es sieht vor, dass jede neu eingebaute Heizung zu 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden muss. Die Regelungen greifen aber zunächst nur für Neubauten in einem Neubaugebiet.
CDU will Heizungsgesetz abschaffen
"Neben der langwierigen und öffentlichen Debatte und der damit einhergehenden Verunsicherung der Verbraucher werden die komplexen Regelungen des Gesetzes von vielen Verbrauchern als Zwang empfunden", sagte BDH-Hauptgeschäftsführer Markus Staudt. "Weiterhin führt die mit dem GEG verknüpfte kommunale Wärmeplanung dazu, dass die Menschen die Heizungsmodernisierung aufschieben und auf mögliche Angebote ihrer Kommune warten." Der BDH will das Gesetz zwar nicht abschaffen, fordert aber eine verständlichere Gestaltung.
Auch die Wärmepumpenbranche will das Heizungsgesetz beibehalten. Es habe ein "Aufbruchssignal" für erneuerbare Energien gesetzt. "Die Diskussion über eine Rücknahme der Regelungen löst bei Industrie, Handwerk und Gebäudeeigentümern deshalb vor allem Irritation aus", sagte Sabel. "Wir schaffen das Heizungsgesetz der Ampel ab", formuliert etwa die CDU in ihrem Wahlprogramm. Mit Blick auf die kommunale Wärmeplanung sagte Sabel, dass die Möglichkeiten für einen Ausbau der Fernwärmenetze beschränkt seien. "Das Potenzial an zentralen Lösungen wird überschätzt".
Die Diskussion über das derzeitige Heizungsgesetz führe zu einer unnötigen und schädlichen Zurückhaltung am Wärmemarkt, kritisiert die Branche. Die Lösungen seien bereits am Markt, Industrie und Handwerk hätten sich längst auf die Vorgaben eingestellt. Mit dem Gebäudeenergiegesetz, dem Wärmeplanungsgesetz und den Förderprogrammen seien die Grundlagen für einen klimaneutralen Gebäudebestand gelegt worden, sagte der stellvertretende BWP-Vorstandsvorsitzende Klaus Ackermann. Er rief die Politik dazu auf, "die Wärmewende als Chance zu erkennen".
Anreiz zur Elektrifizierung
"Diese Strukturen sollten so lange aufrechterhalten werden, bis darauf aufbauend der Europäische Emissionshandel für Wärme und Verkehr wie geplant im Jahr 2027 eingeführt wurde", sagte Ackermann weiter. Die Verwendung der Einnahmen daraus sollte frühzeitig geklärt und sozial gerecht gestaltet werden. Unter anderem solle damit der Strompreis weiter von Abgaben entlastet werden. "Wir plädieren dafür, die Wärmepumpenförderung stabil zu halten." Dies müsse aber nicht "auf alle Ewigkeit" geschehen. Eine Abschmelzung der Förderung in drei oder vier Jahren sei denkbar.
Von der neuen Bundesregierung erwartet der Verband Strompreissenkungen. Dies sei überfällig ‒ auch als Anreiz zur Elektrifizierung. "Gebäudeeigentümer müssen klar erkennen können, dass der Ausbau der günstigen erneuerbaren Stromerzeugung tatsächlich zu sinkenden Verbraucherpreisen führt", sagte Sabel. Dafür sei vor allem eine Lösung bei den Netzentgelten notwendig, und die Stromsteuer müsse auf das europarechtlich zulässige Minimum gesenkt werden. (mit dpa)
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