Aller Anfang ist schwer: Zum Start ins Berufsleben ist eine gute Ausbildung bei einem renommierten Unternehmen ein empfehlenswerter Schritt.

Aller Anfang ist schwer: Zum Start ins Berufsleben ist eine gute Ausbildung bei einem renommierten Unternehmen ein empfehlenswerter Schritt.

Bild: © industrieblick/AdobeStock

Von Ruth Heer

Zwischen den Erwartungen junger Menschen und dem Informationsangebot vieler Unternehmen klafft beim Thema Ausbildung noch immer eine deutliche Lücke. Laut einer neuen Studie zur dualen Ausbildung bieten Betriebe zwar häufig attraktive Bedingungen, kommunizieren diese aber nicht ausreichend. Anfragen der ZfK zeigen jedoch, dass sich die Kommunalwirtschaft in diesem Kontext ein vergleichsweise positives Zeugnis ausstellt.   

Insgesamt macht die Studie der Bertelsmann Stiftung und des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) deutlich: Der Engpass bei der Besetzung von Ausbildungsplätzen ist nicht allein ein Problem fehlender Bewerber:innen. Vielmehr besteht ein erheblicher Verbesserungsbedarf in der Kommunikation zwischen Betrieben und Jugendlichen, insbesondere mit Blick auf Gehalt, Recruitment-Prozess sowie die eigentlichen Aufgabenfelder. 

Gutes Betriebsklima ist zentrales Kriterium für 97 Prozent der Jugendlichen 

Wer Ausbildungsplätze erfolgreich besetzen will, muss Bewerbungsprozesse transparent machen, Inhalte konkret darstellen und offen über Vergütung sowie Perspektiven informieren, resümiert die Studie. Gleichzeitig sollten Unternehmen verstärkt staatliche Unterstützungsinstrumente nutzen, um auch Jugendlichen mit schwächeren Startbedingungen eine Chance zu geben. 

So ist für fast alle Jugendlichen ein gutes Betriebsklima entscheidend. 97 Prozent der insgesamt 1755 befragten 14- bis 25-Jährigen führten den Aspekt als ausschlaggebend für einen attraktiven Arbeitsplatz an – ein Wert, den auch nahezu alle Unternehmen für sich beanspruchen.

Bei anderen Faktoren zeigen sich jedoch deutliche Differenzen. Bei der Vergütung wünschten sich 95 Prozent der befragten Anwärter:innen vorab konkrete Angaben, doch nur 60 Prozent der Betriebe machen dies im Vorfeld zugänglich.

Auch beim Bewerbungsprozess erhoffen sich mehr als 80 Prozent des Nachwuchses transparente Informationen zum Ablauf. Zwar setzen 91 Prozent der Unternehmen inzwischen auf einfache Verfahren, kommuniziert wird dies jedoch nur von weniger als der Hälfte.

Zudem gaben 95 Prozent der Jugendlichen an, Wert auf eine konkrete Beschreibung von Aufgaben und Ausbildungsinhalten zu legen. Laut der Studie wird dies jedoch nur von drei Viertel der Unternehmen bereitgestellt.

Kommunalwirtschaft setzt auf attraktive Rahmenbedingungen

Während sich auch die Kommunalwirtschaft dem Fachkräftemangel nicht entziehen kann, versuchen viele Unternehmen aktiv, Anreize zu schaffen, neue Generationen anzusprechen.

Anfragen der ZfK demonstrieren nicht nur, dass die duale Ausbildung intern einen hohen Stellenwert einnimmt, sondern, dass man Maßnahmen zur Nachwuchsförderung auch an den Informationsbedürfnissen zu Arbeitsalltag, Perspektiven und Bewerbungsprozessen orientiert.

So betont die Gasag-Gruppe zum Beispiel, dass die duale Ausbildung ein hohes Ansehen genießt, das auch finanziell honoriert wird.  

"Zur Förderung von Nachwuchskräften setzt die Gasag-Gruppe auf eine qualitativ hochwertige Ausbildung, attraktive Rahmenbedingungen – wie die Kostenübernahme für den Führerschein in der gewerblichen Ausbildung, vielfältige Weiterentwicklungsmöglichkeiten und sehr gute Übernahmechancen. Ziel ist es, jungen Menschen eine praxisnahe, zukunftsorientierte Qualifizierung zu bieten, die sie optimal auf den Berufseinstieg vorbereitet", betont eine Firmensprecherin per E-Mail.

Employer Branding und Kommunikation werden über Kanäle umgesetzt, die jüngere Generationen ansprechen.  

"Dazu gehören unter anderem die Teilnahme an Ausbildungsmessen, Social-Media-Kampagnen sowie Kooperationen mit Schulen und Hochschulen – mit dem Ziel, junge Talente frühzeitig zu erreichen und für eine Karriere bei der Gasag-Gruppe zu begeistern," sagt das Unternehmen.

