Von Daniel Zugehör
Der Absatz von Wärmepumpen in Deutschland könnte sich verdoppeln, wenn der Strompreis sinkt oder der Gaspreis steigt. Das zeigt eine aktuelle Analyse von KfW Research, dem Forschungszentrum der staatlichen Förderbank KfW. "Das Verhältnis von Strom- zu Gaspreis ist ein relevanter Hebel, um die Verbreitung von Wärmepumpen voranzutreiben", erklärt Johannes Rode, Energieexperte bei KfW Research, per Mitteilung.
Aktuell seien die Stromkosten hierzulande im Schnitt etwa viermal so hoch wie die Gaspreise – eine Hürde für die Verbreitung dieser klimafreundlichen Technologie. Würde sich der durchschnittliche Strompreis halbieren oder aber der Gaspreis verdoppeln, dann sei "nahezu eine Verdopplung des Absatzes an Wärmepumpen zu erwarten".
Deutschland hinkt hinterher
Ein Blick auf andere europäische Länder zeigt den Rückstand Deutschlands. Während 2023 in Deutschland 11 Wärmepumpen pro 1000 Haushalte verkauft wurden, waren es in der Schweiz 17, in Frankreich 23, in Schweden 36 und in Norwegen sogar 57. Auch beim Gesamtbestand an Wärmepumpen liegt Deutschland weit zurück: In Norwegen und Finnland ist jedes zweite Wohngebäude mit einer Wärmepumpe ausgestattet, in Deutschland sind es nur fünf Prozent.
Im Jahr 2024 brach der Markt hierzulande gegenüber dem Vorjahr um 46 Prozent ein. Schuld daran waren aus Sicht des Bundesverbandes Wärmepumpe vor allem Unsicherheiten rund um die Heizungsförderung und die kommunale Wärmeplanung. Zur Wahrheit gehört aber ebenfalls: Der Heizungsmarkt ist zuletzt insgesamt geschrumpft, nicht nur im Segment Wärmepumpe. Auch hier sieht der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie den Gesetzgeber in der Pflicht, einen verlässlichen Rahmen zu schaffen.
Zunehmende Nachfrage im Neubau
Doch es gibt auch positive Entwicklungen. Im Neubau haben sich Wärmepumpen als Standard etabliert. 2023 wurden 72 Prozent der genehmigten Einfamilienhäuser und 52 Prozent der Mehrfamilienhäuser damit ausgestattet. Auch insgesamt nimmt die Bedeutung der Technologie zu: "War im Jahr 2019 nur jeder zehnte verkaufte Wärmeerzeuger eine Wärmepumpe, so war es in den letzten beiden Jahren bereits jeder vierte", so die Analyse.
Gas soll teurer werden, aber sozialverträglich
Um den Markt als Ganzes anzukurbeln, schlägt Experte Rode verschiedene Ansatzmöglichkeiten vor. "Eine davon ist ein verlässlich ansteigender CO2-Preis, der zu einem höheren Gaspreis führt. Auch attraktive Stromtarife für Wärmepumpen sind eine Option." Er betont jedoch: "Besonders wichtig ist es, einkommensschwache Haushalte in energetisch ineffizienten Gebäuden zu unterstützen. Zuschüsse oder zinsgünstige Kredite könnten hier Abhilfe schaffen."
Die Zahlen zeigen: Damit Wärmepumpen flächendeckend zum Einsatz kommen, braucht es eine kluge Energiepolitik, die für faire Preise sorgt und niemanden zurücklässt. Die gesamte Studie ist online als PDF verfügbar.



