Deutschland wartet mindestens seit vier Jahren auf neue Gaskraftwerke, die Welt nicht. Das führt dazu, dass die Anlagen, die die Bundesregierung bauen lassen will, noch teurer werden könnten.
Fakt ist: Die Herzstücke gerade großer Kraftwerke, Gasturbinen, sind derzeit international heiß begehrt. Die gut gefüllten Auftragsbücher von Deutschlands führender Gasturbinenhersteller Siemens Energy sind da nur das jüngste Beispiel. Das Geschäft mit der Stromerzeugungstechnologie ist einer der Hauptgründe, warum das noch vor wenigen Jahren kriselnde Unternehmen plötzlich einen Höhenflug auf den Aktienmärkten erlebt.
"Nachfrage stärker als erwartet"
Kunden platzierten Aufträge wegen der langen Lieferzeiten inzwischen möglichst früh, sagte Konzernchef Christian Bruch am Mittwoch in einer Telefonkonferenz. Derzeit würden bereits Kapazitäten für 2029 und 2030 reserviert.
Wenige Tage zuvor hatte auch Siemens-Energy-Konkurrent Mitsubishi Heavy Industries (MHI) glänzende Geschäftszahlen gemeldet. Hier wurde unter anderem die starke Gasturbinen-Nachfrage in den USA als Hauptgrund genannt.
Insgesamt habe sich die Nachfrage nach Gasturbinen innerhalb eines Jahres auf 100 Gigawatt (GW) verdoppelt, sagte MHI-Finanzchef Hiroshi Nishio bei einer Pressekonferenz. "Die Nachfrage ist viel stärker als erwartet." Zur Erinnerung: Die Bundesregierung selbst will bis Anfang der 2030er-Jahre mindestens 10 GW Gaskraftwerke bauen lassen.
Kostentreiber Gaskraftwerke
Wohl dem also, der Gasturbinen herstellt. Die Rentabilität von Gasturbinen steige von Jahr zu Jahr, sagte Nishio. Wehe dem dagegen, der in Zeiten wie diesen Gasturbinen bestellen muss. Er muss nicht nur mit langen Lieferzeiten, sondern auch mit hohen Preisen rechnen.
Bei keiner anderen Stromerzeugungstechnologie seien die Kosten weltweit so gestiegen wie bei Gaskraftwerken, sagte Markus Krebber, Chef des deutschen Stromerzeugers RWE, jüngst bei einem Pressegespräch. Dabei gehört sein Unternehmen nach eigener Aussage zu jenen, die vorgesorgt haben.
Krebber verwies auf Vorverträge. Er zeigte sich "durchaus optimistisch", dass die ersten Gaskraftwerke bereits 2029 ans Netz gehen könnten. Vorausgesetzt, die Ergebnisse im Rahmen der ersten Kraftwerksausschreibungen lägen im dritten Quartal dieses Jahres vor.
Debatte um Mindestgröße
Aktuell gibt es noch keinen fertigen Gesetzentwurf des Bundeswirtschaftsministeriums. Seit Veröffentlichung der Grundsatzeinigung mit der EU-Kommission Mitte Januar ist fast ein Monat ins Land gezogen. Das erschwert die Planbarkeit interessierter Kraftwerksbetreiber. Zumal die Debatte um die deutsche Kraftwerksstrategie seit Jahren dauert. Bereits die Ampel hatte in ihrem 2021 unterzeichneten Koalitionsvertrag vereinbart, neue, notwendige Gaskraftwerke zu bauen.
Klar ist: Wer Gaskraftwerke mit mehreren hundert Megawatt (MW) Leistung errichten will, kommt an Gasturbinen kaum vorbei. Für kleinere Anlagen könnten Gasmotoren dagegen häufig die günstigere Alternative sein.
Noch steht nicht fest, ab welcher Mindestgröße eine Teilnahme an Ausschreibungen im Rahmen der Kraftwerksstrategie möglich wäre. Im versandeten Ministeriumsentwurf von Robert Habeck (Grüne) mussten es mindestens 10 MW sein. Kommt es wieder so, stünde Ausschreibungsteilnehmern der Ausweg Gasmotoren frei.





