Spätestens 2026 wird mehr Ladestrom nachgefragt – dann startet die neue E-Autoförderung.

Spätestens 2026 wird mehr Ladestrom nachgefragt – dann startet die neue E-Autoförderung.

Bild: © Adobe Stock/pureshot

Können Betreiber öffentlicher Ladesäulen wie Stadtwerke spätestens 2026 schwarze Zahlen schreiben? Die Koalition aus CDU/CSU und SPD hat sich auf Details zur weiteren Förderung der E-Mobilität geeinigt. Erst vor kurzem verlängerte sie bereits die Kfz-Steuerbefreiung für E-Autos.

Damit könnte der bislang oft als Zuschussgeschäft geltende Ladestrom schon bald Profite abwerfen. Konkret wollen CDU/CSU und SPD insbesondere Haushalte mit kleinem und mittlerem Einkommen finanziell unterstützen. Diese sollen bei Kauf oder Leasing eines E-Autos oder Plug-in-Hybrids mindestens 3000 Euro vom Staat als Zuschuss erhalten.

Schnieder: "richtig und wichtig"

Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) nannte die geplante Förderung in einem Statement "richtig und wichtig". "Ich begrüße alles, was mehr Elektromobilität ermöglicht", betonte Schnieder. Sein Ministerium werde bei der weiteren Ausgestaltung mitwirken. Kürzlich wurde auch der "Masterplan Ladeinfrastruktur 2030" verabschiedet.

Starten solle das neue Förderprogramm schnellstmöglich im Jahr 2026, betonten die Koalitionsspitzen. Nimmt die stotternde E-Mobilität – nach dem Wegfall der staatlichen Kaufprämie für E-Autos Ende 2023 – jetzt Fahrt auf? Die kommunalen Ladesäulenbetreiber beobachten das Geschehen jedenfalls sehr genau.

Zwischen Hoffen und Bangen

Das belegt auch eine jüngst durchgeführte Umfrage der ZfK unter einem Dutzend Stadtwerke. Viele von ihnen hoffen demnach auf einen baldigen Markthochlauf. Jedoch übten einige im Rahmen der nicht repräsentativen Befragung auch teils harsche Kritik an den noch geltenden Rahmenbedingungen.

"Markt wird wachsen"

Gefragt nach der Ausbaustrategie erklärten etwa die Stadtwerke im nordrhein-westfälischen Troisdorf, diese "konsequent nach der lokalen Nachfrageentwicklung und den bestehenden Förderkulissen" auszurichten. Das Unternehmen betreibt aktuell mehr als 100 öffentliche Ladepunkte, erklärte eine Sprecherin.

An einigen Standorten sei die Auslastung derzeit noch verhalten, "sodass ein weiterer Zubau momentan nicht erforderlich ist". Aber: Politische Signale wie die Verlängerung der Kfz-Steuerbefreiung für E-Autos "bestätigen unsere Einschätzung, dass der Markt weiter wachsen wird".

Die Ladesäulen der Stadtwerke Brühl sind nach eigener Aussage bereits heute "gut ausgelastet". "Wir beobachten eine stetig wachsende Nachfrage nach öffentlichen Lademöglichkeiten", führte ein Sprecher aus. Sein Unternehmen werde daher weiter in den Ausbau investieren.

Stromabsatz steigt

Es sehe "in diesem Bereich eine stabile Entwicklungsmöglichkeit, die die Basis für die Verbreitung der Elektromobilität schafft". Auch die Stadtwerke Neuss verzeichnen "kontinuierlich steigende Stromabsätze an unseren Ladepunkten", sagte ein Sprecher. "Der Hochlauf […] geht bei uns mit dem Ausbau der Ladeinfrastruktur einher."

Ebenfalls positive Signale kommen aus Münster und Iserlohn: E-Mobilität werde sich fraglos durchsetzen, so ein Sprecher der Stadtwerke Münster – mit der entsprechenden Nachfrage nach Lademöglichkeiten. Er betont: Der Ausbau werde weitergehen, "dies auch unabhängig von eher kurzfristigen politischen Zielen".

Die Stadtwerke Iserlohn wollen vor allem neue Schnellladesäulen errichten. Diese würden laut einer Sprecherin in dem Netz aus 120 Ladepunkten häufiger frequentiert. Entwickelt werde "derzeit eine Idee, wie wir – auch angesichts etwaiger Förderungen des Gesetzgebers – diesem Trend begegnen und mögliche weitere Ladepunkte installieren."

"Rahmen nicht geeignet"

Ganz anderes die Situation in Greven (Nordrhein-Westfalen): "Unsere Ladesäulen haben bei der Auslastung noch Potenzial", räumt ein Unternehmenssprecher ein. Er betont: "Solange sich diese Situation nicht ändert, werden wir unsere Planung nicht von politischen Ankündigungen abhängig machen."

Ähnlich klingt es im sächsischen Zittau. "Zum Elektromobilitätsmarkt allgemein sind wir der Meinung, dass die vorhandenen Rahmenbedingungen in Deutschland nicht geeignet sind, kurzfristig große Veränderung zu erzielen", erklärte Thomas Prange, Referent der Geschäftsführung der örtlichen Stadtwerke.

Für den überwiegenden Teil der Konsumenten sei der betreffende Markt noch zu unattraktiv, führt Prange aus. Um diesen anzukurbeln, sieht er drei Hebel: "Ladestromkosten runter, Ladeinfrastruktur massiv ausbauen – Schwerpunkt ist die Lademöglichkeit vor der Wohnung – und preiswerte Elektroautos".

Entflechtung bereitet Kopfzerbrechen

Prange unterstreicht, dass die Antwort auf die Ausbaustrategie komplex sei, und verweist darauf, dass die Stadtwerke Zittau vom § 7c EnWG betroffen sind. Der 2021 eingeführte Paragraf untersagt seit 2024 den gleichzeitigen Betrieb von Ladenetz und Stromnetz (Entflechtung). Kleinere Netzbetreiber mit weniger als 100.000 Kundinnen und Kunden haben noch Zeit bis zum 31. Dezember 2026, ihre Geschäftsbereiche zu entflechten.

"Eine enorme Hürde", meint auch die Sprecherin der Stadtwerke Troisdorf. Diese Trennung erhöhe den organisatorischen Aufwand und auch die Kosten für den weiteren Ausbau. Die Strukturen für den Betrieb öffentlicher Ladeinfrastruktur in Schwester-Gesellschaften müssten zunächst ausgeprägt werden.

Wie das Thema Entflechtung gelingen kann, zeigt ein Beispiel aus Schleswig-Holstein. Das Stadtwerk Steinburg wurde als Dienstleistungstochter von gleich vier Stadtwerken gegründet. Mit operativen Vorteilen, etwa einem zentralen Backend und einer einheitlichen Abrechnung. Mehr dazu lesen Sie hier.

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