Caspar Baumgart, kaufmännischer Vorstand beim Schweriner Regionalversorger Wemag.

Caspar Baumgart, kaufmännischer Vorstand beim Schweriner Regionalversorger Wemag.

Bild: © Stephan Rudolph Kramer/Wemag

Caspar Baumgart ist einer von 30 Mentor:innen, die im Rahmen der Initiative "CEO der Zukunft" ihre Erfahrungswerte in der Kommunalwirtschaft an künftige Führungskräfte weitergeben. Im Dialog mit der ZfK spricht er über die Herausforderung, Klimaschutzziele zu erreichen und warum Stadtwerke gerade im Wärmebereich mehr gefordert sind als Konzerne. Ebenso hebt er die menschlichen Qualitäten hervor, die in Toppositionen wegweisend sein können. 

Herr Baumgart, was war Ihre Motivation, sich als Mentor einzubringen?

Als ich kontaktiert wurde, habe ich mich ohne Zögern entschieden, an der Initiative teilzunehmen. Die Situation war ja sehr nachvollziehbar: Die Branche hat unheimlichen Bedarf an Nachwuchskräften, auch auf der obersten Führungsebene in den Unternehmen. Das Programm finde ich sehr spannend, nicht zuletzt, weil alle Beteiligten in Austausch kommen. Mentoring versteht sich nicht als Einbahnstraße; ich nehme dabei sicher auch selbst etwas mit. 

Welche Herausforderungen müssen Führungskräfte heutzutage bewältigen? Neben der Energiewende gibt es Themen wie Digitalisierung, künstliche Intelligenz und auch Nachhaltigkeit, die immer wichtiger werden – aber eben auch politische Veränderungen. Gehört ein gewisses Geschick dazu, Stakeholder-Erwartungen zu managen?

Das trifft mit Sicherheit zu und kann auch entscheidend sein. Ein Stadtwerk gehört in der Regel mehrheitlich oder sogar zu 100 Prozent der Kommune. In der einen oder anderen Kommune kann es schon vorkommen, dass in der Politik völlig überzogene Vorstellungen herrschen, wie schnell man klimaneutral werden kann.

Da muss man dann schon darauf hinweisen, dass es ganz so schnell nicht geht, oder auch anmahnen, dass dieses Vorhaben vernünftig und durchdacht angegangen werden muss.

Klimaschutz ist für mich das zentrale Thema. Wir müssen anerkennen, dass die Fakten eindeutig dafür sprechen, dass wir hier ein Riesenproblem haben. Entsprechend müssen wir uns als Gesellschaft und auch in den Unternehmen zukunftsfest aufstellen.

Wir müssen uns so ausrichten, dass mittel- und langfristig die Weichen in den Unternehmen in Richtung Energiewende gestellt sind. Wir müssen also vorausschauend weitsichtige Entscheidungen treffen, die auch in zehn oder 15 Jahren vertretbar sind. Ganz leicht ist das angesichts mancher Einschätzungsänderung in der Politik nicht. Trotzdem denke ich, dass Klimaschutz langfristig die zutreffende Richtschnur abgibt.

"Als kleines Stadtwerk kann ich nicht mit denselben Ansprüchen agieren wie ein großes Unternehmen."

Wie steht es um das Thema Digitalisierung?

Es hängt stark von der Unternehmensgröße ab, wie man dieses Thema angeht. Als kleines Stadtwerk kann ich nicht mit denselben Ansprüchen agieren wie ein großes Unternehmen. Es wird aber auch für kleinere Unternehmen Lösungen geben, die der Markt anbietet.

Wir merken ja, dass Anwendungen, die im Unternehmen zum Einsatz kommen, ohnehin durch KI angereichert werden, ohne, dass wir aktiv etwas tun müssen. Das machen die Anbieter dieser Anwendungen selbst.

KI muss man natürlich extrem gut beobachten, weil sie einen großen Effekt haben kann.

Wenn KI gut funktioniert, wird sie in der Produktivität zu Quantensprüngen führen. Wer dies nicht mitgeht, ist im Wettbewerb schnell abgehängt. Insgesamt werden Stadtwerke mehr kooperieren, nicht nur im Bereich der Digitalisierung und KI, sondern auch auf anderen Feldern. Auch bei der Thüga-Gruppe gibt es diesbezüglich verschiedenste Initiativen.

Wie hebt sich die Kommunalwirtschaft von den privaten Unternehmen ab?

Die Kommunalwirtschaft tickt schon ein bisschen anders als die großen Konzerne. Ich habe mein Berufsleben in der Energiewirtschaft bei der Thüga gestartet, einem ganz stark kommunal ausgerichteten Unternehmen. Vor 15 Jahren bin ich dann bei Wemag als Kaufmännischer Vorstand eingestiegen, als diese kommunalisiert wurde. Sie war zu diesem Zeitpunkt eher konzerngeprägt, weil sie zuvor Teil von HEW und später Teil von Vattenfall war.

Mit der Kommunalisierung der Wemag gab es dann Veränderungsmöglichkeiten. Plötzlich wurden Dinge möglich, die vorher in einem Konzern nicht möglich waren.

"Ich schätze es, wenn Kollegen mit einem Konzernhintergrund andere Herangehensweisen und Sichtweisen haben. Das hilft, sich selbst zu hinterfragen."

