Immer weniger Auszubildende schließen ihre Ausbildung erfolgreich ab, wie eine aktuelle Studie herausgefunden hat. (Symbolbild)

Immer weniger Auszubildende schließen ihre Ausbildung erfolgreich ab, wie eine aktuelle Studie herausgefunden hat. (Symbolbild)

Bild: © goodluz/AdobeStock

Von Boris Schlizio

Jobteaser, eine europäische Plattform für Recruiting und Karriereorientierung von Studierenden und Hochschulabsolvent:innen, hat einen neuen Bericht veröffentlicht, der zeigt, welche Berufsfelder besonders unter Druck stehen.

Auf Grundlage von mehr als 300.000 Bewerbungen und 100.000 Stellenangeboten wird sichtbar, wie Unternehmen neue Fachkräfte gezielter anwerben können.

So lesen Sie den Index: Bei den Berufen im Bereich "Bauingenieurwesen und Statik" liegt die tatsächliche Bewerbungsquote angesichts des aktuellen Stellenangebots bei 13 Prozent der erwarteten Bewerbungen für diesen Beruf, sodass diese Stellen besonders schwer zu besetzen sind.Bild:@ Jobteaser

Kommunale Unternehmen mehrfach betroffen

Der Jobteaser-Index offenbart: Sechs der zehn Berufe mit den größten Besetzungsproblemen stammen aus dem Ingenieurwesen. Ganz vorne liegen Bauingenieurwesen und Statik sowie Infrastruktur, Netzwerke und Telekommunikation. Der Bereich Energie, Werkstoffe und Maschinenbau liegt auf Platz zehn.

Nachhaltigkeitsthemen sind im Aufwind, aber schwer zu besetzen: Stellenausschreibungen im Bereich Umwelt und Nachhaltigkeit haben seit 2022 um 270 Prozent zugenommen. Der Boom trifft jedoch auf zu wenig qualifizierten Nachwuchs – deshalb rangieren diese Berufe im Spannungsindex auf Platz 6 der schwer zu besetzenden Felder.

Auch Verwaltung (Platz 3) und Kundenservice (Platz 4) zählen zu den schwer zu besetzenden Berufsfeldern, da es nicht genügend Bewerbungen auf freie Stellen gibt.

Michaël Giaj, Insight Manager bei Jobteaser, erklärt: "Die Diskrepanz zwischen Studienwahl und Arbeitsmarktbedarf ist eklatant. Während BWL-Studiengänge boomen, fehlen Ingenieur:innen und spezialisierte IT-Fachkräfte an allen Ecken. Unser Spannungsindex zeigt zwar, dass es auf viele IT-Stellen eine hohe Zahl an Bewerbungen gibt – doch die Profile passen häufig nicht zu den geforderten Qualifikationen."

Besonders relevant seien Schnittstellenbereiche, in denen wirtschaftliches Wissen mit technischen Kompetenzen verknüpft werden müssen – etwa in der Wirtschaftsinformatik, im Bereich Data Analytics oder im Rechnungswesen und Controlling. Hier zeichneten sich mittelfristig neue Engpässe ab.

Amber Wigmore Álvarez, Director of Partnerships, Universities & Schools bei Jobteaser

Potential von Frauen nutzen

In den Berufen mit großem Nachwuchsbedarf sind Frauen oft deutlich unterrepräsentiert. So liegt ihr Anteil in der Programmierung nur bei 17–20 Prozent, während in den Personalberufen lediglich 20–25 Prozent Männer vertreten sind. Diese Schieflage macht den Talentpool zusätzlich kleiner.

Cybersicherheit gehört daneben zu den dynamischsten Branchen. Bis 2026 wird ein Mangel von über 100.000 Fachkräften erwartet.

In der Industrie sind derzeit rund 350.000 Stellen unbesetzt – betroffen sind sowohl Fachkräfte als auch Akademiker:innen.

Bericht nennt Lösungen

Amber Wigmore Álvarez, Director of Partnerships, Universities & Schools bei Jobteaser, erklärt:
"Unsere Analyse zeigt deutlich: Die Studienwahl vieler junger Menschen erfolgt oft ohne klare Kenntnis der realen Jobperspektiven. Gleichzeitig entwickelt sich die Arbeitswelt schneller, als die Hochschulprogramme reagieren können – etwa in neuen Feldern wie Cybersicherheit oder Nachhaltigkeit. Umso wichtiger ist es, Studierende noch besser über Zukunftsbranchen zu informieren und sie gezielt bei Entscheidungen zu unterstützen, die zu ihren Stärken und Wünschen passen.“

Doch es gibt durchaus Wege, wie Unternehmen reagieren können:

  • Active Sourcing: Talente direkt an Hochschulen ansprechen, bevor der Wettbewerb zuschlägt.
  • Transparenz und Authentizität: Eine klare, glaubwürdige Arbeitgebermarke ist entscheidend.
  • Upskilling und Weiterbildung: Lernangebote systematisch in Stellenprofile integrieren.
  • Attraktivität steigern: Faire Vergütung, moderne Arbeitsmodelle und echte Entwicklungsperspektiven helfen, junge Talente langfristig zu binden.

Auch Adrien Ledoux, CEO von Jobteaser, betont: "Aus unserem Spannungsindex wird ersichtlich, dass wir es nicht mit einem allgemeinen Fachkräftemangel zu tun haben, sondern mit Engpässen in ganz bestimmten Berufsgruppen. Wer junge Talente für sich gewinnen will, muss diese Realität verstehen und seine Recruiting-Strategien gezielt danach ausrichten. Die gute Nachricht: Die Nachfrage nach Berufseinsteiger:innen bleibt hoch – Unternehmen haben jetzt die Chance, durch neue Ansätze im Recruiting einen echten Wettbewerbsvorteil zu erzielen.“

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