Sie ist bereits Prokuristin: Iman El Sonbaty rückt nun offiziell an die Spitze der Stadtwerke Karlsruhe.

Sie ist bereits Prokuristin: Iman El Sonbaty rückt nun offiziell an die Spitze der Stadtwerke Karlsruhe.

Bild: © Stadtwerke Karlsruhe

Nur wer bei sich bleibt, kann andere sicher durch Veränderung führen, sagt Iman El Sonbaty. Die Geschäftsführerin der Stadtwerke Karlsruhe setzt auf klare Kommunikation, Empathie und Transparenz. Im Interview erklärt sie, wie sie mit der heutigen Informationsflut umgeht, warum sich Gespräche mit Mitarbeitenden trotz Zeitdruck lohnen – und weshalb Mitarbeitende Respekt statt Misstrauen verdienen.

Frau El Sonbaty, Sie haben auf Linkedin geschrieben: "Im Zeitalter endloser Streams verwechseln wir Sammeln mit Lernen." Was meinen Sie damit?

Ich sage immer: Mein Kopf ist kein Netflix-Server. Nur weil ich zehn Podcasts speichere, habe ich noch nichts gelernt. Was wirklich hängen bleibt, sind die Dinge, die ich anwende. Das gelingt mir oft, wenn ich darüber schreibe oder mit anderen diskutiere. Manche meiner besten Kontakte sind durch Linkedin-Kommentare oder Direktnachrichten entstanden. Sammeln ist nett, aber Lernen beginnt da, wo man ausprobiert, reflektiert und weitergibt.

Führung in der Transformation ist wie Autofahren im Nebel: Du brauchst viel Gespür, aber manchmal auch das klare Signal: Jetzt rechts abbiegen.

Wie gehen Sie persönlich mit der Informationsflut im Alltag um und ist das ein Thema für Ihr Team?

Ich nehme mir ganz bewusst Pausen zum Nachdenken – so, wie andere Pausen für Sport oder Kaffee einplanen. Ohne Reflexion ist alles nur Rauschen. Ich frage mich: Hilft mir das? Kann ich es für mich oder für mein Team nutzbar machen? Und wenn ja: Dann spreche ich es im Team an. Oft entsteht aus einer Idee erst im Austausch die richtige Perspektive.

Sie schreiben auch über Führung in Zeiten der Transformation, zwischen Empathie und klarer Ansage. Wie finden Sie die Balance?

Führung in der Transformation ist wie Autofahren im Nebel: Du brauchst viel Gespür, aber manchmal auch das klare Signal: Jetzt rechts abbiegen. Für mich heißt das: präsent sein, zuhören, Themen kennen, mich einfühlen – und trotzdem bei mir bleiben. Empathie ist wichtig, aber ohne Orientierung bleibt sie ein Kuschelfaktor. Meine Devise: Observe, don’t absorb. Ich beobachte aufmerksam, lasse mich aber nicht von jeder Emotion mitreißen. Nur wer bei sich bleibt, kann andere sicher durch Veränderung führen. Das sind Erfahrungen, die ich gerne mit meinem Team teile.

Ich will, dass meine Leute glänzen: Dafür beleuchtet man die Bühne, nicht mit der Lupe jedes Detail.

Sie plädieren für 1:1-Gespräche. Warum investieren Sie dafür Zeit – trotz vollem Kalender?

Weil ein 1:1 mehr bewegt als zehn Mails. Es geht nicht um Protokoll, sondern um echte Verbindung. Manchmal sind es fünf Minuten in der Kaffeeküche, manchmal ein "Walk and Talk an der Alb". Dabei höre ich zu, verstehe und zeige Respekt. Ich bekomme Einblicke in Belastungen, Ideen oder neue Sichtweisen – und die Mitarbeitenden merken: Ihre Stimme zählt. Am Ende ist das ein Investment, das sich hundertfach auszahlt, weil es Orientierung gibt und Energie freisetzt.

Viele Führungskräfte sagen: "Kontrolle ist Teil von Führung." Was ist Ihre Sicht?

Kontrolle im Sinne von "über die Schulter schauen" demotiviert. Ich setze auf Transparenz und Monitoring: Ergebnisse gemeinsam anschauen, Fortschritte sichtbar machen, Feedback geben. Das ist für mich kein Misstrauen, sondern Respekt. Ich will, dass meine Leute glänzen: Dafür beleuchtet man die Bühne, nicht mit der Lupe jedes Detail.

Das Interview führte Christina Hövener-Hetz

Der Beitrag ist zuvor in der Oktober-Ausgabe der ZfK erschienen. Zum Abo geht es hier.

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