Bild: © Mainzer Stadtwerke

Der Vertrag des Mainzer Stadtwerkechefs wird verlängert. Daniel Gahr soll bis 2032 Vorstandsvorsitzender bleiben, beschloss der Aufsichtsrat des kommunalen Unternehmens. Der im Februar 2027 auslaufende Vertrag des Kaufmännischen Vorstands werde somit vorzeitig um weitere fünf Jahre verlängert, erklärten die Stadtwerke. Neben ihm ist Kerstin Stumpf Technische Vorständin.

"Die Mainzer Stadtwerke sind finanziell ein kerngesundes Unternehmen, das in den kommenden Jahren selbstbewusst die Herausforderungen in der Energie-, Wärme- und Verkehrswende angehen kann", erklärte Stadtwerke-Aufsichtsratsvorsitzende Sylvia Köbler-Gross (Grüne) zu der Verlängerung.

Daniel Gahr hat in Mainz Geschichte, Politik und Volkswirtschaft studiert und war lange Jahre in der Verlagsbranche tätig, bevor er in die Energiebranche wechselte. 2014 wurde er Geschäftsführer der Überlandwerke Groß-Gerau, einer Stadtwerke-Tochter. 2017 wechselte er in den Vorstand der Mainzer Stadtwerke und übernahm kurz darauf die Position als Kaufmännischer Vorstand und Vorstandsvorsitzender.

Rechnungshof hat die Stadtwerke Mainz im Visier

Die Verlängerung erfolgt nicht ohne Kritik. Ein Argument der Kritiker ist der Prüfbericht des rheinland-pfälzischen Rechnungshofs 2022. Wie das Lokalmedium "Mainz&" berichtet, warf der Rechnungshof dem Stadtkonzern schwere Mängel in der Unternehmensführung vor: Gleich mehrfach rügten die unabhängigen Prüfer demnach mangelnde Transparenz in der Unternehmensführung und fehlende Deckungsbeitragsrechnungen. Seitdem habe der Rechnungshof von den Mainzer Stadtwerken wiederholt Nachbesserungen und das Abstellen von Mängeln gefordert und sei von diesen mit seiner Kritik nicht ernst genommen worden

In der Amtszeit von Daniel Gahr haben die Stadtwerke jedes Jahr überaus positive Ergebnisse erzielt, die Jahresüberschüsse summieren sich seit 2017 trotz Corona-Pandemie und Ukraine-Krieg auf mehr als 150 Millionen Euro, erklärten dagegen die Stadtwerke in der Pressemitteilung zur Vertragsverlängerung. Die Eigenkapitalquote kletterte in dieser Zeit demnach auf über 40 Prozent.

Warum eine Expertise im Verlagswesen technische und energiebranchenspezifische kaufmännische Fähigkeiten vermittelt haben sollte, war bei objektiver Betrachtung nicht erkennbar.

Rechnungshof Rheinland-Pfalz

2024 legte der Rechnungshof noch einmal nach. In seinem Kommunalprüfbericht kritisiert er die Bestellung Gahrs, wenn auch ohne seinen Namen zu nennen: "Das Verfahren, das der Bestellung von Geschäftsführungen kommunaler Unternehmen vorausging, genügte demnach nicht immer den Anforderungen und schloss teilweise mit Entscheidungen ab, bei denen Zweifel an der fachlichen Eignung der bestellten Person bestanden." So habe ein im Energiesektor tätiges Beteiligungsunternehmen einer Stadt als zusätzlichen Geschäftsführer eine Person, die zuvor vor allem im Verlagswesen aktiv war, bestellt.

Die Kritik des Rechnungshofes: Die Geschäftsführerstelle war nicht ausgeschrieben worden. "Warum eine Expertise im Verlagswesen technische und energiebranchenspezifische kaufmännische Fähigkeiten vermittelt haben sollte, war bei objektiver Betrachtung nicht erkennbar", hieß es im Bericht. Die Schaffung und Besetzung einer zusätzlichen Geschäftsführerstelle ohne Ausschreibung liefe den wirtschaftlichen Interessen des Unternehmens zuwider. Insbesondere angesichts der Vergütungshöhe sei es geboten, die Personalauswahl einem Wettbewerb am Markt zu unterziehen.

Ein weiteres Thema, das Gahr derzeit belastet: die Affäre um die Marina im Mainzer Zollhafen. Diese wurde zu seiner Amtszeit von einer Stadtwerke-Tochter unter Wert verkauft. Die Staatsanwaltschaft ermittelt dazu.

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