Gleichzeitig war die Wemag mit ihren Geschäftsfeldern damals außerordentlich schmal aufgestellt und umfasste noch keine erneuerbaren Energien, keine Wärme, kein Gas und kein Glasfasergeschäft. Viele Dinge, die das Unternehmen heute ausmachen, sind erst seit 2010 dazugekommen. Die kommunalen Gesellschafter haben die breite Diversifizierung unterstützt und gewollt, weil sie diese als wichtig für die Daseinsvorsorge vor Ort gesehen haben. Da haben große Konzerne manchmal eine andere Sichtweise.

Auf der anderen Seite bringen Konzerne eine hohe, professionelle Qualität mit. Ich schätze es, wenn Kollegen mit einem Konzernhintergrund andere Herangehensweisen und Sichtweisen haben. Das hilft, sich selbst zu hinterfragen.

Trotzdem passt manche Konzernarbeitsweise nicht zu einem Stadtwerk, weil die Größe einfach fehlt. Man kann als Stadtwerk nicht den gleichen Apparat wie ein Großkonzern bedienen, sondern muss anders agieren.

Welche Unterschiede zwischen kommunalen Unternehmen und Konzernen sehen Sie im Transformationsprozess der Branche?

Erst einmal muss man feststellen, dass alle Unternehmen die gleiche Verpflichtung haben – und das ist tatsächlich die größte Herausforderung –, dass wir die Energiewende und den Klimaschutz irgendwie hinkriegen müssen. Da stehen wir nun mal an vorderster Front in der Energiewirtschaft. 

Genau da sind kommunale Unternehmen noch einmal ganz anders gefordert als die großen Konzerne, auch wenn wir natürlich alle unseren Beitrag leisten. Trotzdem richten sich die Herausforderungen gerade im Wärmebereich in erster Linie an kommunale Unternehmen. Da kommt man schnell an Wirtschaftlichkeitsgrenzen.

Aber ich bin überzeugt, dass wir alle in der Branche aufgerufen sind, die Fahne für die Energiewende hochzuhalten, auch wenn man im Moment den Eindruck hat, dass die Politik auf die Bremse geht. Aber wir sind die Fachleute, und als Branche sollten wir den Bürger:innen auch erklären können, warum Maßnahmen nötig sind und wie wir sie umsetzen können.

Gerade als Führungskraft an der Spitze eines Unternehmens muss man das auch dem kommunalen Stakeholder vermitteln können, genauso wie den Mitarbeitenden, denn sie machen sich natürlich auch Gedanken, wie es weitergeht.   

"Es sollten offene Personen sein. Anders können wir mit den vielen Veränderungen nicht umgehen."

Was erhoffen Sie sich von dem oder den Mentees, die Sie selbst bei diesem Projekt annehmen?

Ich werde erst bei den Kennenlernterminen herausfinden, mit wem ich es zu tun bekomme – und umgekehrt. Ich wünsche mir bewegliche, im positiven Sinne selbstkritische Menschen als Mentees. Das ist aus meiner Sicht entscheidend. Man sollte sich nicht selbst im Weg stehen. Leider erlebt man genau das ja manchmal.

Und es sollten offene Personen sein. Anders können wir mit den vielen Veränderungen nicht umgehen. Nicht zuletzt geht es ja darum, die Mitarbeitenden dazu zu inspirieren, mit diesen Entwicklungen optimistisch und positiv umzugehen. Anstatt starr oder hierarchisch geführt zu werden, möchten Mitarbeiter:innen mitgenommen werden und mitmachen. Man muss sie also erreichen. Das erfordert menschliche Qualitäten, und diese sind für mich das Wichtigste.

Gibt es intern bei Ihrem Unternehmen Programme, die Talente oder Führungskräfte fördern?

Wir haben intern ein Entwicklungsprogramm für Führungskräfte, das eine Laufzeit von einem Jahr hat. Das richtet sich an Menschen, die schon Führungskräfte sind oder es absehbar werden.

Wie steht es um die Frauenquote?

Bei unserer Frauenquote gibt es tatsächlich Verbesserungspotenzial, vor allem auf der ersten Ebene unter dem Vorstand, wo wir bei rund 20 Prozent liegen. Bei der nachfolgenden Ebene liegt die Quote bei 38 Prozent, was für ein stark technisch orientiertes Unternehmen schon recht gut ist.

Aber die Schaffung einer möglichst ausgewogenen Struktur auf den Führungsebenen benötigt viel Zeit; Positionen müssen erst mal frei werden. Deshalb machen Geschlechterquoten für mich Sinn. Sie fördern bewusste Entscheidungen, Frauen öfter zu berücksichtigen.

Was ist Ihr generelles Feedback zu der Initiative?

Ich finde dieses Programm wirklich sehr spannend, weil es abgesehen vom eigentlichen Mentoring auch tolle weitere Elemente enthält, die von den Mentees in Anspruch genommen werden können. Das macht die Initiative insgesamt sehr hochwertig.

Das Interview führte Ruth Heer

Das Gespräch mit Caspar Baumgart ist Teil einer Serie über das Engagement der Mentor:innen bei der Initiative "CEO der Zukunft".

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