Neueste Techniken und innovative Lernmethoden

Die Stadtwerke München (SWM) betreiben unter anderem ein Ausbildungszentrum, das innovative Lernmethoden mit einer aktiven Einbindung in den Arbeitsalltag kombiniert.

Man richte die Ausbildungsinhalte immer aktuell an den Bedarfen und Erfordernissen aus, binde die Jugendlichen aber auch früh in den Unternehmensalltag mit ein, "damit sie ganz praktisch Erfahrungen sammeln aber auch Perspektiven und Möglichkeiten innerhalb ihres Berufsbilds direkt erfahren können", erklärt Gabriele Jahn, SWM Geschäftsführerin Personal, Immobilien, Bäder bei den Stadtwerken München.

Insgesamt bieten die Stadtwerke München zum September nächsten Jahres mehr als 120 Ausbildungsplätze in 13 Berufen sowie zwei duale Studiengänge mit vertiefter Praxis an.

"Die Ausbildungsberufe wie auch das Angebot an dualen Studiengängen, die wir seit vielen Jahren im Programm haben, orientieren sich an den Anforderungen des SWM-Konzerns", so Jahn.

Zeitliche Privilegien und Prämien für gute Leistungen

Auch zeitliche Privilegien werden eingebracht, um den Nachwuchs anzusprechen.

So bieten die Stadtwerke Karlsruhe etwa an, dass Berichtshefte, Projektarbeiten sowie Bachelorthesen während der Arbeitszeit erstellt werden können. An kurzen Tagen an der dualen Hochschule oder der Berufsschule müsse zudem nicht im Betrieb weitergearbeitet werden. "Das ermöglicht den Auszubildenden und Studierenden, sich stärker auf die Ausbildung zu fokussieren", sagt das Unternehmen.

Neben einer tarifvertraglichen Entlohnung übernimmt das Unternehmen auch die Kosten für Prüfungsgebühren, Fahrkarten und betriebliche Handys und bietet einen jährlichen Lehrmittelzuschuss an.

"Auszubildende und Studierende erhalten außerdem Prämien bei Abschlüssen und eine zusätzliche Prämie bei (sehr) guten Abschlüssen", sagen die Stadtwerke Karlsruhe.

Die Prüfungsvorbereitung wird zudem mit fünf Tagen Sonderurlaub honoriert.

Handlungsbedarf, junge Menschen für eine Ausbildung zu begeistern, ist ungebrochen hoch

Laut der Studie ist der Handlungsbedarf, junge Menschen für eine Ausbildung zu begeistern, ungebrochen hoch. Knapp die Hälfte der mehr als 1000 befragten Unternehmen konnten im vergangenen Jahr nur einen Teil oder gar keine der angebotenen Ausbildungsstellen besetzen. Umgekehrt findet immerhin ein Viertel der befragten jungen Menschen, dass es zu wenig Ausbildungsplätze gibt.

"Damit Ausbildungsbetriebe und potenzielle Auszubildende wieder häufiger zusammenfinden, sollten die Unternehmen in ihrem Ausbildungsmarketing noch häufiger auf die Informationen eingehen, die für junge Menschen wichtig sind", betont Dirk Werner, Leiter des Clusters Berufliche Qualifizierung und Fachkräfte beim IW.

Unternehmen werden flexibler bei der Auswahl

Laut der Studie zwingt der Fachkräftemangel insbesondere die Unternehmen zu größerer Kompromissbereitschaft. Zwei Drittel der Betriebe stellen mittlerweile auch Jugendliche ein, die nicht alle formalen Anforderungen erfüllen – im Vergleich zum Vorjahr eine steigende Tendenz.

Mehr als ein Drittel berücksichtigt sogar Bewerber:innen mit erheblichem Förderbedarf. Zudem legen acht von zehn Unternehmen weniger Wert auf Noten als auf den persönlichen Eindruck.

Auf Seiten der Jugendlichen zeigt sich hingegen ein anderes Bild: Nur 57 Prozent glauben, dass ihre individuellen Stärken wichtiger sind als Zeugnisse. Vor allem Jugendliche mit niedriger Schulbildung schätzen ihre Chancen weiterhin als gering ein. Laut Bertelsmann-Experte Clemens Wieland ist es entscheidend, dieser Gruppe Mut zu machen – gerade weil Unternehmen zunehmend offener für Bewerber:innen mit schwächeren schulischen Leistungen sind. 

Unterstützungsinstrumente kaum genutzt

Obwohl passende Förderprogramme existieren, sind sie in vielen Betrieben kaum bekannt. So kennen nur 15 Prozent der Unternehmen die "Assistierte Ausbildung (AsA-Flex)" der Bundesagentur für Arbeit, die sozialpädagogische Begleitung und Förderunterricht für Auszubildende mit Unterstützungsbedarf bietet.

Genutzt wird das Instrument sogar nur von 1,5 Prozent der Befragten. Hier sehen die Studienautoren deutlichen Handlungsbedarf: Politik und Verbände sollten die Programme aktiver bewerben, während Betriebe ihre Offenheit für den Einsatz solcher Instrumente erhöhen müssten.

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